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Siebte Klassen schauen in die Röhre, weil Lehrer an anderen Schulen unterrichten müssen

Kein Sport am Vikilu

Wieder einmal müssen die Gymnasiallehrer an anderen Schulen aushelfen. Für die eigene Schule bedeuten die Abordnungen viel Stundenausfall und Geschiebe im Stundenplan. Besonders hart es in diesem Halbjahr das Vikilu getroffen.

veröffentlicht am 17.02.2019 um 16:10 Uhr

Schon wieder müssen die Gymnasien Lehrer an andere Schulen „ausleihen“ – sogar noch mehr als im letzten Halbjahr. Besonders betroffen ist die Vikilu. foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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HAMELN. Seit eineinhalb Jahren müssen die Gymnasien Lehrer an Grund-, Ober- und Realschulen „ausleihen“, weil dort sonst die Unterrichtsversorgung massiv gefährdet wäre. Auch in Hameln gibt es deshalb im zweiten Schulhalbjahr wieder die sogenannten Abordnungen, zu denen das Kultusministerium die Schulen zwingt.

Besonders getroffen hat es diesmal das Viktoria-Luise-Gymnasium (Vikilu) und das Albert-Einstein-Gymnasium (AEG). Das AEG muss 60 Stunden für die Dauer von 1,5 Jahren an die Wilhelm-Raabe-Schule abordnen, das Vikilu sogar 75 Stunden, das entspricht dem Zweieinhalbfachen der bisherigen Abordnungen. Anders ausgedrückt: Es fehlen acht Prozent der gesamten Lehrstunden. Das hat zur Folge, dass der Sportunterricht für die siebten Klassen in diesem Halbjahr entfällt. Der Förder- und AG-Bereich ist ebenfalls betroffen. Die Lehrer des Vikilu müssen an der Pestalozzischule, der Klütschule, den Grundschulen im Sünteltal und in Aerzen unterrichten.

„Das ist alles andere als schön“, sagt Holger Stöcker, Vorsitzender des Elternrats des Vikilu. Der Vorwurf gehe aber nur in eine Richtung: nach Hannover. „Wir sprechen hier über verfehlte Landespolitik“, sagt Stöcker. Ausbaden müssten es die Lehrer und Schüler vor Ort. Der Schulleitung, die transparent mit der Situation umgegangen sei, spricht er ein Riesenlob aus: „Dort wurde Tag und Nacht am Stundenplan gearbeitet, so dass jetzt zumindest keine Pflichtfächer ausfallen.“

Beim AEG ist nach Aussage von Schulleiter Christian Schmidt vor allem der AG- und Förderbereich betroffen. Ich habe Verständnis für die Maßnahme, weil die Abordnungen der Gymnasien momentan alternativlos sind, um die Unterrichtsversorgung in den Schulen zu stabilisieren“, sagt er.

„Wir waren schon überrascht über die Höhe der Abordnungen“, sagt die stellvertretende Schulleiterin des Vikilu, Maria Bergmann. Sie hofft, dass ihre Schule im Sommer mehr Zuweisungen vom Land bekommt. Besonders in den Fächern Mathematik und Kunst fehlten Lehrer.

Das Schiller-Gymnasium, das im letzten Schuljahr mit 90 Stunden massiv betroffen war, kommt mit 48,5 Stunden und ohne dass im Halbjahr vertragsgemäß neu abgeordnet werden muss, glimpflich davon, ebenso die IGS (11 Stunden).

Massive Kritik an den erneuten Abordnungen kommt vom Verband der Elternräte der Gymnasien in Niedersachsen. „Wie können wir einem Minister vertrauen, der uns ein Ende der Abordnungen verspricht, diese dann zum zweiten. Schulhalbjahr für viele Gymnasien noch erhöht?“ fragt Dr. Hartwig Jeschke, Vorsitzender des Verbandes. Er kritisiert, dass das Ministerium seit Langem verweigere, die statistischen Zahlen in Relation zur tatsächlichen Unterrichtsversorgung zu setzen um aufzuzeigen, wieviele Stunden an den Schulen ausfallen.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne räumt ein, dass Zahl der Abordnungen gestiegen sei, dennoch habe sie gegenüber dem Vergleichszeitraum vor einem Jahr um 2450 Stunden reduziert werden können, sagte der Kultusminister in der HAZ. Tonne erklärte, auf dem Arbeitsmarkt gebe es weiterhin sehr viele Bewerber für das Lehramt am Gymnasium und zu wenige für die Haupt-, Real- und Oberschulen. Das Kultusministerium werde daher einige Stellen, die für diese Lehrämter geplant waren, aber nicht besetzt werden können, an die Gymnasien verlagern. Diese würden dann auch künftig Lehrer an andere Schulformen abordnen müssen.



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