weather-image
23°

Stadt lockert Vorschriften für Briten-Immobilien / Interessenten sollen es leichter haben

Kleine Häuser – große Pläne

Hameln. Seit der Nierentischära hat sich viel getan: Statt Cocktailsesseln sind heute im Wohnzimmer Sitzlandschaften angesagt; die Küche braucht Platz für die Spülmaschine und eine ergonomische Kochzone; die Kinder sollen sich in ihren eigenen Zimmern austoben; und das Bad muss mehr sein als eine Nasszelle. Alles ist größer und großzügiger geworden in den Jahren seit Kriegsende – nein, nicht alles: An manchen Stellen in der Stadt sind die Vorschriften für das Bauen noch sehr eng ausgelegt. Dadurch ist es für Hauseigentümer schwierig oder sogar unmöglich, die Immobilie den heutigen Wünschen und Bedürfnissen anzupassen. Wenn jetzt die Häuser, die bisher von Angehörigen der britischen Armee bewohnt wurden, auf dem Wohnungsmarkt angeboten werden, dann kann der Zuschnitt aus den 1950er und 1960er Jahren ein echtes Hemmnis für Kaufinteressierte sein. In der Planungsabteilung des Rathauses sind deshalb Vorschläge erarbeitet worden, wie solche Gebäude von den neuen Eigentümern umgestaltet werden können. Passend dazu soll zunächst für das Gebiet „Reimerdeskamp“ der auf einer Teilfläche geltende Bebauungsplan Nr. 339 aus dem Jahr 1963 geändert werden. Insgesamt geht es um das Wohngebiet, das durch Reimerdeskamp, Hühnerborn, Thomaweg, Schwindweg, Leharweg sowie die bisherigen Militärflächen Gundolphpark und Ravelin Camp begrenzt wird. Der Stadtentwicklungsausschuss unterstützt das Vorhaben einhellig, auch im Verwaltungsausschuss, der am 24. April tagt, dürfte es wohlwollendes Kopfnicken geben.

veröffentlicht am 03.04.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 16:21 Uhr

270_008_7062712_hm103_Haydnweg_0404.jpg
Marc Fisser

Autor

Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Später können wir in anderen betroffenen Gebieten der Stadt entsprechend vorgehen“, sagt Abteilungsleiter Volker Mohr. „Das Gebiet soll in seiner Struktur erhalten werden, den künftigen Bewohnern sollen aber Entwicklungsmöglichkeiten am Gebäude gegeben werden“, erläutert der städtische Planungschef. Vorschläge zur „Gestaltungsaufwertung“, zu Grundrissalternativen sowie einen „Farbmasterplan“ für die Gegend hat Nora Buhl, die in Kassel Stadt- und Regionalplanung studiert, während ihres dreimonatigen Praktikums im Rathaus erarbeitet. „Die Bauweise als Reihenhäuser nahezu gleicher Entstehungszeit lässt das Quartier monoton erscheinen“, stellt die Studentin fest. Sie bringt Beispiele:

Im Haydnweg stehen 36 baugleiche Reihenhäuser – jeweils als Riegel mit drei bis fünf Parteien. Im Erdgeschoss befinden sich derzeit die Küche und ein kombiniertes Wohn- und Esszimmer; im Obergeschoss gibt es ein Badezimmer sowie zwei Schlafzimmer. Die Wohnfläche beträgt 79 Quadratmeter. Die Individualräume seien mit rund 15 und 11 Quadratmetern klein, die Nutzungsvielfalt sei eingeschränkt. Auch die Größe des Bades „entspricht nicht den heutigen Anforderungen“: Es ist 3,2 Quadratmeter klein. Im jetzigen Zustand seien die Häuser für Haushalte mit ein bis zwei, maximal drei Personen, etwa Eltern und ein Kind, geeignet. Buhls Analyse: Eine offenere Gestaltung des Erdgeschosses mit einer in den Wohnbereich integrierten Küche könnte zu einem modernen Grundriss beitragen. Im Erdgeschoss sei Platz für ein zweites Badezimmer. Im Obergeschoss lasse sich ohne bauliche Veränderungen kein Wohnflächenzugewinn erreichen, nichttragende Trennwände könnten aber zu einer offeneren Gestaltung entfernt werden. Der Abstellraum lasse sich zur Erweiterung des Badezimmers nutzen. Per Dachausbau ließen sich mindestens zwei weitere Zimmer schaffen. Die Wohnfläche stiege dadurch auf 130 Quadratmeter, „was einem mittleren Standard entspricht“. Vorgeschlagen werden alternativ ein ein- oder zweigeschossiger Anbau. Würde das Erdgeschoss zum Beispiel um 34 Quadratmeter vergrößert, könnte dort ein zusätzlicher Individualraum entstehen. Das Obergeschoss lasse sich dann auch als Apartment nutzen – etwa für eine häusliche Pflegekraft, wenn der Bewohner pflegebedürftig geworden ist.

Für den Schumannweg schlägt das Konzept einen „gezielten Rückbau“ vor, um die Wohnqualität zu steigern. Denkbar sei unter anderem, jeweils zwei Reihenhäuser zusammenzulegen und den Mitteltrakt abzureißen. „Durch die sehr kompakte Bauweise der Reihenhäuser im Schumannweg mit insgesamt 15 Gebäuden ergeben sich sehr kleine Grundflächen der Häuser und auch der Grundstücke“, heißt es. Dort sei ein Plus an Wohn- und Freiraumqualität anzustreben. Dann sei es auch machbar, die Gebäude für eine barrierefreie Nutzung herzurichten. Bei einer Wohnfläche von 167 oder gar 182 Quadratmetern seien die Häuser für vier bis fünf Bewohner geeignet.

4 Bilder

Im Ludwig-Richter-Weg stehen Doppel- und Reihenhäuser mit maximal drei Einheiten, die jeweils knapp 92 Quadratmeter Wohnfläche aufweisen. Zum Teil sind sie schon saniert und haben neue Dächer. Die Gebäude besitzen Grundrisse mit Wohnküche, Wohn- und Essraum und WC im Erdgeschoss sowie einem großzügigen Freisitz; das Obergeschoss umfasst drei bis vier Zimmer und das Bad. Durch einen Anbau würden die Häuser auch „gehobenen Flächenansprüchen“ entsprechen und mit bis zu 268 Quadratmetern Platz für sechs Bewohner bieten. Für die Fassaden möchte die Stadt eine „hochwertige Farbauswahl“ erlauben. Naturnahe Oliv-, Schiefer- und Beige-Töne sollen dominieren und durch Rot- und Blau-Töne Akzente erhalten. „Somit soll die Identifikation mit dem eigenen Haus und dem Quartier gefördert und die optisch wahrnehmbare Zweckmäßigkeit des Quartiers gemindert werden.“ Solche Arbeiten seien gut mit der energetischen Sanierung des Hauses kombinierbar. Der Bebauungsplan soll in dem Wohngebiet auch die sonst ausnahmsweise erlaubte Nutzung für Beherbergungsbetriebe, Verwaltungen, Gartenbaufirmen, Tankstellen und Sportanlagen ausschließen. Die bisher von den Briten bewohnten Häuser in Staatsbesitz werden von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) vermarktet. Teilweise müssen die Flächen noch in Einzelgrundstücke zerlegt werden, bevor sie verkauft werden können. In Hameln werden rund 400 solcher Objekte frei, das entspricht einem Prozent des örtlichen Wohnmarktes.

Nora Buhl



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?