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„Ohne Bewegung keine Sprache“ – Förderung läuft aus

Kita-Projekt ringt um Finanzierung

HAMELN. Das Kita-Sportprojekt „Ohne Bewegung keine Sprache“ hat Erfolg. Doch derzeit ringen die Koordinatoren um sein Überleben – weil die Finanzierung durch die Eugen-Reintjes-Stiftung endet.

veröffentlicht am 23.09.2018 um 09:53 Uhr

Beim Turnen wird nicht nur die motorische Entwicklung von Kindern gefördert. Foto: dpa
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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„Tschüs“ – „Aua“ – „Tschüs“ – „Aua“ – „Tschüs“ – „Aua“… und so weiter. Die Kinder finden diese Verabschiedung am Ende des „Mirko-Turnens“ total witzig. Bei „Tschüs“ klatscht Mirko mit den Kindern oben ab, bei „Aua“ landen die Fäuste an den Fäusten des anderen. „Mirko-Turnen“ nennen die Kita-Kinder und Erzieher die Stunde, die sie einmal pro Woche mit Mirko Magritz vom TC Hameln in der Sporthalle in Klein Berkel verbringen. Ohne das Projekt „Ohne Bewegung keine Sprache“ gäbe es dieses Angebot nicht. Derzeit ringen die Koordinatoren ums Überleben des Projekts, weil die Finanzierung durch die Eugen-Reintjes-Stiftung endet.

Mit „BuS“-Sport, wie das Angebot oft genannt wird – abgeleitet von „Bewegung und Sprache“ – erreichen die Ideengeber alle Kita-Kinder in Hameln. Einige der 26 Einrichtungen haben dreieinhalb Stunden „BuS“-Sport, andere eine pro Woche. Die Berechnungsgrundlage ist dieselbe wie für Sprachförderung, erklärt Lieselotte Sievert vom Pädagogischen Forum. Das Forum, ein Zusammenschluss von sechs Kita-Trägern in der Stadt, die Kitas und der TC Hameln haben das Projekt vor drei Jahren ins Leben gerufen und jetzt von einer externen Expertin evaluieren lassen.

Dr. Katrin Adler vom Forschungszentrum für Schulsport und Sport von Kindern und Jugendlichen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Institut für Sport und Sportwissenschaft, hat das Projekt auf Basis von vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnissen darüber, wie Bewegung positiv wirkt auf das Sprachvermögen, und Interviews untersucht. Befragt wurden Kita-Leitungen, Trainer, Erzieher und Projektleitungen beim TC. Nach deren Bewertung weisen Kinder, die teilgenommen haben, nach einiger Zeit
ein verbessertes Sozialverhalten auf,
höhere motorische Kompetenzen,
größere Selbstsicherheit,
ein höheres Sprachverständnis und -vermögen und
weniger Sprachhemmung.

Trotz des Erfolgs sehen die Beteiligten auch, was noch besser laufen könnte: So müsste die Kommunikation zwischen Kitas und Verein noch besser abgestimmt werden. Allein die Zeiten, zu denen die Institutionen normalerweise ansprechbar sind, sind völlig unterschiedlich, wie Lieselotte Sievert im Gepräch mit der Dewezet sagt: „Kitas arbeiten morgens, Vereine sind meistens abends“ in Aktion. In Vereinen reagierten die Akteure häufig auf Zuruf, während die Kommunikation in Kitas strukturierter sei. Was derzeit fehlt und dringend ersetzt werden müsse: eine Projektkoordinatorin (oder ein Mann), die zwischen die drei Partner geschaltet ist.

Etwa 40 000 Euro kostet das Projekt jährlich. Die Aussicht auf öffentliche Mittel vom Land hat sich gerade wieder zerschlagen. Zwar gibt es einen Fördertopf für „Alltagsintegrierte Sprachförderung“, doch das Geld daraus gehe direkt an die Kitas, „die das Geld auch brauchen“, sagt Sievert. Sie hatten die Hoffnung gehegt, dass aus dem Hamelner Projekt ein Pilot für Niedersachsen werden könnte. Dafür hatte das Forum Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne angeschrieben und war eingeladen worden, sich beim Fachtag „Im Dialog – frühkindliche Sprachbildung in Niedersachsen“ zu präsentieren. „An dem Stand“, berichtet Lieselotte Sievert, „haben sich die Leute“ am längsten aufgehalten. Mit den Besuchern der Tagung wurden Übungen gemacht, die sonst für die Kinder beim BuS-Sport bestimmt sind. Auch Grant Hendrik Tonne besuchte den Stand, zu dem Projekt und dessen Fortbestehen geäußert habe er sich aber nicht.

Damit auch nach Ablauf des Jahres noch viele hunderte Kinder von dem Projekt profitieren können, bemühen sich die Verantwortlichen zurzeit um Fördermittel bei diversen Stiftungen und beispielsweise beim Landessportbund.



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