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Alleinerziehende Mutter kümmert sich um junges Mädchen

Keine Unterschrift, kein Geld - Ärger mit dem Jugendamt

HAMELN. Dreieinhalb Monate lang hat sich Nadine Goßler – nach eigener Auskunft auf Bitte des Jugendamtes – um eine Jugendliche gekümmert. Drei Monate Schulbus, Essen und Bett. Sogar eine Vormundschaft sollte sie übernehmen. Jetzt ist das Kind wieder zurück in der eigenen Familie. Das Jugendamt sieht sich nicht mehr zuständig.

veröffentlicht am 02.08.2016 um 18:04 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:47 Uhr

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Autor:

Christian Vogelbein
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Es sei ein Freitag gewesen, als die Tochter von Nadine Goßler zu ihr kam: Eine Freundin hätte Ärger mit ihren Eltern. Ob sie wohl für das Wochenende bei ihnen Übernachten könnte. „Klar“, habe Nadine Goßler daraufhin gesagt, „ist ja nur für kurze Zeit.“ Was genau in der Familie des Mädchens mit syrischer Herkunft passiert sei, weiß sie nicht. „Im März hat eine Frau vom Jugendamt angerufen und gefragt, ob das Mädchen nicht auch länger bei mir leben könnte. Es hätte ihr gut gefallen und ich würde mich ja auch auskennen“, erinnert sich Nadine Goßler. Tatsächlich ist sie im pädagogischen Bereich tätig und kümmert sich an einer Grundschule um die Integration von Kindern. Um mögliche Kosten wolle man sich kümmern, langfristig sei sogar eine Vormundschaft angedacht, wenn der Vater des Kindes zustimme. Das habe man ihr zumindest am Telefon gesagt. Weil die Zeit drängte, stimmte sie zu. Dreieinhalb Monate teilte sich die Familie das Haus mit dem Mädchen.

Doch das Amt meldete sich nicht mehr. Überhaupt wundert sich die Hamelnerin, wie schnell alles ging. „Das Jugendamt hat mich nicht überprüft oder nachgefragt, wer ich bin oder was ich mache“, sagt sie. Und das Amt? Kennt den Fall, sieht den Zusammenhang aber anders: „In dem konkreten Fall ist die Aufnahme des Kindes von den beteiligten Personen selbst vereinbart worden. Eine Unterbringung durch das Jugendamt wurde nicht eingeleitet“, erklärt eine Sprecherin. Deshalb hätte die Hamelnerin zunächst auch keinen Anspruch auf Kostenersatz. „Grundsätzlich werden Kosten der Unterbringung übernommen, wenn die rechtlichen Voraussetzungen vorliegen und das Jugendamt eine Hilfemaßnahme eingeleitet hat“, so die Erklärung des Jugendamtes. Außerdem würde jede Maßnahmen auch „intensiv geprüft und begleitet“. Im Haus von Nadine Goßler war bis heute jedoch niemand vom Jugendamt. Dafür war sie schon zur Besuch bei der Familie des Mädchens. Ganz zu Anfang: „Ich wurde zum Tee eingeladen, wir haben lange gesprochen“, erinnert sie sich.

Sie bot dem Kind für eine Zeit ein Zuhause, einen Schlafplatz und Taschengeld. „Sie musste ja mit dem Bus zur Schule“. Der Vater war einverstanden. Auch, damit sich die Lage beruhigt. Denn: „Elternrechte dürfen nach Artikel 6 Grundgesetz nur in einem gesetzlich geregelten Verfahren eingeschränkt werden“, betont das Jugendamt. Ohne Zustimmung durch die Eltern oder Gerichte könne das Jugendamt nur im Rahmen von kurzfristigen Maßnahmen eingreifen. Das sei hier allerdings nicht der Fall gewesen. Ganz leicht waren die drei Monate nicht. Die Hamelnerin ist selbst Mutter von vier Kindern. „Da wurde es schon Mal eng im Haus“, erinnert sie sich. „Ich sollte eigentlich eine Vormundschaft übernehmen. Der Vater hat aber nicht zugestimmt.“ Inzwischen hat er die Tochter wieder zu sich geholt. „Er kam, als ich nicht Zuhause war“, sagt Nadine Goßler. Das Jugendamt fühle sich jetzt nicht mehr zuständig. „Und das, obwohl ich für sie die Arbeit gemacht habe“, klagt sie. Am Telefon wird ihr empfohlen, sie solle es mal bei der Familienkasse probieren. „Aber auch da habe ich keinen Anspruch“, sagt sie. Nächster Tipp: Den Vater fragen. Denn: „Vereinzelt übernehmen Eltern selbst die Verantwortung und schaffen geeignete Regelungen. In einem solchen Fall erfolgt möglicherweise nur eine sozialpädagogische Begleitung der Angelegenheit“, so das Amt über seine Zuständigkeit. „Der freut sich bestimmt, wenn ich dort alleine auftauche und um Geld frage“, sagt Nadine Goßler.

Aber die wichtigste Frage: wie geht es dem Mädchen? „Wir haben Kontakt, es ist wohl besser geworden“, ist alles, was sie sagen kann. Kommuniziert wird via Email und SMS. Persönlich habe man sich seit mehreren Wochen nicht gesehen. Vom Jugendamt ist sie enttäuscht, sei mit der Situation alleingelassen worden. Die Anrufe vom Amt hat sie zum Teil auf ihrem Anrufbeantworter gespeichert. Auch die Enttäuschung bleibt.



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