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Hamelner Fall sorgt für Diskussion / Eltern haften nicht immer für ihre Kinder

Kind zerkratzt Autos – und wer zahlt?

Hameln. Kurze Meldung, lange Diskussion: Ein Sechsjähriger, so wurde am Sonntag bekannt, hat offenbar gleich ein ganzes Dutzend Autos mit einem Stein zerkratzt. Zwölf Autos mit Lackschäden – puh, das wird teuer. Die beispielsweise auf der Dewezet-Facebook-Seite diskutierte Frage lautet nun jedoch: Teuer für wen?

veröffentlicht am 14.07.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:00 Uhr

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Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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Juristisch gelten Kinder unter sieben Jahren als „deliktsunfähig“. Sie sind für einen angerichteten Schaden nicht verantwortlich – also auch nicht der Sechsjährige, der mit dem Stein am Schlüterskamp unterwegs war. Doch es gibt ja auch noch die Eltern. Die müssen ihrer Aufsichtspflicht nachkommen. Diese soll zum einen die Minderjährigen schützen, aber auch Dritte vor Schäden bewahren. Haben sich die Eltern entsprechend verhalten, müssen sie auch nicht für den angerichteten Schaden haften. Doch die Frage „Aufsichtspflicht verletzt oder nicht?“, ist dann oft der Knackpunkt.

In einem ganz ähnlichen Fall wie dem vom Schlüterskamp ging es ebenfalls um einen Sechsjährigen und auch er hatte Autos mit Steinen zerkratzt. Das Landgericht Detmold entschied im Oktober 2013: Die Eltern sind verantwortlich. Sie hätten erst nach etwa 45 Minuten aus dem Wohnzimmerfenster geschaut, um einen Blick auf ihren Kleinen zu werfen. Eigentlich müssten jedoch draußen spielende Kinder im Vorschulalter etwa im Abstand von 15 bis 30 Minuten überwacht werden. Bei einem – „bedingt deliktsfähigen“ – Siebenjährigen, entschied ein anderes Gericht, seien auch bis zu zwei Stunden ohne elterliche Aufsicht in Ordnung. Wie genau es sich mit der Aufsicht über den Sechsjährigen in Hameln verhielt, ist unbekannt.

Ein Schaden ist jedoch auf jeden Fall entstanden. Bleiben auf dem nun die Halter der Autos sitzen? Nicht zwangläufig. Schließlich gibt es zwei Möglichkeiten – und in beiden kommen Versicherungen ins Spiel: Haben sich die Eltern korrekt verhalten, könnte eine Vollkasko-Versicherung der Autofahrer zahlen – falls sie eine haben. Allerdings drohen eine eventuelle Selbstbeteiligung und eine Höherstufung im nächsten Jahr.

Haben die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt, sich also etwas zuschulden kommen lassen, dürfte das Ganze ein Fall für ihre private Haftpflichtversicherung sein – falls sie eine haben. Allerdings: Nicht jeder von kleinen, nicht deliktfsähigen Kindern verursachte Schaden ist auch von einer Haftpflichtversicherung abgedeckt. Oft werden entsprechende Zusatzabschlüsse angeboten. Dann zahlt die Versicherung auch für den Schaden, wenn sich die Eltern korrekt verhalten haben. „Wenn man kleine Kinder hat, spricht viel für eine private Haftpflichtversicherung“, rät Andreas Gernt, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Wenn ein Gericht entscheiden muss, ob Eltern für ihre – mindestens siebenjährigen – Kinder haften, fällt auch ins Gewicht, ob die Eltern den entstandenen Schaden absehen konnten. Ober ob das Kind schon in der Lage war, die Folgen seines Handelns einzuschätzen – etwa beim gefährlichen Spiel mit Streichhölzern.

Übrigens: Das berühmte Baustellenschild „Eltern haften für ihre Kinder“ ist jedoch im Grunde Unsinn. Zwar müssen Eltern aufpassen, dass ihre Kinder der Baustelle fernbleiben. Wenn diese dann bei aller elterlichen Vorsicht trotzdem die Baustelle betreten und dort womöglich etwas anstellen, muss sich aber vielmehr der Bauherr fragen lassen, warum er seine Baustelle nicht ausreichend gesichert hat.

Eltern haften für ihre Kinder!



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