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Zwei Betreuungsformen, zwei Welten

Kita oder Tagesmutter?

HAMELN. Für viele Eltern ist die Tagesmutti der Notnagel, wenn es mit dem Kitaplatz nicht klappt. Dabei hat sich viel bewegt, mit ein paar Unterrichtsstunden an der Volkshochschule ist es längst nicht mehr getan. In Niedersachsen will man die Qualifizierung von Tagespflegepersonal auf das Niveau von Sozialassistenten heben.

veröffentlicht am 07.06.2017 um 13:45 Uhr
aktualisiert am 07.06.2017 um 17:10 Uhr

Tagesmütter in Aktion: Nina Wöhrmann und ihre Mutter Gabi Milnikel arbeiten als Team. Foto: Wal
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Die erste Juniwoche neigt sich dem Ende zu und noch immer kann die Stadt Hameln nicht genau sagen, wie viele Eltern in diesem Jahr keinen Kitaplatz für ihr Kind bekommen. Nur, dass es eng wird weiß man, enger als bisher. Was also tun, wenn beide Elternteile oder Alleinerziehende arbeiten müssen oder wollen?

Die Möglichkeit, das Kind in die Obhut einer Tagespflegeperson zu geben, nutze bisher nur eine Minderheit, sagt Anette Wehrmann, tätig beim Jugendamt des Landkreises. Dabei haben die kleinen Gruppen – eine Tagespflegeperson darf zeitgleich nur fünf Kinder betreuen – gerade bei Krippenkindern eher Vorteile, sagt Wehrmann: „Der Rahmen ist oft geborgener, der Augenkontakt häufiger und das ist gerade bei den Kleinen besonders wichtig.“ In der Krippe, wo auf 15 Kinder zwei Erzieher kommen, sei die Zeit meist viel knapper. Ein Grund, der viele Eltern bekanntermaßen dennoch zögern lässt, sind die unterschiedlichen beruflichen Standards von Kita und Tagespflege: „Klar, im Gegensatz zu der vierjährigen Erzieherausbildung ist die Tagespflege eine Schmalspurausbildung“, sagt Wehrmann. Aber ist die Betreuung deshalb wirklich schlechter?

„Man muss sich die Tagesmutter genau anschauen und sich dann auf sein Bauchgefühl verlassen“, sagt Regina Pfeifer, Mutter eines kleinen Sohnes. Es war nicht einfach für die heute 26-Jährige, als sie 2015 ein Kind erwartete. Mitten in der Ausbildung zur Tischlerin an der Leibniz-Universität Hannover, ohne Partner an der Seite. Sie zog von Hannover wieder nach Hameln, wo es Unterstützung von den Eltern gab. Noch schwanger telefonierte sie sämtliche Kitas ab, doch für einen Platz hätte sie früher kommen müssen. Die Ausbildung abzubrechen kam für die Mutter nicht infrage, also machte sich Regina Pfeifer mit Unterstützung des FiZ auf die Suche nach einer Tagesmutter.

Naturnähe ist beiden wichtig: Für die Kinder steht ein großer Garten zur Verfügung. Foto: Wal
  • Naturnähe ist beiden wichtig: Für die Kinder steht ein großer Garten zur Verfügung. Foto: Wal

Insgesamt sieben hat sie angerufen, drei davon hatten keinen Platz mehr frei, vier weitere habe sie dann besucht. Am Ende fiel ihre Wahl auf Gabi Milnikel und ihre Tochter Nina Wöhrmann, die die Tagespflege bei sich zuhause als Team betreiben. Gabi Milnikel ist ein Urgestein in der Kindertagespflege, ihre Tochter, die als Sozialassistentin in einer Krippe gearbeitet hat, stieg mit ein, als sie selbst ein Kind bekam. Ein bisschen Angst habe sie schon gehabt, gesteht Nina Wöhrmann: „Ich habe mich gefragt: Wollen die Mütter das? Und: Was passiert mit mir beruflich in Zukunft?“

Die Tagesmütter bekommen pro Stunde und Kind vier Euro. Dazu kommt der einkommensabhängige Elternbeitrag und es gibt es Zuschüsse für Krankenversicherung und Rente, der Beitrag für die Berufsgenossenschaft wird komplett übernommen.

Nina Wöhrmann sagt, sie hat den Schritt nicht bereut. Regina Pfeifer auch nicht – sie hat vollstes Vertrauen. Das ginge auch gar nicht anders, sagt sie: „Ich kann nicht an der Kreissäge stehen und daran denken, was mein Kind macht. Ein kleiner Fehler kann da den Arm kosten.“ Ganz besonders schätzt Regina Pfeifer die Flexibilität der Tagesmütter: Wenn es mal eine halbe Stunde länger dauert, ist das kein Problem.“

Und die Kosten für die Eltern? „Die sind vom Grundbetrag ungefähr gleich“, sagt Jan-Enno Tammen vom Landkreis.



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