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Lockerer und bunter als sonst

Knöcheltief im Flusswasser: Taufe am Weserufer

Es hat Event-Charakter und ist anders als sonst: freier, fröhlicher, bunter, rührender und feierlicher. Zum vierten Mal wird ein Tauffest an der Weser gefeiert. Gegen zehn Uhr am Morgen trudeln die Menschen auf der Sommerwiese ein. An die 500 werden es sein, die zu dem Tauf-Gottesdienst unter freiem Himmel kommen

veröffentlicht am 12.08.2018 um 17:22 Uhr
aktualisiert am 13.08.2018 um 10:20 Uhr

Anke Höft, Kelvin Meerhaut, Nadine Wilke, der Täufling Tylor Meerhaut mit Pastorin Friedrike Grote an der Weser. foto: amg
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Alda Maria Grüter Reporterin
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HAMELN. Es hat Event-Charakter und ist anders als sonst: freier, fröhlicher, bunter, rührender und feierlicher. Zum vierten Mal wird ein Tauffest an der Weser gefeiert. Gegen zehn Uhr am Morgen trudeln die Menschen auf der gemähten Sommerwiese ein. Mit Kind und Kegel werden es an die 500 sein, die zu dem Tauf-Gottesdienst unter freiem Himmel kommen. Veranstalter sind die Kirchengemeinden der Region, des Kirchkreises Hameln-Pyrmont, die Kirchengemeinden zum Heiligen Kreuz, Am Ohrberg und Wangelist, die Marktkirchengemeinde und die Münster-Gemeinde. Einige mehr als die Male zuvor empfangen an der Weser das Sakrament der Taufe. Dass die Lokalität ankomme, zeige schon die Zahl der Täuflinge: „Die Tendenz ist steigend. Von Null bis 35 Jahre alt, sind es diesmal 36 Täuflinge“, sagt Friederike Grote, Pastorin am Hamelner Münster. Sie und die anderen Pastoren (Pastorin Brendel, Pastor Lange-Kabitz, Pastor Rumberg-Schimmelpfeng und Pastor Wittmann) stehen einmal mehr knöcheltief im Flusswasser. Wände und Dach, Fenster und Türen sind ohnehin nicht vorhanden an den Plätzen am Weserufer. Dafür die Weite der Natur, ein strahlend blauer Himmel. Und das Taufbecken ist heute ein ganzer Fluss: „Ein wunderbarer Flecken für eine Taufe. Es wird einem ein ganz persönliches, intensives Erleben beschert,“, findet Familie Symann aus Hameln, deren drei Söhne getauft werden. „Mit Kirche assoziiert man sonst grundsätzlich etwas Starres. Aber die Kirche hat viele gute Dinge. Und das hier heute, lockert das Konstrukt Kirche ein Stück weit auf und bietet damit die Möglichkeit, dass sich Menschen, die sonst nichts oder nicht viel mit Kirche zu tun haben, sich dafür öffnen“, sagt Inga Symann. Die Kirche müsse halt etwas tun, mit der Zeit gehen und die Bedürfnisse der Menschen erfüllen, um so vom „Glauben zu überzeugen“. Still und brav auf der Kirchenbank braucht auch keiner zu sitzen: Stühle und Bänke sind zwar da, aber wer will, kann auf der Wiese auf einer Decke sitzen. Für Inga Symann und ihren Mann Holger sei es ein wunderbarer Rahmen. Für sie sei es wichtig, ihren Kindern Jonah, 7, Bela, 4 und dem zweijährigen Milo die Möglichkeit zu geben, an Gott zu glauben, erklärt die 42-Jährige den Beweggrund. Einen Gott, der für einen da sei in der Not. Und weiter:„Wichtig ist uns auch die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft.“ Wohl allen geht es so, denn immer wieder werden ähnliche Meinungen geäußert: „Es ist uns wichtig zu glauben und den Glauben an die Kinder weiterzugeben“, sagt auch Julia Lohne. Baby Ella, 15 Wochen alt, wird heute getauft. Nach dem Glaubensbekenntnis und der Tauferinnerung geht es zur Weser runter. Eine Taufe im Fluss – so ist es auch biblisch überliefert, soll doch Jesus Christus von Johannes, dem Täufer, einst im Jordan getauft worden sein. Die Taufe gilt als Sakrament, durch das ein Mensch in die Glaubensgemeinschaft der Christen aufgenommen wird. Im Säuglings- und Kindesalter entscheiden die Eltern, den Schritt zu tun. Aber nicht immer: Religion würde sie ihrer Tochter überhaupt nicht vermitteln, meint etwa Carola Gad. Vielmehr sei es seit zwei Jahren der ausdrückliche Wunsch der Achtjährigen, getauft zu werden. Um was es bei der Taufe gehe, wisse sie genau. Natürlich, erläutert die Mutter, habe man sich in der Familie damit auseinandergesetzt, außerdem sei ein Taufgespräch mit dem Geistlichen geführt worden. Auch für Kelvin Meerhaut sei die eigene Taufe eine bewusste Entscheidung gewesen: „Ich selbst habe das bestimmt, weil ich mich in der Kirchen-Gemeinschaft gut aufgehoben fühle“, sagt der 15-Jährige, der schon konfirmiert ist. Nun ist er Taufpate für seinen kleinen Bruder Tylor. „Gott begleitet dich auf deinem Lebensweg, und auch die Menschen, die dich lieb haben,“ sagt Pastorin Grote zu dem Vierjährigen, der immer wieder „Ja“ sagt, als sie ihm das Wasser über den Kopf tröpfelt. Das wäre dann geschafft, scheint sein fröhliches Lachen auszudrücken. Und auch Carlotta ist glücklich und atmet durch: „Jetzt bin ich auch viel lockerer, nachdem ich das kalte Wasser über den Kopf gekriegt habe.“

Täulfing Carlotta Gad mit Vater Ralf. Foto: amg
  • Täulfing Carlotta Gad mit Vater Ralf. Foto: amg


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