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Kindeswohlgefährdung - "Ich will wieder zurück nach Hause"

veröffentlicht am 03.11.2010 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:36 Uhr

Marina

Hameln (ube). Ein Hamburger Rechtsanwalt kritisiert das heimische Jugendamt. Der Landkreis handele "krass rechtswidrig", indem es den Willen eines Kindes bei der Frage, wo es leben wolle, übergehe, sagt Rudolf von Bracken. Die Behörde hat einem Ehepaar die Tochter weggenommen und die seinerzeit 12-Jährige ins Heim gesteckt. Das pubertierende Mädchen hatte zuvor bei der Polizei ausgesagt, es sei von seinen Eltern geschlagen worden, die Aussage jedoch wieder zurückgenommen. In einem Brief an die Eltern schreibt Marina (Name geändert): „Ich hätte nicht auf Martha (Name der Freundin geändert) hören dürfen und nicht zur Polizei gehen sollen, aber das war ihre Idee, nicht meine. Könnt Ihr mich nicht einfach hier rausholen?“ In einem anderen Brief beteuert das Kind: „Meine Geschichte war eine ausgedachte Geschichte. Ich wollte nur, dass jemand mit meinen Eltern spricht, damit ich meine Freundin behalten kann.“ Mutter und Vater hatten ihrer Tochter den Umgang mit der zwei Jahre älteren "besten Freundin" verboten. Von der Schule weg wurde Marina im April  in ein Heim gebracht. Fast ein halbes Jahr blieb sie dort, bis sie sich am 8. September nach Schulschluss in die Amtsstube ihres Vaters Viktor M. (59), einem Mitarbeiter der Stadt Hameln, „flüchtete“. Jetzt lebt sie wieder in ihrer Familie – allerdings in einem rechtlichen Schwebezustand. Denn das Familiengericht Hameln hat am 10. September den Antrag, die einstweilige Anordnung vom 4. Juni (Entzug der elterlichen Sorge) aufzuheben, zurückgewiesen. Der Rechtsanwalt der Eltern hat gegen diesen Beschluss Beschwerde eingelegt. Das Gericht, sagt Richter Rolf Scholz, stellvertretender Direktor des Amtsgerichts Hameln, habe während des Verfahrens Kind und Eltern angehört und zweimal Zeugen befragt. Der Familienrichter, betont Scholz, „hat seine Entscheidung auf verschiedene Gründe gestützt“. Einzelheiten aus dem laufenden Verfahren dürfe er jedoch nicht mitteilen.
 Jetzt ist das Oberlandesgericht Celle am Zug. Die Entscheidung wird in voraussichtlich einer Woche verkündet.

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