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Erzieher demonstrieren für mehr Geld und Anerkennung / 321 Kinder in Hameln vom Streik betroffen

„Kitas sind keine Aufbewahrungsstätten“

Hameln. Für 321 Kinder in Hameln gab es gestern verlängerten Osterurlaub. Der Grund: Die Gewerkschaft ver.di bestreikte die kommunalen Kindertagesstätten in Niedersachsen. In Hameln blieben nach Angaben der Stadtverwaltung vier städtische Einrichtungen teilweise geschlossen. In den Kitas „Altstadtmäuse“ und Eugen-Reintjes-Stiftung sowie im Kinderhaus Rohrsen-Hilligsfeld fand keine Betreuung statt. In der Kita an der Domeierstraße wurden nur der Hort und die Krippe geöffnet.

veröffentlicht am 07.04.2015 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 22:41 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus
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Aus dem Landkreis beteiligten sich etwa 120 Beschäftigte aus dem Sozial- und Erziehungsdienst an den Demos, teilte ver.di-Gewerkschaftssekretär Jan Orbach mit. Laut ver.di gingen in Hannover über 2000 Erzieher und Sozialpädagogen auf die Straße.

Die Eltern waren im Vorfeld über den Warnstreik informiert worden und hatten sich überwiegend selbst organisiert. Die eingerichteten Notgruppen in der Kita „Altstadtmäuse“ und bei der Eugen-Reintjes-Stiftung wurden deshalb nur von wenigen Eltern in Anspruch genommen. 13 Kinder wurden in der Notgruppe „Altstadtmäuse“ betreut, bei der Eugen-Reintjes-Stiftung waren 16 Plätze belegt, teilte die Stadtverwaltung mit.

ver.di fordert für die Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst eine höhere Eingruppierung. Die Gewerkschaft spricht von Einkommensverbesserungen von durchschnittlich zehn Prozent. Außerdem soll die Arbeitssituation in den Gruppen verbessert werden. „Wir sind keine Aufbewahrungsstätten. Es wird immer gefordert, dass Bildungsqualität in den Kitas vorhanden ist. Doch dafür brauchen wir dringend mehr Personal. Drei Krippenkräfte pro Gruppe sollten Pflicht sein“, fordert eine heimische Erzieherin. Derzeit sei es in vielen Kindertagesstätten völlig normal, dass sich zwei Mitarbeiter in den Krippengruppen um bis zu 15 Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren kümmern müssten. „Dabei ist allein der pflegerische Aufwand immens“, sagt die Erzieherin. Die Kinder könnten mitunter noch nicht alleine laufen, müssten gewickelt, schlafen gelegt und gefüttert werden. Gleichzeitig sollten die Erzieher aber mit den Kindern spielen und ihnen mentale Aufgaben geben. Dies sei nicht zu schaffen. „Oft sind wir auch einfach zum Trösten da, weil sich die Kinder zum ersten Mal von ihren Eltern lösen“, sagt die Erzieherin.

Finanziell wünschen sich die Beschäftigten deutliche Verbesserungen. „Junge Kolleginnen können es sich oft nicht leisten, zu Hause auszuziehen“, klagt die Heilpädagogin. Zudem seien die vorhandenen Arbeitsplätze in vielen Fällen gesplittet. Bei einer 30-Stunden-Stelle bleibe wegen des niedrigen Gehalts nicht mehr viel Geld übrig. Auch die Laufzeiten in den einzelnen Gehaltsstufen sollten nach Meinung der Erzieherin und ihrer Mitstreiter geändert werden. Eine weitere Forderung betrifft die Verantwortlichen, die eine Kita mit weniger als 40 Kindern leiten. Diese erhielten im Vergleich mit anderen Kita-Leitern, die zum Beispiel für 45 Kinder verantwortlich seien, deutlich weniger Geld. „Dabei unterscheidet sich die Arbeit nicht wesentlich“, sagt die Erzieherin. Der Tarifkampf könnte sich demnächst ausweiten. ver.di-Chef Frank Bsirske hatte am Montag wochenlange Streiks angedeutet, sollte es weiterhin kein Angebot zur besseren Bezahlung von Erziehern geben.

Die Gespräche zwischen ver.di, dem Beamtenbund und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft auf der einen Seite und dem Verband Kommunaler Arbeitgeber werden am morgigen Donnerstag in Düsseldorf mit der dritten Verhandlungsrunde offiziell fortgesetzt.



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