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Eltern empört über Vorwurf des Rechnungshofes / Schulbezirksregelung verhindert Tricksereien

Keine Zahlenmanipulation an Hamelns Schulen

Hameln (tk). Kleine Klassen und ein erhöhter Personalschlüssel – das ist für viele Schulleiter und Eltern das Ideal qualitativ hochwertiger Beschulung. Damit sie Klassen mit geringeren Schülerzahlen bilden und damit zusätzliche Lehrerstellen vom Land beanspruchen können, hätten etliche Städte und Gemeinden in Niedersachsen seit Jahren getrickst, rechnet der Landesrechnungshof vor und unterstellt mehreren niedersächsischen Kommunen einen „schweren Fall von Verschwendung“ in Millionenhöhe. Statt durch Zusammenlegen von Klassen und sogar ganzen Schulen Kosten zu sparen, hätten Kommunen die Jahrgangsstärken manipuliert, so der Befund der Rechnungsprüfer. Einen Fall dieser Art in Hameln kann die Behörde allerdings nicht bestätigen.

veröffentlicht am 19.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 21:21 Uhr

28 Schüler darf eine Grundschulklasse enthalten. Manche Kommunen
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Bei einem Stichprobenvergleich der Jahrgangsstärken aller 1800 Grundschulen war dem Landesrechnungshof aufgefallen, dass viele Grundschulen zum Zeitpunkt der Anmeldung Jahrgänge mit 29 bis 33 Schüler meldeten. Nach Rechtsvorschriften des Landes dürfen Grundschulklassen maximal 28 Schüler enthalten. Wird diese Zahl überschritten, muss die Klasse geteilt und eine neue Lehrkraft eingestellt werden.

„Für viele Eltern ist der Vorwurf des Rechnungshofes ein echtes Reizthema“, sagt Sabine Wulf, Leiterin der Verlässlichen Grundschule Wangelist. Den Eltern gehe es dabei ums Prinzip, nicht um eine Rechtfertigung der Vorhaltungen: Geld für zusätzliche Lehrer und kleine Klassen sei keine Verschwendung, sondern eine Investition in die Bildung der Kinder, so das Credo. Aus ihrer Erfahrung weiß die Rektorin: „Schon mehr als 20 Schüler sind zu viel, um intensiv unterrichten zu können.“

Wie die Mauscheleien in den Kommunen zustandegekommen sind, weiß Wulf nicht zu erklären. Denn einen Einfluss auf die Klassengröße hätten die Schulen nur bedingt, und sie seien abhängig von der Jahrgangsstärke der Erstklässler. Erst ab 29 Schülern kann eine Teilung beantragt werden, ab 30 Schülern können die Schulen diese selbst veranlassen und sogar eine Lehrkraft einstellen.

„Guter Draht zur Schulbehörde“

„Die Schülerzahlen muss ich der Stadt melden, die dann mit dem Einwohnermeldeamt abgleicht“ – Tricksereien seien da nicht möglich und auch nicht ratsam, erklärt Schulleiterin Wulf.

Auch Stadtelternratsvorsitzender Wolfhard F. Truchseß meint, dass „solche Tricks hier nicht möglich sind“. Die Stadt Hameln habe eine Schulbezirksregelung, die klar vorgebe, welches Kind an welche Grundschule gehöre. Ausnahmen von dieser Regelung seien nur in ganz speziellen Sonderfällen möglich, weiß man bei der Stadt, die gleichzeitig Schulträger ist. Die Schulbezirksregelung beinhaltet die ordnungsgemäße Beschulung der Kinder auf der Grundlage von festgelegten Einzugsbereichen – „und verhindert, dass Kinder einfach zwischen den verschiedenen Schulbezirken hin- und hergeschoben werden“, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes. Eine Erklärung, wie die vorgeworfenen Manipulationen zustande gekommen sein könnten, hat Truchseß dennoch parat: Er vermutet, „dass dort ein Schulleiter einen sehr guten Draht zur Schulbehörde gehabt haben muss“.

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