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Das Traditionsgeschäft gab es seit 1961 am Pferdemarkt

Kein Scherz: Jesenko schließt

HAMELN. Seit 1961 sind hier unzählige Scherzartikel, Feuerwerkskörper und Souvenirs über den Tresen gegangen – Jesenko am Pferdemarkt mit dem teils sehr skurrilen Angebot gehörte zum Hamelner Stadtbild wie kein zweites Fachgeschäft. Jetzt schließt der kleine Scherzartikelladen für immer.

veröffentlicht am 03.04.2018 um 08:34 Uhr

Bis Ende der vergangenen Woche hatte Jesenko noch geöffnet. Foto: Dana
Karen Klages

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Karen Klages Reporterin zur Autorenseite
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Über die Gründe schweigt Manfred Jesenko; es fällt ihm schwer, darüber zu sprechen. Ein bisschen was erzählt der Geschäftsführer dann doch noch („Ich habe das Geschäft von meinem Vater übernommen, bin seit Mitte 2000 selbstständig“); lächelt sogar, als er darauf angesprochen wird, wie viele Generationen Hamelner hier schon eingekauft haben. Sein Opa hatte ursprünglich ein Fachgeschäft für Papier- und Bürobedarf gegründet. In den 70ern veränderte sich unter Manfred Jesenkos Vater Lothar das Warensortiment: Geschenk- und Scherzartikel rückten in den Vordergrund.

Auch die Dewezet war schon unzählige Male in dem kleinen Scherzartikelladen – jedes Jahr zu Silvester für die Knaller-Geschichte. Jesenkos Kundschaft fragte nach Raketen-Sortimenten und -Batterien ebenso wie nach Knallerbsen, Tischbomben und Wunderkerzen. Manfred Jesenko wusste genau, was seine Kunden wollen: „Wer Raketen zünden möchte, nimmt meistens auch noch ein paar harmlosere Artikel mit.“ Fingerspitzengefühl war Voraussetzung für seinen Job: Denn Ladenhüter brauchte er nicht, sondern Artikel, die nachgefragt wurden. „Für abgehackte Plastikhände und -füße habe ich keine Klientel“, sagte er einst. Für Masken dagegen schon. Da gab es den Dauerbrenner „Ghost Face“ aus dem Kinoschocker „Scream“ oder Michael Myers Gummifratze mit den toten Augen. Vor allem Blut war immer gefragt: „Alles, was nach Zombie oder Vampir aussieht, kommt zu Halloween gut an“, so Jesenko. War er doch auch erster Ansprechpartner, wenn die Grusel-Zeit wieder anstand. Oder Karneval. Doch die Internet-Konkurrenz machte ihm mit den Jahren zu schaffen: „Und auch, dass die Briten auf dem Rückzug sind. Die waren meine besten Kunden.“ Feierten sie doch nach ihren Einsätzen oft Motto-Partys und kauften bei Jesenko ein. Seiner Meinung nach hätten die Engländer den richtigen Humor für Scherzartikel. Die singende Forelle, einst auch von der Queen geliebt, war in verschiedenen Versionen eine Zeit lang bei Jesenko ein Verkaufsschlager.

Lustige Schilder, Masken, Hüte, Brillen, Perücken, Herren- und Vereinsartikel, T-Shirts mit witzigen Aufdrucken, Kaffeebecher oder die Uhr, die links rum läuft – bei Jensenko gab es nichts, was es nicht gibt. Auch das Geschäft mit den Souvenirs boomte: von der Brotratte bis zur Flöte, von Gläsern, Krügen, Tellern und Anstecknadeln bis hin zu Länderflaggen.

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In den letzten Tagen wurden noch die restlichen Waren verkauft: Darunter waren vor allem Geschenkartikel. Foto: kk

Was nie zu kurz kam: der Spaß. So stand die Ketchup-Flasche immer griffbereit an der Kasse. Auf Druck „spritzte“ ein Wollfaden heraus, der bei den Kunden meist für Gelächter sorgte. Scherze trieb Jesenko aber nicht mit jedem: „Man entwickelt ein Gespür dafür, mit wem es geht und mit wem nicht“, sagte er einst. Jetzt ist der Spaß vorbei.



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