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Anwohnerin sorgt sich, Stadt sieht kein Problem

Kippt Lüders Teich bald um?

HAMELN. Aktuell bangen Anwohner wieder einmal um den Zustand von Lüders Teich am Fröbelweg. Sie beobachten, dass der Wasserstand kontinuierlich sinke und der schlammige Untergrund zum Vorschein käme. Droht das knapp 2000 Quadratmeter große Gewässer etwa umzukippen? Wir haben bei der Stadt nachgefragt, was unternommen werden soll.

veröffentlicht am 11.06.2018 um 15:06 Uhr
aktualisiert am 11.06.2018 um 16:50 Uhr

Viel Schilf, massenhaft Goldfische. Anders als Anwohner sieht man in diesem Zustand von Lüders Teich keinen Grund zur Sorge um das Gewässer. Foto:jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Wer ganz hinten am Fröbelweg wohnt, kann sich glücklich schätzen. Eigentlich. Denn er hat ein Stück Natur direkt vor der Tür: Lüders Teich. Aktuell bangen Anwohner jedoch wieder einmal um den Zustand des knapp 2000 Quadratmeter großen Gewässers, das durch seinen reichlichen Schilfbewuchs allerdings deutlich kleiner wirkt.

„Der Wasserstand sinkt kontinuierlich, und der schlammige Grund kommt immer mehr zum Vorschein“, beklagt Renate Schmidt. „Wenn der Wasserspiegel weiter sinkt, kommt der Schlamm raus, und das stinkt.“ Von ihrem Balkon aus hat sie einen direkten Blick auf den Teich. Daraus, dass nun Hunderte von leuchtroten Goldfischen knapp unter der Wasseroberfläche schwimmen, schließt die Anliegerin auf zu wenig Sauerstoff im Wasser. Außerdem erscheinen ihr das Schilf im Teich zu stark ausgebreitet und die Optik des Fußweges drumherum ungepflegt.

Diese Beobachtungen habe sie der zuständigen Abteilung im Hamelner Rathaus bereits zweimal telefonisch mitgeteilt, schildert Schmidt. Beide Male sei ihr versichert worden, dass man sich des Problems annehmen wolle. „Aber passiert ist nichts.“ Was die Anliegerin fast noch mehr ärgert: dass sie bisher keine Rückmeldungen aus dem Rathaus erhalten habe. Daraus schließt die pensionierte Pädagogin auf Unhöflichkeit und Ignoranz den Bürgern gegenüber. „Würde mir jemand plausibel erklären, warum zum Beispiel eine längst abgestorbene Birke noch immer am Ufer steht, würde ich das auch einsehen.“

Mühsam in Schach zu halten: Japanischer Knöterich wuchert an Lüders Teich bis in den Fußweg. Foto: jl
  • Mühsam in Schach zu halten: Japanischer Knöterich wuchert an Lüders Teich bis in den Fußweg. Foto: jl

Ein anderer Anwohner wundert sich indes über den Zeitpunkt der letzten Schilfernte im vergangenen Herbst. „Sowas macht man doch im Frühjahr“, sagt er. Im Hamelner Rathaus hat man eine komplett andere Sicht sowohl auf die Kommunikation mit Hinweisgebern als auch auf das Thema: „Alle Anrufer beziehungsweise alle Mail-Schreiber erhalten von uns eine Antwort“, sagt Stadt-Sprecher Thomas Wahmes. Unterbliebene Rückrufe seien seinen Kollegen nicht bekannt. „In den vergangenen Monaten hat sich niemand bei uns gemeldet.“Und zur Sache: „Aktuell bewegt sich der Wasserstand im Rahmen der normalen Schwankungen. Er entspricht dem Stand sommerlicher Trockenperioden. Wir sehen daher bislang keinen Grund zur Sorge“,so Wahmes.

Schnell angehoben werden könne der Wasserstand des durch Regen und über einen Zulauf per Pumpe mit Grundwasser gespeiste See nicht.

