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Erkältungskrankheiten und Influenza sind weiter auf dem Vormarsch – „H1N1-Virus“ nur noch eine Variante

Keine Panik bei Schweinegrippe

Die Schweinegrippe ist zurück – auch in Hameln-Pyrmont. In 70 Prozent aller Grippefälle ist das „H1N1-Virus“ verantwortlich. Inzwischen bringt die Erkrankung allerdings kaum noch jemanden aus der Ruhe: Sie wird in einem Zug mit Atemwegserkrankungen der Saison und anderen Grippeformen genannt.

veröffentlicht am 22.02.2016 um 18:33 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:05 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Hameln. Sicher ist: Alle zusammen sind weiter auf dem Vormarsch. Ihre Ausbreitung wird im „Bericht des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes für den Landkreis als „sehr hoch“ eingestuft. Betroffen sind vor allem Kinder und Erwachsene. Zwei bestätigte Todesfälle gibt es bis jetzt in Niedersachsen.

Von Panik ist man inzwischen jedoch weit entfernt. Es ist sogar ziemlich still geworden um die Schweinegrippe. Das hat mehrere Gründe. Das Virus habe sich als harmloser entpuppt als vermutet, sagt Dr. Holger Scharlach, Mitarbeiter des Landesgesundheitsamtes in Hannover. „Es gab nicht so schwere Krankheitsfälle wie erwartet.“

Im Rückblick habe es auch damals nicht mehr Tote als in anderen Jahren gegeben, im Gegenteil: Anfang 2011 teilte der Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments mit, dass die Schweinegrippe in der Saison 2009/2010 europaweit rund 2900 Tote gefordert habe. Bei einer moderaten Saison der normalen Influenza seien es dagegen 40 000 Tote.

„Todesfälle durch Influenza gibt es jedes Jahr“, bestätigt Dr. Raffael Boragk, Sprecher der Ärzte in Hameln. Derzeit habe er zwar den Eindruck, ganz Hameln habe Husten und Schnupfen, wie oft das Schweinegrippe-Virus beteiligt ist, kann er jedoch nicht sagen, denn: Therapeutisch würde es bei leichteren Fällen sowieso keinen Unterschied machen. Und weil er bisher noch keinen Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf in der Praxis hatte, habe er auch noch keine Probe ins Labor geschickt.

Ganz anders war das im Jahr 2009: Als sich das H1N1-Virus in Mexiko und den USA rasant ausbreitete und im Juni 2009 nach Europa schwappte, waren die Vorsichtsmaßnahmen umfassend und auch ein wenig Angst einflößend: Patienten wurden isoliert, also unter Quarantäne gestellt und in einer Praxis des Ärztlichen Notdienstes in Hameln schützte sich beispielsweise ein Hausarzt mit Overall, Maske und Handschuhen. Die weißen Anzüge waren sogar ausverkauft. Krankenhäuser, Hausärzte und Rettungsdienste bereiteten sich auf den Ernstfall vor.

„Es war eine komische Stimmung“, erinnert sich Dr. Raffael Boragk. „Eine Frage war: Reicht der Impfstoff? Wir haben damals Kontingente zugeteilt bekommen und für die Patienten gab eine Warteliste. Der Arzt musste entscheiden, wer die Impfung vorrangig bekommen sollte. „Das war eine von vielen Facetten, die das Ganze ungemütlich gemacht haben, erinnert sich der Arzt. Er glaubt, dass viel Panik gemacht wurde. Ungewöhnlich sei damals eigentlich nur gewesen, dass die Krankheitsfälle antizyklisch auftraten – also unüblicherweise bereits im Sommer. Dazu kam, dass der Virenstamm nicht in den üblichen Impfstoffen gegen Influenza enthalten war.

Auch viele Experten haben die Einstufung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als globale Pandemie mit dem höchsten Gefahrenniveau im Nachhinein als Überreaktion kritisiert. Einige Medien schienen dafür eine schlüssige Erklärung zu liefern: Nach Berichten von Spiegel und Welt standen sogar Mitarbeiter der WHO auf den Gehaltslisten einiger Pharmariesen. „Wer weiß, vielleicht war da sogar etwas dran“, meint Raffael Boragk auf die Frage, ob die Gerüchte stimmen könnten.

Aus Angst vor einer Pandemie wurde innerhalb weniger Monate der Impfstoff Pandemrix entwickelt und in Niedersachsen an Bezugsapotheken verteilt, die damit Ärzte, Krankenhäuser und Kliniken in ihrem Bereich versorgten. Doch die Angst vieler Menschen vor den Nebenwirkungen führte dazu, dass längst nicht alle Vorräte verbraucht werden konnten. Der Wirkstoff war auf die Schnelle entwickelt und in der Klinik kaum gestestet worden“, sagt Boragk.

Der Grund, warum man heute gelassener ist, liegt auch in Erfahrung. Schon damals seien vor allem eher Jüngere als Ältere betroffen gewesen. Heute gehe man davon aus, dass es eine ähnliche Grippe schon mal gegeben haben müsse und viele deshalb immun seien, sagt Scharlach. Im wöchentlichen Rhythmus beobachtet das niedersächsische Gesundheitsamt die Entwicklung von Grippe und Erkältungskrankheiten. Dazu werden Daten aus Kindertagesstätten und Arztpraxen ausgewertet. Dazu kommen die Grippefälle, die gemäß Infektionsschutzgesetz übermittelt wurden. Gemeldete Schweinegrippefälle gab es in Hameln-Pyrmont seit Jahresanfang nach Auskunft des Landkreises insgesamt nur 20. In ganz Niedersachsen gab es in der letzten Woche 177 Fälle von Grippe, in 141 Fällen handelte es sich um Schweinegrippe. Die eher niedrige Zahl hänge – wie auch in Hameln-Pyrmont – allerdings damit zusammen, dass nur in wenigen Fällen Proben ins Labor geschickt würden.

Eine Grippe-Impfung, die inzwischen auch Komponenten des H1N1-Virus beinhaltet, lohnt sich aus Sicht von Dr. Holger Scharlach dennoch, auch wenn es nach Verabreichung weitere zwei Wochen dauere, bis der Impfschutz wirksam sei. „Die Grippewelle kann sich noch bis Ende März, Anfang April hinziehen“, erklärt er.



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