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Was die Gutachter zum Theater sagen

Keine guten Nachrichten für die Stadtkasse

Hameln. Um die Einnahmen des Hamelner Theaters zu erhöhen, könnten die Werbemaßnahmen verstärkt und die Eintrittspreise moderat angehoben werden. Dieses sind die zentralen Erkenntnisse aus dem Gutachten der Diplomkaufmänner Reinhart Richter und Matthias Köhn. Die Berater aus Osnabrück waren im September von Hamelns Stadtverwaltung engagiert worden. Sie sollten Vorschläge erarbeiten, auf welche Weise die wirtschaftliche Situation der traditionsreichen Kultureinrichtung verbessert werden könnte. Letztlich geht es darum, die strapazierte Stadtkasse zu entlasten. Dafür wurde nun allerdings erst einmal Geld ausgegeben: Die mit 13 Textseiten recht überschaubare Untersuchung kostet 10 000 Euro. Die Schlussfolgerungen sind am Mittwoch, 8. Januar, Thema im Ausschuss für Familie und Kultur; das Gremium tagt ab 17 Uhr öffentlich im Rathaus. Die Stadtverwaltung moniert schon im Vorfeld, das Gutachten enthalte zwar „Hinweise zur Verbesserung der Einnahmesituation und Optimierung der Abläufe, jedoch keine die Aussagen belegenden und unterstützenden Unterlagen“.

veröffentlicht am 02.01.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 09:21 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Den Anstoß zu dem Gutachten hatte die Frage der Mehrheitsgruppe aus CDU, Grünen und Unabhängigen gebildet, ob es etwas brächte, das Theater nicht länger als kommunalen „Betrieb gewerblicher Art“ zu führen, sondern zum Beispiel als „Gesellschaft mit besonderer Haftung“. Die Gutachter – Köhn ist Kaufmännischer Direktor und Geschäftsführer der Städtischen Bühnen Osnabrück gGmbH – betonen, die derzeitige Rechtsform biete genügend Freiräume für effizientes Arbeiten, eine Änderung eröffne keine Einsparmöglichkeiten. Das Theater Hameln, das „eine gute Arbeit leistet“ und „ein vielseitiges Angebot von Kabarett, Operette bis hin zu großer Oper, anspruchsvollen Schauspielstücken und Konzerten“ bietet, sei ja personell und finanziell bereits sehr knapp ausgestattet.

Eine moderate Anhebung der Eintrittspreise im Turnus von zwei Jahren sei besser als eine größere Verteuerung alle fünf Jahre, stellen die Gutachter fest. Die Erhöhung des Kindertheaterpreises im Theater auf der Bühne (TAB) um 50 Cent auf 5 Euro erscheint auch der Verwaltung vertretbar. Die Zahl von 1800 Abonnenten bezeichnen die Fachleute als „zufriedenstellend, aber noch ausbaufähig“. In anderen Städten gebe es positive Erfahrungen mit „kleinen Abonnements“ und mit der Einbindung von Firmen, die Abos für Mitarbeiter oder Kunden ordern. „Entwicklungspotenziale“ bietet gemäß Gutachten die Zusammenarbeit mit den Touristikern von der HMT, wie das Beispiel des Musicals „Die Päpstin“ zeige. „Die HMT erreicht Menschen in einem sehr viel weiteren Einzugsbereich als das Theater“, ist im Gutachten zu lesen. „Sie hat viele Erfahrungen mit Großevents.“

Auch mit dem Vorschlag zum verstärkten Marketing über elektronische Kanäle und zur Kundenbindung rennen die Experten offene Türen ein. So ist nach Verwaltungsangaben die Programmierung für Smartphones für 2014 geplant, und die Internetseite werde permanent optimiert. Gute Resonanz gebe es auf den Test, Newsletter-Abonnenten für eine nicht gut verkaufte Vorstellung Sonderpreise bei der Buchung über das Internet anzubieten.

Richter und Köhn loben, das Angebot Hamelns im Bereich Kinder- und Jugendtheater sei „beispielhaft gut“. Die Nachfrage übersteige das Platzangebot bei Weitem. Die Einnahmen ließen sich nur noch steigern, wenn ein Spielort mit höherer Kapazität genutzt würde. Der Gedanke, in der frei werdenden Kaserne oder an anderer Stelle ein Kinder- und Jugendtheater zu etablieren, ist aus Sicht des Theaters weiterzuverfolgen. Auch die Einschätzung, für ein Kinder- und Jugendtheater mit eigenem Standort und entsprechendem Rahmenprogramm seien Förderer zu finden, wird von den städtischen Kulturverantwortlichen geteilt. Dass sich dies günstig auf den städtischen Haushalt auswirken könnte, daran glaubt aber offenbar niemand, im Gegenteil: Es seien noch höhere Kosten zu befürchten. Ohne zusätzliches Geld sei auch die „wünschenswerte Ausweitung der Zusammenarbeit mit Schulen“ nicht zu leisten. Einige Abendvorstellungen werden derzeit zur Hälfte und mehr von Klassen der derzeit vier Partnerschulen besucht. Dadurch ergeben sich Einnahmeausfälle von bis zu 20 Euro pro Eintrittskarte, denn die Schüler bezahlen pauschal 6 Euro. Ein Vorstoß, Geld vom Landkreis oder Land für die kulturelle Bildungsarbeit des Theaters Hameln einzuwerben, wird zwar als begrüßenswert angesehen, erscheint jedoch den Beteiligten als nicht aussichtsreich.

Die Gutachter empfehlen, Quartalsberichte zur Situation des Theaters zu erstellen. Doch Auswertungen, die Aufschluss über den Deckungsbeitrag durch die Eintrittsgelder geben, werden laut Verwaltung bereits erstellt. Quartalsberichte brächten „keinen nutzbringenden Erkenntnisgewinn“.

Ursprünglich hatte die Stadt auf Initiative der Mehrheitsgruppe sechs Fachbüros zur Abgabe eines Angebots für ein Gutachten zum Hamelner Theater aufgefordert. Zu einem Honorar von 10 000 Euro wollte aber niemand tätig werden. Deshalb wurde der Auftrag abgespeckt und ans Büro „Richter Beratung Osnabrück“ vergeben.

Der Verwaltungsausschuss wird sich am 5. Februar mit der Expertise befassen. Am 19. März ist die Zukunft des Theaters dann Thema in der Ratssitzung.



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