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Grundschule stellt sich quer und die Stadt fügt sich

Kindernest-Farce im Sünteltal: Konsens um jeden Preis?

HOLTENSEN. Das Sünteltal braucht dringend mehr Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren. In der Kita Süntelzwerge herrscht Platzmangel. In der Grundschule Holtensen wäre für ein Kindernest Platz. Doch die Schule sperrt sich dagegen. Kurios: Die Stadt nimmt das so hin. Dabei liegt die Entscheidungsgewalt bei ihr.

veröffentlicht am 19.02.2018 um 17:22 Uhr
aktualisiert am 19.02.2018 um 18:20 Uhr

Die Grundschule Sünteltal will auch vorübergehend keine Räume für ein Kindernest zur Verfügung stellen – und die Stadt fügt sich. Foto: fh
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Schließlich ist sie die Trägerin der Schule. Das drückt auf die Stimmung im Ort, wie nun in der Sitzung des Ortsrats deutlich wurde.

Ortsbürgermeisterin Bettina Schultze (SPD) sprach im Hinblick auf das ungelöste Problem der Kleinkinderbetreuung von einem „vergifteten Klima“. Derzeit gebe es im Sünteltal 55 Kinder im Alter von unter drei Jahren. „Den Betreuungsbedarf gibt es, aber das Problem ist noch nicht gelöst“, sagte sie. Erst vor Kurzem berichtete die Dewezet über eine Mutter aus Holtensen, die ihre Arbeit aufgeben muss, weil das Kindernest in der Grundschule zum 1. März nicht, wie ursprünglich geplant, zustande kommt.

Leise Hoffnung machte sie an diesem Abend mit einer neuen Option, die im Raum steht. „Vielleicht gibt es noch eine Möglichkeit für ein Kindernest, allerdings wird der Raum nicht mietfrei sein und nicht hier im Bildungszentrum liegen“, wie sie mit Blick uf den Straßenzug Beekebreite/Diesterwegstraße sagte, in dem sich Grundschule, Kindergarten und Sporthalle befinden. Wo genau sich dieser Raum befindet, sagte sie nicht. Auch die Stadtverwaltung wollte sich auf Anfrage der Dewezet bis zum Redaktionsschluss nicht dazu äußern, solange die Gespräche noch nicht abgeschlossen seien. Nur so viel: „Wir bemühen uns nun mit aller Kraft, einen alternativen Standort für ein Kindernest zu finden.“

Eine weitere Hoffnung weckte Schultze mit der Information, dass sich der Kita-Träger – der Verband der evangelisch-lutherischen Kindertagesstätten im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont (Kitav) – ebenfalls für einen An- beziehungsweise Erweiterungsbau einsetze.

Ganz so deutlich wollte es Christiane Heins, die betriebswirtschaftliche Kitav-Geschäftsführerin, auf Anfrage der Dewezet zwar nicht bestätigen. Allerdings, so Heins, habe der Kitav im Rahmen der städtischen Kita-Bedarfsentwicklung erklärt, dass es Erweiterungsmöglichkeiten für einen An- oder Solitärbau gebe, etwa auf dem ehemaligen Spielplatz in unmittelbarer Nähe. Als Träger habe der Verband der Stadt signalisiert, dass der Bedarf bestehe.

Auf die Frage von Markus Maihöfer (SPD), wie schnell die Erweiterung realisierbar sei, verwies die Ortsbürgermeisterin auf die im Dezember vom Rat verabschiedete Prioritätsliste, nach der die städtischen Hochbaumaßnahmen der Reihe nach abgearbeitet werden. Demnach befindet sich dieses Projekt mit Priorität 3 noch in der Schwebe, teilt Stadtsprecher Thomas Wahmes auf Anfrage mit. „Wenn sich der Bedarf bestätigen sollte, müsste das Projekt in diesem Jahr weiter konkretisiert werden“, so Wahmes. „Für das Haushaltsjahr 2019 müssten dann Planungsmittel angemeldet werden.“

Im Ortsrat war sogar von einer „Spaltung des Dorfes“ die Rede. Andreas Franke (SPD) sagte, er sei „sehr enttäuscht“ von der Haltung der Grundschule, „schließlich haben wir uns als Ortsrat immer sehr für die Schule eingesetzt“.

Bettina Schultze bedauerte, dass auch ein zweieinhalbstündiges Gespräch zwischen Vertretern von Schule, Elternrat Stadtverwaltung, Landesschulbehörde und Ortsrat zu keinem positiven Ergebnis geführt habe. „Es war keine Annäherung möglich“, so die Ortsbürgermeisterin.

Aber ist es in der Not nicht eine Selbstverständlichkeit, zusammenzurücken, zumal die heutigen Kita-Kinder potenzielle Grundschulkinder sind? Offensichtlich nicht. Wieso macht die Stadt dann nicht von ihrer Entscheidungsgewalt Gebrauch und setzt sich durch? „Es stellt sich für uns nicht die Frage, wer sich ,durchsetzt‘“, sagt Stadtsprecher Wahmes dazu auf Anfrage.

Für die Stadt stünden „die Interessen der Kinder im Mittelpunkt, und da müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass es in der Grundschule Holtensen erhebliche Widerstände gegen die vorübergehende Unterbringung eines Kindernestes“ gebe. Wahmes meint: „Hätte sich die Stadt durchgesetzt und gegen den Willen der Schulleitung ein Kindernest in der Grundschule eingerichtet, wäre dies für die Zusammenarbeit und die Atmosphäre sicher nicht positiv gewesen.“

Zusammenzurücken sei nur möglich, wenn beide Parteien es wollten. „Mit einem ,Durchsetzen von oben‘ wäre keinem geholfen, auch nicht den Krippenkindern“, führt der Stadtsprecher aus. „Wenn wir über den Kopf der einen Seite hinweg entscheiden würden, wären dies denkbar schlechte Voraussetzungen für eine künftige Zusammenarbeit.“

Mein Standpunkt
Philipp Killmann
Von Philipp Killmann

Die Stadt sollte von ihrer Entscheidungsgewalt Gebrauch machen und in der Grundschule ein Kindernest einrichten. Das Bestreben, einen Konsens zu finden, ist zwar ehrenhaft. Es darf aber nicht auf Kosten von berufstätigen Elternteilen gehen, die deshalb gezwungen sind, ihre Arbeit aufzugeben.



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