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Engpässe bei der Kinderbetreuung

Kitas müssen aufstocken

HAMELN. Die steigende Anzahl der Kinder in Hameln stellt die Stadt vor die Herausforderung, ausreichend Betreuungsplätze zu schaffen. Es dränge sehr, und die zuständige Abteilung arbeite unter Hochdruck, heißt es nicht nur hinter vorgehaltener Hand. Auch Stadtbaurat Hermann Aden deutete jüngst im Ausschuss an, dass der Neubau einer Kita im Gespräch ist.

veröffentlicht am 28.04.2017 um 17:17 Uhr

Um dem Engpass zu begegnen, könnte die Stadt eine neue Kita bauen. Foto: dpa
Birte Hansen

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Birte Hansen Reporterin zur Autorenseite
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Kleine Kinder, kleine Sorgen … – was für Eltern gelten mag, trifft auf die Stadtverwaltung verstärkt zu. Zumindest die steigende Anzahl der kleinen Kinder in Hameln stellt sie vor die Herausforderung, ausreichend Betreuungsplätze zu schaffen. Es dränge sehr, und die zuständige Abteilung arbeite unter Hochdruck, heißt es nicht nur hinter vorgehaltener Hand. Auch Stadtbaurat Hermann Aden deutete jüngst im Ausschuss an, dass der Neubau einer Kita im Gespräch ist. Zuletzt trat die Not im Sünteltal zutage, wo Eltern dringend auf ein Mehr an Plätzen hoffen. Welche Maßnahmen im Rathaus als notwendig erachtet werden, wird in einer 21-seitigen Entwicklungsplanung „Kindertagesbetreuung“ deutlich, die jetzt vorliegt.

Zwischen Oktober 2015 bis 2016 wurden in Hameln 120 Kinder mehr als im Vorjahreszeitraum geboren und rund 70 Kinder mehr als im langjährigen Durchschnitt geboren beziehungsweise zugezogen. Insgesamt leben in Hameln 1528 Kinder, die zwischen null und drei Jahren alt sind, dazu kommen 1509 Vier- bis Sechsjährige. Im Vergleich zum letzten Bericht sind 175 Kinder zwischen null und sechs Jahren mehr in Hameln gemeldet.

Die Zahl der Betreuungsplätze für die unter Dreijährigen müssen laut der zuständigen Abteilung für Kindertagesbetreuung kurzfristig erhöht werden, was „insbesondere über die Großtagespflege“ geschehen soll. Diese können laut Verwaltung schneller angeboten werden , als An- oder Neubauten von Kitas zu realisieren sind.

Hinter der Tagespflege steckt die Betreuung durch eine Tagespflegeperson, meist Tagesmütter, häufig in privaten Räumen. In Hameln sollen nach einem Ratsbeschluss vom vergangenen Herbst vier solcher Großtagespflegen (in denen mehr Betreuer mehr Kinder aufnehmen können) entstehen. Die Stadt spricht statt von Großtagespflege von „Nestern“, die bis zu 40 Plätze anbieten können.

Die Krux, wenn Eltern ihr Kind von einer Tagesmutter statt in einer Kita betreuen lassen: Es kann ziemlich teuer werden, und das, obwohl die Stadt bereits einen Differenzbetrag zahlt zwischen Tagesmutter und Kita-Beitrag, um die beiden Betreuungsformen finanziell gleichzubehandeln. Nimmt aber eine Tagesmutter mehr als die vier Euro pro Stunde, die sie vom Landkreis bezahlt bekommt, müssen Eltern die Differenz selbst tragen. Das kann laut Bericht „schnell ein zusätzlicher Betrag von 120 bis 160 Euro mehr werden“.

Eine weitere Hürde: Es gibt offenbar immer weniger Tagespflegepersonen – nicht zuletzt auch deshalb, weil sie von diesem Job allein oft nicht leben können. So zahlen auf der einen Seite der Tagespflege die Eltern teils mehr, während sie auf der anderen Seite trotzdem kein gutes Auskommen bietet. Engpässe in der Tagespflege sind laut Verwaltung auch deshalb entstanden, weil Eltern, die außerhalb Hamelns wohnen, aber hier arbeiten, ihre Kinder ebenfalls in Hamelner Tagespflegeeinrichtungen unterbringen.

Gleiches passiert in Kindertagesstätten – 46 auswärtige Kinder sind „gemäß Befragunsergebnis des Landkreises“ derzeit in Hamelner Kitas angemeldet, davon fünf in einer Betriebskita. Zum 1. April waren die Betreuungsplätze für Drei- bis Sechsjährige zu 98,6 Prozent ausgelastet und müssen – wie auch im Krippenbereich – „weiter ausgebaut werden“, um den Rechtsanspruch erfüllen zu können und „den Nachfragen der Eltern gerecht zu werden“.

Einzig der Bedarf an Hort-Plätzen ist laut Verwaltung gesunken – „vermutlich aufgrund der Einrichtung der beiden Ganztagsbildungsschulen im vergangenen Jahr“ (Anm. d. Red.: Klütschule und Pestalozzi-Schule). Die 98 Hort-Plätze für die Sechs- bis Vierzehnjährigen soll künftig um 30 Plätze reduziert werden, wovon 20 an der DRK-Kita Königstraße in eine Regelgruppe umgewandelt werden.

Folgende Maßnahmen plant die Verwaltung im Einzelnen, um dem gestiegenen Bedarf abdecken im kommenden Kita-Jahr abdecken zu können.

Ev. Kita Süntelzwerge: 10 Krippenplätze in der Großtagespflege.
Kita Sünteltal und Kita Paul-Gerhardt: jeweils 10 Plätze. Dort werden die bestehenden Kleingruppen zunächst bis 2018 fortgeführt.
Mütterzentrum: 10 Plätze in einer neu zu gründenden Kleingruppe als Regelgruppe.
Gebäude ehemalige ev. Kita Klütstraße: 25 Plätze in einer neuen Regelgruppe.
DRK-Kita Königstraße: 20 Regelplätze entstehen durch Umwandeln einer Hortgruppe.
AWO-Kita Barchusen: 10 Halbtagsplätze werden in Ganztagsplätze umgewandelt.
GOBS Königstraße: 20 Plätze für die Nachmittagsbetreuung.

Kita Domeierstraße: Reduzierung des Horts um 10 Plätze.

Zusätzlich will die Stadt für maximal 19 Regel- beziehungsweise Krippenplätze Belegrechte mit Einrichtungen Dritter vereinbaren. Wer sich hinter den „Dritten“ verbirgt, sagt Ulrike Cott von der Abteilung Kindertagesbetreuung mit Verweis auf Verhandlungen noch nicht.

Damit werden für das kommende Kita-Jahr zunächst 74 reguläre Betreuungsplätze für die Drei- bis Sechsjährigen und 10 für die unter Dreijährigen neu geschaffen. Der ermittelte Bedarf an Regelplätzen beträgt laut Stadtverwaltung 1519. Vorhanden sind derzeit 1440 Plätze. Zur Deckung des Bedarfs setzt die Stadt neben den Kita-Plätzen auch auf die Tagespflege.

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