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Vor Gericht – ein Familienvater aus gutbürgerlichen Kreisen

Kinderpornos „aus dem Off“

Hameln (ube). Er stammt aus gutbürgerlichen Kreisen, hat eine erwachsene Tochter – und saß als mutmaßlicher pädophiler Straftäter mit Hang zu verbotenen Bildern auf der Anklagebank des Amtsgerichts in Hameln. Die Staatsanwaltschaft Hannover warf dem Hamelner (56) vor, er habe sich kinderpornografisches Material aus dem Internet heruntergeladen. Der Angeklagte hatte offenbar einen guten Verteidiger, eine pragmatische Staatsanwältin und eine milde Richterin, denn das Verfahren wurde nach einem kurzen Rechtsgespräch zwischen Staatsanwältin und Anwalt eingestellt – gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 1000 Euro.

veröffentlicht am 11.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 07:41 Uhr

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Paragraf 153a des Strafgesetzbuches macht es möglich. Wird nämlich die Schwere der Schuld als nicht so hoch eingestuft und ist das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht sonderlich groß, kann eine Verhandlung mit Zustimmung des Gerichts auch ohne einen Schuldspruch zu Ende gehen.

Bei einer Hausdurchsuchung hatten Polizisten einen Computer beschlagnahmt und darauf 16 Bild- und Videodateien entdeckt, „die den sexuellen Missbrauch von Kindern unter 14 Jahren zum Gegenstand hatten“, wie es im Juristendeutsch heißt.

Hamelner gilt weiter als nicht vorbestraft

Der Angeklagte stritt ab, die einschlägigen Bilder und Filme heruntergeladen zu haben. Sie müssten beim Surfen „aus dem Off“ auf seinem Computer abgespeichert worden sein – möglicherweise durch ein Virus, meinte er.

Rechtsanwalt Uwe Behnsen hatte schon kurz nach dem Polizeieinsatz bei der Staatsanwaltschaft beantragt, das Verfahren gegen seinen Mandanten einzustellen, weil dieser unschuldig sei. Die Anklagebehörde schenkte der Version des Verdächtigen zwar keinen Glauben, reichte ihm aber dennoch die Hand, indem sie signalisierte, sie sei mit der Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage zufrieden. Das hätte dem Mann eine mündliche Verhandlung erspart. Der Familienvater lehnte den Vorschlag ab, riskierte damit bis zu zwei Jahren Gefängnis oder Geldstrafe. Er habe nichts Unrechtes getan, behauptete er. Also wurde der nicht vorbestrafte Mann angeklagt – wegen Verschaffens und Besitzes von kinderpornografischen Schriften.

In einem nicht-öffentlichen Gespräch, das am Rande des Prozesses stattfand, dürften Staatsanwältin und Verteidiger den Angeklagten davon überzeugt haben, dass es besser für ihn sei, die vorgeschlagene Geldauflage zu akzeptieren. Der Mann willigte kurz darauf ein. Er zahlt 1000 Euro in Raten an die Landesstelle für Jugendschutz der Freien Wohlfahrtsfürsorge – und gilt weiter als nicht vorbestraft.

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