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Polizist versichert: Kakerlaken-Foto ist echt / Kasernen-Küche – keine Anzeichen für Schädlingsbefall

„Kein Zweifel an der Aussage“

Hameln. Die Kasernen-Küche wurde am Dienstag von Lebensmittelkontrolleuren des Landkreises inspiziert. Hinweise auf Schädlingsbefall konnten nicht entdeckt werden, hieß es. Der Polizist, der das Foto, auf dem ein Teller mit einer Mahlzeit und einer Kakerlake zu sehen ist, gemacht hat, versichert die Echtheit des Bildes.

veröffentlicht am 26.04.2016 um 20:28 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 11:21 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann und Frank Henke
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Hameln. Nachdem die Deutsche Polizeigewerkschaft Bayern Fotos veröffentlicht hat, die unter anderem eine stark verschmutzte Nasszelle und einen Teller mit einer warmen Mahlzeit und einer Kakerlake zeigen, geht es in den sozialen Netzwerken hoch her. Während die einen die Hygienemängel skandalisieren, zweifeln die anderen an, dass diese Bilder in der Linsingen-Kaserne aufgenommen wurden. Landrat Tjark Bartels hatte am Montag von einer Unverschämtheit gesprochen und gesagt: „Solche Zustände gibt es dort nicht. Die Küche in der Linsingen-Kaserne arbeitet mit hohen Hygienestandards und ist einwandfrei.“

Das seit September 2015 mit der Reinigung der Treppenhäuser, Flure, Toiletten, Duschen, Arbeitsräume und der Mensa beauftragte Unternehmen teilte gestern auf Anfrage der Dewezet mit: „Unsere Mitarbeiter haben in dieser Zeit weder Kakerlaken noch Ratten oder Mäuse gesehen.“ Für die Küche sei man jedoch nicht zuständig – diese werde vom DRK gereinigt, sagte der Inhaber des auf Gebäudereinigung und Schädlingsbekämpfung spezialisierten Betriebs. Es sei gut möglich, dass die Schabe mit einer größeren Lieferung Spinat eingeschleppt worden sei. Die Landkreisbehörde schickte gestern ihre Lebensmittelkontrolleure in die Großküche. Man habe alles gründlich untersucht, sogar die Versorgungs- und Kanalschächte inspiziert, sagte Behördensprecherin Sandra Lummitsch. „Es gibt keine Anzeichen für Schädlingsbefall. Die Küche ist in einem einwandfreien hygienischen Zustand.“ Auf Facebook schrieb ein Mann, der offenbar in der Kasernenküche arbeitet: „Es wurde nicht extra für die Kontrolle geputzt. Wir reinigen alle Bereiche mehrmals täglich.“ Und: „Kakerlake im Essen??? Ich persönlich schließe das aus.“

Die Dewezet hat sechs Flüchtlinge, die in der Kaserne gewohnt haben, befragt. Bis auf zwei, die von dreckigen Toiletten und einem insgesamt eher schmutzigen Camp sprachen (Verursacher seien aber nur einige wenige Bewohner gewesen), haben die übrigen Schutzsuchenden übereinstimmend von einer „sehr sauberen“ Unterkunft berichtet. Ein Mann verglich die Linsingen-Kaserne sogar mit einer Vier-Sterne-Unterkunft: „Saubere Bettwäsche, saubere Bäder, gutes Essen.“ Von einem Schädlingsbefall hat niemand etwas erzählt. Ein Mitarbeiter der Familien-Erstaufnahmeeinrichtung äußerte gegenüber der Dewezet Zweifel an dem Kakerlaken-Foto. Das Gesundheitsamt habe gerade erst bestätigt, dass, seitdem die Einrichtung betrieben wird, „nicht eine Kakerlake in den nach Vorschrift angebrachten Ködern war“. Zudem seien von den 400 Zimmern „nur einige wenige wirklich schmutzig“ gewesen, „weil vergessen wurde, sie zu reinigen“.

Dreckige Zimmer sollten verschlossen bleiben

Der Polizeibeamte, der das Foto von der Schabe auf dem Teller gemacht hat, ist gestern auf Bitten der Dewezet von Vertretern der Deutschen Polizeigewerkschaft befragt worden. „Er hat mir glaubhaft versichert, dass diese Kakerlake auf seinem Teller war und er das Foto in Hameln selbst aufgenommen hat“, berichtet Hermann Benker, Landesvorsitzender der DPolG Bayern. „Ich habe absolut keinen Zweifel an der Aussage des Kollegen“, sagt der Polizeioberrat.

Fakt ist: Das Bild, das eine stark verschmutzte Nasszelle zeigt, ist definitiv in der Hamelner Kaserne aufgenommen worden. Das hat der Chef der Reinigungsfirma bestätigt. Er hat die Dreckecke gesucht und gefunden – stellt jedoch klar: „Es handelt sich um einen ehemaligen Duschraum, der als Abstellkammer genutzt wurde.“

Bis Freitag waren nach Firmenangaben 18 Reinigungskräfte in der Linsingen-Kaserne im Einsatz. Danach wurde die Mannschaft verkleinert. Derzeit arbeiten dort zehn Personen.

Den Auftrag, die 400 Zimmer zu reinigen, habe er etwa 14 Tage vor Einzug der Polizeibeamten erhalten, erzählt der Unternehmer. Etwa 20 Zimmer habe man in der Kürze der Zeit nicht mehr rechtzeitig putzen können. Sein Vorarbeiter habe das dem für das Belegungsmanagement in der Unterkunft verantwortlichen Mann mitgeteilt. „Die Räume waren auch nicht für die Unterbringung vorgesehen. Die Türen sollten eigentlich abgeschlossen worden sein.“

Die DPolG Niedersachen nahm gestern noch einmal zu dem Vorfall in der Kaserne Stellung. „Wir müssen die Abnahmen der Unterkünfte verbessern. Eine stichprobenartige Überprüfung reicht offensichtlich nicht“, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Alexander Zimbehl. „Die DPolG wird in den nachbereitenden Gesprächen mit den Verantwortlichen dieses Thema aufgreifen und für die Zukunft Verbesserungen anmahnen.“

Ohne Wissen und Zustimmung der DPolG Niedersachsen seien öffentlich Rücktrittsforderungen an einzelne Verantwortliche gerichtet worden. Davon distanziere sich die Gewerkschaft. „Das ist nicht unser Stil. Wir wollen, dass Unzulänglichkeiten zukünftig abgestellt werden. Der Dienst ist anstrengend genug. Da müssen die Rahmenbedingungen passen“, meinte Zimbehl.



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