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Verfahren eingestellt / Zusammenhang zwischen Krebs und Holzschutzmittel nicht nachweisbar

„Keine Anhaltspunkte für eine Straftat“

Hameln (ube/CK). Es ging um den Verdacht „der schweren Gefährdung durch Freisetzen von Giften“ im historischen Rattenfängerhaus an der Osterstraße. Die Ermittlungen richteten sich gegen nicht namentlich benannte verantwortliche Mitarbeiter der Stadt Hameln. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte sie von Amts wegen eingeleitet, nachdem die Dewezet über eine Krebserkrankung der Pächterin Christina Hartlieb-Fricke berichtet hatte. Die Hamelnerin hatte seinerzeit einen Zusammenhang zwischen ihrer Erkrankung und Schadstoffen, die aus den mit Holzschutzmitteln behandelten Balken entwichen waren, vermutet. Gestern teilte Staatsanwältin Kathrin Söfker auf Anfrage der Dewezet mit: „Das Verfahren ist eingestellt worden, weil ein Zusammenhang mit der Erkrankung einer Bewohnerin des Rattenfängerhauses und den Ausgasungen von PCP und Lindan nicht feststellbar war.“ Es hätten sich keine Anhaltspunkte für eine Straftat ergeben.

veröffentlicht am 17.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 04:41 Uhr

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Christina Hartlieb-Fricke kommentiert das so: „Das ist für mich eine überraschende Kehrtwende der Beurteilung des Zusammenhangs zwischen der Schadstoffbelastung und meiner Gesundheit, da alle ärztlichen Untersuchungen dieses vermutet hatten.“

Die Staatsanwaltschaft hatte das Gewerbeaufsichtsamt und ein Umweltinstitut beauftragt, die Causa Rattenfängerhaus eingehend zu prüfen. Die Experten seien übereinstimmend zu dem Schluss gekommen, dass nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden kann, dass der Nasenkrebs und die Atemwegserkrankungen, an denen die Frau leidet, durch Ausdünstungen verursacht wurden, sagte Söfker. Zudem gibt es laut Umweltinstitut „keine ausreichenden Belege für eine Krebsentstehung bei Menschen durch Lindan“. Wie bereits mehrfach berichtet, war das Rattenfängerhaus, ein im Jahre 1982 aufwendig saniertes Gebäude im Herzen der Hamelner Altstadt, offensichtlich durch Lindan- und PCP-haltige Holzschutzmittel, die inzwischen längst verboten sind, verseucht. Aber: Die Pächter, Christina Hartlieb-Fricke und Karl-Heinz Fricke, die auch die obere Etage des Gebäudes bewohnen, wurden erst einen Monat, nachdem entsprechende Messergebnisse vorlagen, informiert.

Auf Betreiben der Pächterin – sie war im Jahr 2010 an Krebs erkrankt – hatte die Stadt Hameln als Eigentümerin der Immobilie ein Fachbüro aus Garbsen mit der Untersuchung der Wohnung beauftragt, die über dem im Erdgeschoss befindlichen Restaurant liegt. Das Ergebnis war eindeutig: Von „deutlichen bis sehr hohen Belastungen“ sprach seinerzeit der städtische Sprecher Thomas Wahmes. Und die 45-jährige Pächterin argwöhnte, dass der bei ihr diagnostizierte seltene Nasenkrebs damit in Verbindung stehen könnte. Das Ergebnis der Kontrollen allerdings schmorte rund vier Wochen im Rathaus und war der Familie erst auf Nachfrage und dann auch nur unvollständig mitgeteilt worden. Auch die Politik hatte erst aus der Dewezet von den Belastungen erfahren. Nachdem das Ergebnis vorlag, hatte die Stadt Hameln im Vorjahr eine Spezialfirma mit der Sanierung des Restaurants und der Wohnung und einige Monate später noch einmal das Bremer Umweltinstitut mit einer weiteren Untersuchung beauftragt. Das Ergebnis, wie es die Fachleute aus dem Norden damals zusammenfassten: Die Sanierung war offenbar erfolgreich, das historische Rattenfängerhaus ist wieder schadstofffrei.

Belastet und später saniert: das Rattenfängerhaus. Der Verdacht der schweren Gefährdung durch Freisetzen von Giften hat sich nicht erhärtet.



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