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Studie: Hameln-Pyrmonter könnten Möglichkeiten besser nutzen

Keine Lust auf Weiterbildung in Hameln-Pyrmont?

HAMELN. Sind erwachsene Hamelner zu bequem, die Schulbank zu drücken? Der zweite Deutsche Weiterbildungsatlas der Bertelsmannstiftung zeigt in dem Bereich jedenfalls noch Verbesserungsmöglichkeiten bei uns im Landkreis auf.

veröffentlicht am 01.08.2016 um 18:23 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:53 Uhr

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Michael Zimmermann

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Michael Zimmermann Gastautor zur Autorenseite
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Während in Niedersachsen rund jeder neunte Bürger (11,4 Prozent) ab 25 Jahren mindestens einmal im Jahr an einer Weiterbildung teilnimmt – und damit bundesweit im unteren Mittelfeld liegt – sind es in Hameln-Pyrmont gerade einmal 6,9 Prozent.

Dabei wäre das Potenzial offenbar vorhanden. Die Studie untersuchte auch, wie gut Regionen ihre strukturellen Voraussetzungen für Weiterbildung nutzen. Nur die Grafschaft Bentheim (35,2 Prozent) schöpft in Niedersachsen ihre vorhandenen Möglichkeiten demnach noch weniger aus als der Landkreis Hameln-Pyrmont (56,9 Prozent).

Die Gründe für hohe oder niedrige Teilnehmerzahlen lägen laut Studie nur teilweise bei der Sozial- und Wirtschaftsstruktur: Wo die Wirtschaft brummt und die Leute gut ausgebildet sind, bildeten sich natürlich auch mehr Menschen fort. Zu zwei Dritteln aber sehen die Forscher in anderen Aspekten die Ursache für Erfolg oder Misserfolg: Wichtig sei ein auf den lokalen Bedarf zugeschnittenes Weiterbildungsangebot, Kooperationen zwischen kommunalen Akteuren und ausreichende Informationen. Von einer guten Ausbildung könnten viele Seiten profitieren, sagt eine Sprecherin der Hamelner Arbeitsagentur: Zum einen verringere sich das Risiko, arbeitslos zu werden. Fachkräfte seien gefragt und würden händeringend gesucht. Zum anderen machten sich Unternehmen, die auf Weiterbildung ihrer eigenen Beschäftigten setzen, unabhängig von der Suche nach Fachkräften auf dem freien Markt und seien konkurrenzfähiger. „Deutschland braucht Know-how, um international mithalten zu können“, meint auch Dorothea Schulz von der IHK-Geschäftsstelle Hameln. „Es gibt hier schließlich nicht viele Rohstoffe. Weiterbildung ist darum wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen.“

Allein die Agentur für Arbeit Hameln fördert daher nach eigener Aussage die berufliche Weiterbildung von Arbeitslosen sowie beschäftigter älterer Arbeitnehmer und Geringqualifizierter in kleinen und mittelständischen Unternehmen jedes Jahr mit mehreren Millionen Euro.

Die Stadt Hameln und der Landkreis Hameln-Pyrmont betonen, dass die Weiterbildungslandschaft sich ständig wandele. Bundesweit zeige die Studie, dass die Teilnahmen an Weiterbildungsmaßnahmen von 2011 bis 2013 um 1,6 Prozent zurückgegangen sei, der Landkreis aber entgegen dem Trend in dem Zeitraum eine Zunahme von 0,7 Prozent ausweisen könne. Mit Volkshochschule und Impuls gGmbH sei man gut aufgestellt und biete ein breites Spektrum an Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für die unterschiedlichsten Zielgruppen an. Allein die Volkshochschule habe im vergangenen Jahr 1 109 Kurse mit insgesamt 11 213 Teilnehmenden durchgeführt. Damit mehr Kurse stattfinden können, würden im kommenden Jahr Staffelpreise und ein Rabatt bei Mehrfachbuchungen eingeführt. Grundsätzlich handele es sich beim Weiterbildungsmarkt aber um einen freien Markt. Es werde also nur das angeboten, was auch nachgefragt wird.

Hier sieht auch Dorothea Schulz einen Knackpunkt: „Wenn der Markt in einer Region nicht danach ist, lohnten sich bestimmte Angebote für die Anbieter nicht, die auch rechnen müssen“, sagt sie. „Für den IHK-Lehrgang ‚Barmixer‘ gibt es hier zum Beispiel keine kritische Masse. Hameln ist für viele Angebote einfach zu klein.“

Trotzdem ist Weiterbildung eine Boombranche mit unzähligen kleinen und großen Anbietern, einzelnen Dozenten oder Instituten. Für Überblick soll die Volkshochschule mit einer unabhängigen Bildungsberatung sorgen, heißt es aus dem Hamelner Rathaus. Um einen besseren Zugang für Interessierte zu ermöglichen, werde mit Start des Wintersemesters eine neue Internetseite mit deutlich größerem Buchungskomfort online gestellt. Im Zuge dieser Neugestaltung verstärke die VHS auch die Werbung in den sozialen Netzwerken.

Außerdem habe auch der Landkreis ein Bildungsbüro, dass die Akteure miteinander vernetze. Dort seien neben dem Landkreis die Städte und Gemeinden, die Arbeitsagentur und das Jobcenter, die IHK, die Kreishandwerkerschaft sowie ein Wohlfahrtsverband vertreten. Geplant ist ein Online-Auftritt aller Angebote dieser Bildungsregion. Darüber hinaus gebe es noch Berufsberatung der Agentur für Arbeit und die berufsbildenden Schulen, die ebenfalls über ihre Angebote informieren.

Gefragt sei aber nicht nur die Anbieterseite, findet Dorothea Schulz: „Weiterbildung hat in der Region nicht den Stellenwert, den sie haben müsste.“ Aus den Unternehmen höre sie oft Stimmen, dass die Mitarbeiter eher abwartend sind. „Große Unternehmen haben von Anfang an klare Vorstellungen, dort ist die Qualifizierung der Mitarbeiter ein Thema. Je größer dabei das Unternehmen ist, umso besser stehen auch die Chancen, dass eine konsequente Personalentwicklung vorangetrieben wird. In kleineren Unternehmen ist die Lage noch ausbaufähig.“ Dort bestimme oft die Auftragslage und das Tagesgeschäft den Alltag, viel Luft bleibe da nicht.



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