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Landkreis fordert Sicherheitsnachweise / Schützen und Jäger für Thema sensibilisiert

Kontrollen bei Waffenbesitzern verschärft

So sichern die Schützen ihre Waffen: Horst-Dieter Bieri zeigt einen Waffenschrank der Hamelner Schützen. Auch sie sind von den amtlichen Kontrollen betroffen.

veröffentlicht am 02.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 04:21 Uhr

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Foto: Wal

Hameln-Pyrmont (kar). Die Ereignisse in Winnenden haben aufgerüttelt: Ohne leichten Zugang zu einer scharfen Waffe wäre ein Amoklauf mit so vielen Toten kaum möglich gewesen. Seither wird das deutsche Waffengesetz heiß diskutiert: Reicht es aus? Werden Waffen und Munition von Sport- und Jagdschützen sicher genug verwahrt?

Alarmiert durch die Tragödie von Winnenden, hat das niedersächsische Innenministerium jüngst ein Schreiben an die Polizeidirektionen des Landes zur Weiterleitung an die Waffenbehörden geschickt mit der Bitte, „die Kontrolle der Waffenbesitzer zu intensivieren und, wo dies noch nicht geschehen ist, zügig an die Waffenbesitzer heranzutreten und Unterlagen über die sichere Aufbewahrung von Waffen und Munition sich vorlegen zu lassen“.

Der Landkreis Hameln-Pyrmont hat umgehend reagiert: „2500 Schreiben wurden zum Teil schon verschickt oder sind auf dem Weg“, sagt Kreispressesprecherin Anja Hegener. Jeder Waffenbesitzer im Landkreis werde darin aufgefordert, die getroffenen Maßnahmen für die in seinem Besitz befindlichen Waffen sowie Munition „durch Vorlage von Fotos, der Rechnung oder eines Lieferscheins des vorhandenen Sicherheitsbehältnisses, aus denen die Sicherheitsstufe des Behältnisses eindeutig hervorgeht“ nachzuweisen. Soll heißen: Er muss nachweisen, wo und wie er seine Waffen verwahrt. Das ist auch in Hameln nicht anders, wo die zuständige Waffenbehörde ein Auge auf die rund 1800 Waffenbesitzer hat. „Ein neues Schreiben haben wir nicht rausgeschickt“, sagt Stadtpressesprecher Thomas Wahmes und erklärt: „Wir führen ohnehin regelmäßig Kontrollen durch.“

Strenge Vorschriften für Waffenbesitzer

Bei den Schützenvereinen zum Beispiel. Die fühlen sich durch den Amoklauf von Winnenden zu Unrecht ins Visier der Waffenkritiker genommen: „Wir werden in eine Ecke hineinmanövriert, die wir als Sportschützen nicht verdient haben“, wehrt sich Helmuth Bernhardt, Oberschützenmeister des Schützenvereins Hameln und Vorsitzender der Stadt-Schützengemeinschaft, gegen Pauschalverurteilungen. „Sportschützen müssen jung anfangen, wenn sie Erfolg haben wollen“, bricht Bernhardt eine Lanze für den Nachwuchs. Der darf bei den Hamelner Schützen nur die Vereinswaffen benutzen und auch das nur unter Aufsicht des Ausbilders. „Die Vereinswaffen sind in einer separaten Waffenkammer im Vereinsheim in einem Panzerschrank unter Verschluss“, sagt der Oberschützenmeister. Nur drei Schützen aus dem geschäftsführenden Vorstand würden die Kombination zu dem Zahlenschloss kennen, zusätzlich gebe es einen Schlüssel, der separat verwaltet wird: „Der Schrank ist doppelt gesichert durch Schlüssel und Kombination“, so Bernhardt.

Strenge Bestimmungen gelten auch für private Waffen: „Sie müssen für andere unzugänglich im Waffenschrank aufbewahrt werden, und die Munition muss nochmal extra innerhalb dieses Schrankes gesichert sein“, erklärt der Sportschütze und fügt hinzu: „Nicht einmal meine Frau weiß, wo ich den Schlüssel aufbewahre.“

Alles unter Verschluss auch bei anderen Schützenvereinen: „Wir haben im Vereinsheim Panzerschränke für die scharfen Waffen und Extra-Panzerschränke für Pistolen“, sagt Horst-Dieter Bieri, Oberschützenmeister der Hamelner Schützengilde, der regelmäßige Kontrollen bestätigt, die auch im privaten Bereich durchgeführt werden. Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung seien die „waffentechnischen Gesetze“ noch einmal in einem eigenständigen Tagesordnungspunkt vor Augen geführt wurden. Bieri: „Jedes Mitglied ist in der Einladung schriftlich darauf hingewiesen worden.“

Sicher verwahrt weiß auch Jürgen Ziegler, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, die Waffen seiner Jagdgenossen: „Üblich sind schon seit Jahren Schränke nach DIN-Norm, aber auch alte Banktresore werden akzeptiert.“ Erst der Jagdschein, der vom Landkreis ausgestellt wird und dem eine intensive, zeitaufwendige Ausbildung vorausgehe, berechtige zum Erwerb einer Jagdwaffe. „Tragen darf ein Jäger die in der freien Natur aber nur, wenn er ein Revier gepachtet hat oder Gast in einem gepachteten Revier ist“, erklärt Ziegler. Rund 1200 Jäger sind in der Kreisjägerschaft organisiert. Und: „Immer wieder wird die Zuverlässigkeit eines Jägers überprüft“, sagt Ziegler, der Kontrollen wichtig findet, aber eine Verschärfung der Waffengesetze als „nicht zwingend notwendig“ erachtet. „Nach Schätzungen von Experten gibt es doppelt so viele illegale wie legale Waffen“, sieht Ziegler eher als Problem. Bei den Hamelner Schützen ist man wachsam, auch wenn man sich – wie Helmuth Bernhardt betont – gegen „schwarze Schafe“ nicht versichern könne. Aber: „Wir haben schon Leute abgelehnt und nicht in den Verein gelassen, weil wir wussten, dass sie psychisch labil waren.“ Der Verein informiere sich über die Persönlichkeit eines Interessenten.



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