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Susanna Babst-Matejic und Marc Boé nutzen Internet-Portal für internationale Kontakte

Kostenloses Übernachten dank Couch-Surfing

Hameln (jhe). Egal in welcher Stadt, in welchem Land oder auf welchem Kontinent sich Susanna Babst-Matejic und Marc Boé gerade befinden, überall können sie kostenlos übernachten – und das auch noch mehr oder weniger komfortabel. Meist reicht eine kurze Nachricht übers Internet, um irgendwo bei irgendwem auf irgendeinem Sofa zu schlafen – denn Susanna und Marc sind Couch-Surfer.

veröffentlicht am 26.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 12:21 Uhr

Freut sich trotz aller Begeisterung für das „Couch-Surfing
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Ebenso wie rund 1 268 000 Menschen auf der ganzen Welt sind die beiden Hamelner Mitglied beim Internet-Portal Couch-Surfing. Aber Susanna und Marc surfen nicht nur selbst von Sofa zu Sofa, sondern lassen auch andere Mitglieder auf ihrer Couch übernachten. Meistens sind das wildfremde Gäste, die aus allen Ecken und Enden der Welt nach Hameln reisen. Belgier, Japaner, Süd-Afrikaner oder Italiener haben schon auf der schwarzen Couch in der Beethovenstraße übernachtet.

Zuletzt war Ivar Pieper aus Holland mit seinem Kumpel Wouter Hiddink zu Gast bei dem Hamelner Pärchen. „Das Sofa war sehr bequem, alles war super“, sagt Ivar und Wouter fügt hinzu: „Die beiden sind super Gastgeber, da können wir nur Komplimente machen.“ Auf ihrer Motorradreise vom lettischen Riga zurück in das kleine holländische Dorf Diepenheim bei Eschede kommen die Holländer zumeist bei anderen Couch-Surfern unter. „Es ist immer eine Überraschung, auf welche Leute man da trifft“, sagt Ivar.

Vor böser Überraschung schützt Profil-Studium

Um aber bösen Überraschungen aus dem Weg zu gehen, schaut sich der 27-Jährige vorher das Couch-Surfing-Profil der jeweiligen Person an, die er um eine Übernachtungsmöglichkeit bittet. Dort stehen persönliche Angaben wie Interessen und Vorlieben. Aber auch Freundeslisten und Beurteilungen können im Profil eines Teilnehmers eingesehen werden.

Susanna und Marc informieren sich vorher im Internet über die fr
  • Susanna und Marc informieren sich vorher im Internet über die fremden Besucher, die in ihrer Hamelner Wohnung an der Beethovenstraße auf der schwarzen Couch übernachten wollen.
Mit dem Motorrad war Ivar Pieper in lettischen Riga und übernach
  • Mit dem Motorrad war Ivar Pieper in lettischen Riga und übernachtete auf der Rückfahrt bei Internet-Freunden in Hameln.
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„Wenn zwei Personen dieselben Interessen haben, dann klappt das schon – da sind auch Altersunterschiede egal“, weiß Ivar nach zwei Jahren Surf-Erfahrung. Mit seinen 27 Jahren liegt er genau im Durchschnittsalter der Internet-Community. Die meisten Mitglieder sind noch jünger – 44 Prozent der Surfer sind zwischen 18 und 24 Jahren alt. Aber für das Couch-Surfing gibt es kein Alterslimit. So sind auch über 80-Jährige noch aktiv dabei.

Auch Marc fühlt sich mit seinen 44 Jahren noch lange nicht zu alt, um Gäste zu empfangen oder selbst die Sofas der Welt zu bereisen. In Griechenland, Italien und der Schweiz hat er auf diese kostengünstige Weise schon Urlaub gemacht und bisher „nur positive Erfahrungen gesammelt“. Na gut – mit einer Ausnahme: In Griechenland kam Marc für eine Nacht bei einem „absoluten Computer-Freak“ unter – „der hatte sein ganzes Zimmer voller Computer-Teile und musste das Bett erstmal frei räumen.“ Auch wenn der Gastgeber noch nicht mal eine Dusche gehabt habe, sei alles halb so wild gewesen. Schließlich stünden der einen negativen Erfahrungen unzählige positive gegenüber.

Das meint auch Susanna, die durch das Couch-Surfing schon so viele Dinge erfahren habe, „die man als einfacher Tourist in einem Land nie sehen würde. Außerdem erweitert der sprachliche und kulturelle Austausch enorm den Horizont und man trainiert zusätzlich die eigene Englisch-Kommunikation“.

Denn Englisch ist die Sprache der Couch-Surfing-Gemeinschaft, die von dem Amerikaner Casey Fenton ins Leben gerufen wurde. Für einen Kurztrip nach Island hatte er über 1500 einheimische Studenten via E-Mail nach einem Platz zum Übernachten gefragt. Die Resonanz sei sehr groß gewesen, woraufhin Casey beschloss, im Urlaub nie mehr im Hotel zu übernachten, heißt es auf www.couchsurfing.org. Zusammen mit drei Freunden gründete er dann die Internetseite Couch-Surfing.

Aber es ist nicht jedermanns Sache, einen Wildfremden in den eigenen vier Wänden übernachten zu lassen. Vergebens haben Marc und Susanna versucht, einige Bekannte von dem Projekt zu überzeugen. „Manche haben Angst, sich einen Meuchelmörder oder einen Dieb in ihre Wohnung zu holen“, erklärt Susanna die Bedenken einiger Nicht-Surfer.

Dabei könne man sich ganz einfach selbst schützen, indem man die Profile und Referenzen der Personen durchlese, sagt die 42-Jährige. „Ich lasse nur Leute rein, die ein ausgefülltes Profil mit Bild haben, damit ich mir ungefähr vorstellen kann, was für eine Person da kommt.“ Auch vor Diebstählen haben Susanna und Marc keine Angst: „Wenn jemand mal was mitgehen lässt, wird sein Foto gleich durch alle Gruppen geschickt und innerhalb weniger Tage weiß es die ganze Welt.“ Das Pärchen ist auf jeden Fall vom Konzept Couch-Surfing überzeugt und findet es schade, dass die anderen 19 Hamelner Teilnehmer so wenig aktiv sind. Dabei müsse noch nicht einmal jeder, der mitmacht, einen Schlafplatz anbieten. Manche Teilnehmer schreiben auch, dass sie sich mit einem Gast nur auf eine Tasse Kaffee, zum Quatschen oder zum Stadtrundgang treffen wollen.

„Couch-Surfing ist eine tolle Sache“

„Wenn man einmal Gefallen daran gefunden hat, dann ist Couch-Surfing eine tolle Sache“, versichert Marc. Auch Wouter, der bisher kein Mitglied der Internet-Gemeinschaft war, ist nach seiner Reise vom Couch-Surfing begeistert: „Wenn ich wieder zu Hause bin, dann mache ich auch mit.“ Doch so toll seine Erfahrungen auch waren, freut sich Wouter nach 14 Tagen auf fremden Sofas darauf, bald wieder im eigenen Bett zu schlafen.

Susanna Babst-Matejic und Marc Boé können über all auf der Welt kostenlos übernachten. Die beiden Hamelner sind begeisterte Couch-Surfer und stellen ihr schwarzes Sofa an der Beethovenstraße auch Fremden zur Verfügung.

Fotos: jhe

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