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Zahl der Fälle im Sana so niedrig wie noch nie in diesem Jahrtausend

Komasaufen ist aus der Mode

HAMELN. Die Nachricht schlug vor einigen Jahren hohe Wellen: Immer mehr Jugendliche trinken sich ins Koma, hieß es damals. Innerhalb von 2000 bis 2010 hatten sich die Fälle von Jugendlichen mit Alkoholvergiftung in Deutschland verdreifacht. Im Hamelner Sana-Klinikum kletterte die Zahl in diesem Zeitraum von 26 im Jahr 2000 auf 71 im Jahr 2010. Doch nun erreichte die Zahl im Sana einen neuen Tiefstand.

veröffentlicht am 31.01.2017 um 17:15 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 18:00 Uhr

Einlieferung von Jugendlichen mit Alkoholintoxikation in die Gesundheitseinrichtung Hameln-Pyrmont
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Gruppenzwang, seine eigenen Grenzen nicht zu kennen und das sogenannte „Flatratesaufen“ galten als Gründe für den deutlichen Anstieg. Hinzu kämen Einflüsse aus dem sozialen Umfeld, hieß es: Häufig erführen Jugendliche keine negativen Konsequenzen im Umgang mit Alkohol. Dass Alkohol die eigenen Leistungen in Schule und Sport abstürzen lässt, spielt für manche Jugendliche offenbar keine Rolle. Ein tragischer Höhepunkt war der Tod eines 16-jährigen Jungens in Berlin im Jahr 2007. Schärfere Kontrollen in Gastronomie und Handel wurde gefordert.

2013 war dann das Jahr, in dem die Zahl der Komasäufer in Deutschland erstmals rückläufig waren. Im Jahr 2016 war die Zahl der Einlieferungen im Vergleich zu 2010 um ein Drittel gesunken. Die Statistik des Sana-Klinikums Hameln-Pyrmont zeigt, dass die Einlieferungen von 2000 bis 2010 stiegen, doch dann wieder sanken. 2016 war das Jahr mit den wenigsten Einlieferungen seit Beginn des Jahrtausends.

Eine Ursache könnte in der verstärkten Prävention liegen: Ein Beispiel ist „HaLT“ (Hart am Limit), ein Präventionsprojekt, dass Jugendliche nach einer Alkoholvergiftung oder riskantem Alkoholkonsums meist noch im Krankenhaus anspricht. Auch Schulen haben sich des Themas angenommen. Gestern startete Landesgesundheitsministerin Cornelia Rundt gemeinsam mit der DAK die Kunstaktion „Bunt statt blau“, an der auch Hamelner Schüler bereits teilgenommen haben.

Trotzdem: Fälle von Jugendlichen, die sich ins Koma trinken, gibt es noch immer. Wie sollen also andere Jugendliche in dieser Situation handeln? Oftmals müssen sich Freunde alleine um den Betrunkenen kümmern. Also sollte Hilfe her.

Dr. Sebastian Gärtig, Oberarzt am Sana-Klinikum in Hameln, rät, in jedem Fall, den Notarzt zu rufen. Es sei schließlich besser, auf Nummer sicher zu gehen, als sein Verhalten später zu bereuen und die ganze Verantwortung allein zutragen.

Zudem sei wichtig, dass die Betroffenen nicht unterkühlen. Dies passiert schneller als erwartet – mit viel Alkohol im Blut kann der Körper die Temperatur schlecht regulieren. Also sollte der Betroffene zugedeckt und in die stabile Seitenlage gebracht werden. Letzteres, um ein Ersticken an Erbrochenem zu verhindern.

Information

„Ich habe den Alkohol unterschätzt“

Saufen bis ins Koma. Ein Jugendlicher berichtet im Interview, wie es dazu kam.

Du lagst für drei Stunden im Koma auf einer Hausparty bei einem Freund. Wie alt warst du damals?

Da war ich 16.

Warum hast du das gemacht? Wegen des Gruppenzwangs, um cool zu sein , einfach so?

Naja, ich sag mal: Ich habe den Alkohol unterschätzt. Es war sehr viel, und dann habe ich noch zwei Mal an einem Joint gezogen.

Ist dir so etwas danach noch mal passiert? Und hast du etwas daraus gelernt?

Nein ist es nicht mehr – und gelernt habe ich: Cannabis nicht mit Alkohol zu kombinieren und auch den Alkoholkonsum auf längere Zeit zu verteilen, also nicht alles gleich trinken, sondern sich die ganze Party lang Zeit lassen.

Wussten deine Freunde, wie sie sich verhalten mussten, oder hast du Tipps, wie andere sich in dem Moment verhalten sollten?

Ja also, die haben mich, nachdem ich mich übergeben habe, in die stabile Seitenlage gebracht und versucht mich zu wecken. Ging natürlich nicht, weil ich bewusstlos war. Außerdem würde ich noch empfehlen, alle zehn Minuten den Puls zu kontrollieren. Und wenn gar nichts mehr geht beziehungsweise man sich unsicher ist, den Krankenwagen rufen.

Konntest du dich an alles erinnern?

An alles davor und danach, aber nicht an das was währenddessen passiert ist.

War dir die Situation im Nachhinein unangenehm?

Nein, eigentlich nicht. So etwas kann einem immer mal schnell passieren und meine Freunde waren ja auch für mich da und haben auf mich aufgepasst. Ich war ihnen eher dankbar.

Wie haben deine Eltern und deine Freunde darauf reagiert?

Meine Eltern fanden es natürlich nicht gut, aber sie hatten sich mehr um mich gesorgt und meinten nur, ich solle es nicht so übertreiben. Einige Freunde fanden es etwas lustig. Ich meine: Ist ja klar, dass man da mal drüber lacht.

kl/pw

Von Kathline Laue und Paula Weege



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