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Aufwendige Restaurierungsarbeit am Dempterhaus

Keine Sorge: Der schöne Erker kommt bald wieder

Hameln. Vorsichtig kratzen die Männer auf dem Gerüst des Dempterhauses den Mörtel aus den Fugen; mit dem Gummihammer lösen sie behutsam den nächsten Stein, beschriften ihn sorgfältig und vertrauen ihn schließlich der stählernen Faust eines starken Kranes an. Langsam schwebt der Sandsteinquader nach unten. Zielgenau platziert der Kranführer den Brocken neben den Steinen, die schon auf dem Tieflader liegen: alles Teile der Standerkers, der seit Jahrhunderten die Giebelfront des Dempterhauses schmückt – und der jetzt Stück für Stück abgebaut wird.

veröffentlicht am 01.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 14:41 Uhr

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Autor:

Brigitte Niemeyer
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Die langsame Entkleidung des Renaissancebaus von einem Teil seiner Zierde lässt Passanten innehalten. Fragezeichen stehen ihnen ins Gesicht geschrieben. Die oberen Gefache des Hauses schon frisch gestrichen und darunter eine Wunde, die von Stunde zu Stunde weiter aufklafft … „Was machen die da bloß“, wendet sich ein junger Senior an seine Begleiterin und erntet nur Achselzucken. „Los, lass uns weitergehen. Ich halte das in der Hitze hier nicht länger aus“, drängt die Dame zu einem schattigen Plätzchen. Er, das ist seinem zögerlichen Schritt unschwer zu entnehmen, hätte der Mittagsglut auf dem Marktplatz gern noch ein bisschen getrotzt in der Hoffnung, die Frage könnte sich durch längeres Zuschauen von selbst beantworten.

Die Männer auf dem Gerüst arbeiten derweil konzentriert weiter. Sie sind vom Fach: Steinmetze nämlich, die den Rückbau der sogenannten „Utlucht“ bewerkstelligen und dabei äußerst sorgsam vorgehen. Schließlich soll der Erker an gleicher Stelle wieder aufgebaut werden – „in drei bis vier Wochen, wenn alles gut geht“, hofft Falk Lippel. Der Architekt führt bei der Restaurierung des Dempterhauses Regie und kann darum auch erklären, warum die Demontage des reich verzierten Vorbaues überhaupt erforderlich ist: Bei einer früheren Sanierung des Hauses vor rund dreißig Jahren seien die Fugen zwischen den Sandsteinen mit Zement ausgebessert worden, so Lippelt.

Probeaufbau in der Halle

Doch das neuzeitliche Material vertrage sich nicht mit dem Sandstein. Wasser, das in den Stein einzieht, staue sich. Außerdem übe der harte Zement Druck auf den weichen Sandstein aus, wodurch Risse entstehen. Die fanden sich jetzt auch im Erker, dazu noch verrostete Metallklammern, die die Steine zusätzlich miteinander verbanden und die Utlucht mit der Fassade verankerten. Alles zusammen ergab am Ende den Befund, dass die Stabilität des Vorbaus gelitten hatte.

Beschriftet und sortiert: die schon abgebauten Steine des Erkers
  • Beschriftet und sortiert: die schon abgebauten Steine des Erkers.

Eine Restaurierung vor Ort, so Lippelt, habe sich als nicht praktikabel erwiesen. Und weil der private Hauseigentümer auf keinen Fall Pfusch am Bau, sondern eine dem historisch so wertvollen Objekt angemessene Lösung des Problems wünschte, sei nur der Ab- und anschließende Wiederaufbau infrage gekommen. Darum wird der Erker jetzt Stein für Stein abgetragen. Zerlegt in seine Einzelteile, findet die weitere Bearbeitung zunächst in den Werkstätten der Baumanufaktur Betzold + Maak statt. Die angegriffenen Steine werden restauriert, die zerstörten durch neue ersetzt. Der so wiederhergestellte Erker wird laut Lippelt zunächst in der Halle neu zusammengefügt, dann wieder auseinandergenommen und erst danach endgültig am Hamelner Dempterhaus wieder aufgebaut.



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