Weil sich in der Vergangenheit immer wieder Anlieger über das raumgreifende Schilf beschwert hatten, seien im Oktober und November 2017 große Teile davon unterhalb der Wasseroberfläche abgeschnitten worden. „Die Halme laufen dann bis in die Wurzel voll Wasser und sterben partiell ab“, erklärt Wahmes. Dazu habe die zuständige Untere Naturschutzbehörde ihr Okay gegeben. Anwohnern, die sich telefonisch gemeldet hatten, sei das erläutert worden. „Der Schilfbestand ist nun ausgedünnt.“ Um einen noch stärkeren Effekt zu erzielen, solle das Schilf im Herbst erneut geschnitten werden.

Und warum geschieht das nicht unmittelbar vor dem Neuaustrieb im Frühjahr, in der einschlägigen Ratgebern zufolge optimalen Zeit? „Wir wollen, dass die Wurzeln absterben. Davon erhoffen wir nachhaltigere Wirkungen.“

Grundsätzlich gelte allerdings: „Schilf oder auch Röhricht tun dem Teich gut. Sie binden übermäßig vorhandene Nährstoffe und führen dem Wasser über die Halme Luft zu.“ Schuld an der Beeinträchtigung des ökologischen Zustands seien vor allem die vielen Goldfische. Aber, so Wahmes: „Würden wir sie heute rausnehmen, schmisse morgen wieder jemand welche rein.“

Dass sich die von vermeintlichen Tierliebhabern eingesetzten Fische so rasant vermehrt hätten, deute man im Rathaus als „Zeichen dafür, dass sich die Fische in dem Teich wohlfühlen“. Dass sie oberflächennah schwimmen, schätze man nicht als Anzeichen für ein bedrohliches Absinken des Sauerstoffgehaltes ein. Anders als die Anwohner bewerten die zuständigen Rathaus-Mitarbeiter den Zustand des Teiches laut Wahmes als „insgesamt befriedigend“ – vor allem im Vergleich zu dessen Zustand vor etwa 15 Jahren. Zur Erinnerung: Damals war Lüders Teich eine faulig stinkende Kloake. Deshalb pflanzte man in der Folge Schilf (allerdings offenbar ohne Wurzelbremse) belüftete den Teich bis vor einigen Jahren per Luftsprudler. Finanziert wurden diese Maßnahmen über ein Ökosponsoring-Projekt. Mit Werbeaufklebern auf ihren Fahrzeugen nahm die Stadt in den Jahren zwischen 2003 und 2014 insgesamt etwa 37000 Euro ein, die vorwiegend in die Renaturierung des Teiches flossen. Das erklärte die damalige Initiatorin des Projekts, eine Werbegrafikerin aus Nordrhein-Westfalen, jetzt auf Anfrage. Als sich keine Sponsoren mehr fanden, lief der Vertrag aus.

Eine Ursache des Unmuts vermutet Stadt-Sprecher Wahmes in den unterschiedlichen Sichtweisen von Stadt und Anliegern. „Wir streben ein naturnahes, im ökologischen Gleichgewicht befindliches Gewässer an. Keinen Zierteich, sondern ein Biotop.“

„Ich bin keine Ordnungsfanatikerin“, kontert Renate Schmidt. „Ich habe auch nichts gegen wuchernde Brombeeren.“ Ihr Wunsch, auf den Punkt gebracht: „Wasserspiegel hoch, Goldfische raus und den Weg freihalten.“ Der dort hineinwachsende Japanische Knöterich passe sicher nicht ins Biotop.

Hier gibt Wahmes der Beschwerdeführerin recht. Aber eine Bekämpfung der Problempflanze sei nur mühsam von Hand möglich. „Das ähnelt dem berühmten Kampf gegen Windmühlenflügel.“ Viermal im Jahr stutze der Bauhof den Knöterich.

Allerdings: Einer Studie der Uni Frankfurt für das Umweltbundesamt zufolge müsste das achtmal pro Jahr geschehen, also doppelt so häufig wie jetzt, um die invasive Pflanze wenigstens einigermaßen in Schach zu halten. Der Japanische Knöterich, der sich über unterirdische Rhizomwurzeln (auch über das Ausbringen von Erde, die sie enthält) verbreitet, verdrängt bekanntlich einheimische Pflanzen und Tierarten und trägt Gewässerufer ab. „In flächenhaften Beständen des Staudenknöterichs wird die standortgerechte Vegetation fast vollständig verdrängt“, heißt es in der Untersuchung. „Eine Stützung dieser Bestände ist identisch mit einer Bekämpfung des Staudenknöterichs.“



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