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Heute ist der „Tag der Archive“

Kollektives Gedächtnis wird digital

Hameln. Als Geschichtsstudenten haben wir ihn immer etwas belächelt. Jenen alten Mann, der karteikartenbewehrt im hannoverschen Hauptstaatsarchiv saß und Akten wälzte. Er wollte beweisen, dass das Grundstück, auf dem heute der hannoversche Hauptbahnhof steht, einst seiner Familie gehörte. Was mag aus ihm geworden sein? Archive sind unser kollektives Gedächtnis, und werden – wie beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs – unersetzliche Bestände vernichtet, dann droht Amnesie, kollektiver Gedächtnisverlust. Die Digitalisierung der Archivinhalte könnte davor schützen.

veröffentlicht am 05.03.2016 um 06:30 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 17:21 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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Längst sind Archive keine verstaubten Aufbewahrungsorte für papierne Hinterlassenschaften mehr, sondern Hightech-Dokumentationsstätten. Die damit befassten Spezialisten geben jetzt beim bundesweit achten „Tag der Archive“ Einblick in ihre Arbeit. „Mobilität im Wandel“, so heißt das diesjährige Motto. Die Vorsitzende des Verbandes der deutschen Archivarinnen und Archivare, Irmgard Becker, erklärt: „Mobilität“ – die habe soziale, politische, technische und wirtschaftliche Dimensionen. „Man betrachte etwa die Erfindung der Eisenbahn und den dadurch angestoßenen wirtschaftlichen und politischen Wandel im 19. Jahrhundert, der wiederum einen starken Impuls für Kunst und Literatur bot.“ Ein anderes Beispiel sei die Verbreitung des Automobils in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: „Hier erblühte nicht nur ein Wirtschaftszweig – vielmehr wurde das Auto und die Möglichkeit individueller Mobilität zu einem identitätsstiftenden Lebensgefühl ganzer Generationen.“ Und in Flüchtlings- und Migrationswellen geht es nicht zuletzt um „soziale Mobilität“, den Auf- und Abstieg von Menschen in modernen Industriegesellschaften.

Altes Pergament und Online-Recherche

In Hameln nimmt nur das von Silke Schulte geleitete Stadtarchiv am „Tag der Archive“ teil. Am Samstag lädt die Einrichtung ein zu Ausstellung, einem Vortrag über „Hamelns Umbau zur autogerechten Stadt 1950 bis 1970“, zu Magazinführungen und Archivalienpräsentation. „Wir sammeln auf der Grundlage des Niedersächsischen Archivgesetzes alles, was mit Hameln zu tun hat: Akten, Amtsbücher, Verträge, Karten, Fotos, Filme, in analoger und digitaler Form“, erklärt Schulte. Die Bereiche „Personenstandsbücher“ und verschiedene „Bildgutsammlungen“ sind bereits digitalisiert. In den Beständen des Stadtarchivs schlummern wahre Schätzchen wie etwa das älteste Dokument der Stadt, eine Pergamenturkunde aus der Zeit zwischen 1185 und 1206, in der Hameln erstmals als „civitas“ (Stadt) bezeichnet wird.

Eine wichtige Rolle spielen neben den staatlichen und städtischen Archiven auch die Zeitungsarchive. Das Dewezet-Archiv ist inzwischen zu weiten Teilen digitalisiert. Im Premiumbereich von dewezet.de ist es einsehbar, auch eine Stichwortsuche ist möglich. Auf Papier sind bei der Dewezet die beliebten Geburtstagszeitungen – also die Dewezet zum Geburtsdatum – erhältlich. Nähere Infos in der Geschäftsstelle in der Hamelner Osterstraße.

Der Aktenbestand des Kreises wird im Kreisarchiv in der Mühlenstraße aufbewahrt. Die Bestände, zum überwiegenden Teil Verwaltungsakten, sind noch nicht digitalisiert worden, sagt Leiterin Karin Schaper. „Das ist aber geplant, vor allem für solche Archivalien, deren Erhaltungszustand gefährdet ist.“ Erfasst wird vom Kreisarchiv alles, was mit der Gründung des Kreises 1885 und der Errichtung des Landratsamtes an Schriftgut angefallen ist.

Wer sich für schriftliche Hinterlassenschaften der Kirchen interessiert, der kommt an Klaus A. Schwäkendiek aus Tündern nicht vorbei. Der ist seit 2004 Archivpfleger für die Pfarrarchive der Kirchengemeinden des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont. „Unsere Kirchenbücher sind weitgehend digitalisiert“, sagt Schwäkendiek. Sie können deshalb auch aus Übersee über online-Ahnenforschungsdienste wie anchestry.de genutzt werden. Auch Schwäkendiek weiß um so manche Kostbarkeit in den kirchlichen Archivbeständen. „Im Kirchenarchiv meiner Kirchengemeinde in Tündern befindet sich beispielsweise eine Handschrift des Pastors Alberti von 1757, in der er die furchtbaren Auswirkungen der Schlacht von Hastenbeck auf unseren Ort schildert.“

Termin: Tag der Archive – „Mobilität im Wandel“. Am Samstag, 5. März, lädt das Stadtarchiv Hameln von 13 bis 17 Uhr in die Pfortmühle ein (Sudetenstraße 1).



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