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Mühsame Suche nach Verlässlichkeit / Stadt plant Wiederbelebung der Einrichtung an der Klütstraße

Kita-Portal mit vielen Ungenauigkeiten

HAMELN. Seit eineinhalb Jahren ist das Portal der Stadt online: Tolina heißt es und darüber können und sollen Eltern ihre Kinder für eine Kindertagesstätte anmelden. Angeschafft wurde es für 24 000 Euro mit dem Ziel, größtmögliche Transparenz und Planbarkeit bei der Bedarfsermittlung zu erreichen. Doch wie gut funktioniert das?

veröffentlicht am 30.11.2017 um 15:42 Uhr
aktualisiert am 30.11.2017 um 18:29 Uhr

Die Kita an der Klütstraße könnte ab kommendem Jahr unter neuer Trägerschaft wieder öffnen, wenn ausreichend Kinder angemeldet werden. Allerdings sieht die Stadt diesen Weg zunächst nur als Übergangslösung – längerfristig müsste dort stärker investie
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Immer wieder hat die Verwaltung in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Mehrfachanmeldungen das Vorhaben, exakte Zahlen zu bekommen, erschweren – keine gute Basis, um an millionenteure An- und Neubauten zu denken.

Für das kommende Jahr ab 1. August gibt es nach Auskunft der Stadt nach Auswertung des „Tolina“-Portals 311 Anmeldungen für Unter-Dreijährige mit der „Priorität 1“ mehr, als die Stadt Plätze zur Verfügung hat. Priorität 1 bedeutet, dass das die Wunschkita der Eltern ist. Dieser Zahl stellt die Stadt die Plätze der Großtagespflege und Kindernester gegenüber, so dass sich „die rechnerische Anzahl auf 159 reduziert“ – so viele Unterdreijährige bekämen also Stand heute im nächsten Sommer keinen Platz an ihrer Wunscheinrichtung? Es könnten auch mehr sein, oder weniger, wie die Verwaltung darstellt. „Die Zahlen, die wir aus dem Elternportal generieren, geben uns lediglich eine Orientierung“, sagt Abteilungsleiterin Ulrike Cott.

Die Verwaltung geht nämlich davon aus, dass Eltern ihre Kinder tendenziell kurz nach der Geburt anmelden, der Termin der tatsächlichen Inanspruchnahme jedoch noch unsicher sei. Manche meldeten zu einem bestimmten Zeitpunkt an, ohne, dass sie den Druck hätten, tatsächlich dann den Platz auch in Anspruch zu nehmen, erklärt Ulrike Cott. „Wir haben dazu Überlegungen angestellt“, wie eine Konkretisierung erreicht werden könne. „Nach der Platzvergabe für 2018 werden wir sehen, ob gegebenenfalls noch zusätzliche Plätze für den U3-Bereich bereitgestellt werden müssen.“ Anfang des Jahres beginnen die Kitas meist mit der Auswertung der Anmeldungen und der Platzvergabe – danach soll größere Klarheit herrschen. Diese ist die erste Anmeldephase, in der „Tolina“ voll zum Einsatz kommt.

Öffnungszeiten der Hamelner Kitas

Neben der fehlenden Verbindlichkeit der ersten Anmeldung, die eigentlich zunächst nur eine „Bewerbung“ darstellt, egal ob online oder persönlich bei den Einrichtungen, macht der Stadt offenbar zu schaffen, dass die Eltern nicht nur eine, zwei oder drei Kitas auswählen und ihr Kind dort anmelden, sondern manchmal weit mehr. Tatsächlich zieht die Stadt inzwischen die Priorität-1-Anmeldungen heran für die Bedarfsermittlung – denn die wird, vermutlich, von allen Eltern angegeben. Doch unter Umständen seien auch mehrfache Prio-1-Anmeldungen möglich.

Allein auf das Anmeldeportal verlässt sich die Stadt bei ihren Überlegungen für die Zukunft nicht. Zu groß könnte offenbar die Zahl der Karteileichen sein und jener, die doch nicht gleich zum 1. August einen Platz benötigten. „Wirklich belastbar sind für uns nur die Geburtenraten“, sagt Stadträtin Martina Harms. Und auch nur die aus der Vergangenheit. Durchschnittliche Anzahl der Geburten, Prognosen aufgrund sich verändernder Ansprüche, Elternbefragungen, Erfahrungswerte darüber, wie viel Prozent der Eltern einen Platz in Anspruch nehmen – damit nähert sich die Verwaltung den voraussichtlichen Bedarfen. So kommt die Abteilung für den Platzbedarf für die Unterdreijährigen auf eine ganz andere Zahl als 159: 17 Plätze stehen demnach sogar noch als Puffer zur Verfügung.

Für die Kinder, die drei Jahre und älter sind, scheint die Situation angespannter zu sein. Gemessen an den Anmeldungen mit Priorität 1, stehen im gesamten Stadtgebiet zwar 71 Plätze mehr zur Verfügung als benötigt würden. Unter Hinzunahme aller weiteren Faktoren allerdings kommt die Stadt auf 73 Plätze, die ab Sommer fehlen werden.

Wirklich belastbar sind für uns nur die Geburtenraten.

Martina Harms, Stadträtin Hameln

Um den Bedarf besser abdecken zu können, stellt die Stadtverwaltung in Aussicht, den Kindergarten an der Klütstraße wieder zu öffnen; dort, wo früher der Kindergarten der Münsterkirchengemeinde sein Zuhause hatte. Dort sollen hauptsächlich Plätze für die über Dreijährigen entstehen; es werde jedoch gerade geklärt, ob eine Familiengruppe eingerichtet werden könne, die dann Kinder beider Altersklassen aufnehmen kann, sagt Ulrike Cott. Maximal 50 Plätze könnten dort geschaffen werden. Anmelden können Eltern ihre Kinder für die „Kita an der Klütstraße“ bereits über das Online-Portal. Eine Eröffnung könne erfolgen, wenn genügend Kinder angemeldet seien, „möglicherweise Anfang 2018“, kündigt Ulrike Cott an.

Damit das Portal künftig verlässlichere Zahlen liefert, soll nachgearbeitet werden, kündigt Ulrike Cott an; unter anderem steht ein Update aus, und die Kitas sollen in die Pflicht genommen werden, wenn es um das Einspeisen der Daten geht. Trotz aller Widrigkeiten hält sie an „Tolina“ fest und erachtet die Investition nach wie vor als sinnvoll, wie Ulrike Cott sagt. Dennoch werde im Rathaus immer mal wieder darüber diskutiert, ob das gesamte Anmeldeverfahren nicht doch zentral bei der Stadt laufen sollte. Aber: „Wie bei allem gibt es Umstände, die dafür, und andere, die dagegen sprechen“, sagt Martina Harms.

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