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Viele Flüchtlinge in Jugendeinrichtung

Kein Platz mehr im Wendepunkt

Der Wendepunkt – seit 2013 ein Eigenbetrieb des Landkreises – ist derzeit nahezu vollkommen ausgelastet. Ist diese Nachricht an und für sich erfreulich, heißt das allerdings auch, dass mehr Kinder und Jugendliche Probleme im Elternhaus haben und einen sicheren Zufluchtsort brauchen.

veröffentlicht am 24.04.2016 um 18:10 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 11:41 Uhr

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Autor:

Svenja-A. Möller
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Hameln. „Im Moment haben wir viele Anfragen, aber es sind alle Plätze belegt“, erklärt Eckard Witte. Seit Juli 2012 leitet er die Jugendhilfe Einrichtung Wendepunkt. Anfragen würden aus Hameln aber auch Hannover, Delmenhorst, Goslar und Northeim eingehen. Natürlich würde man immer versuchen, allen eine Möglichkeit anzubieten. „Aber zuerst sind wir für den Landkreis Hameln-Pyrmont und die Kinder hier vor Ort zuständig. Wir wollen die Kinder ja vor Ort betreuen können und sie nicht entwurzeln“, sagt Witte.

Im Wendepunkt werden stationäre und ambulante Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche zur Verfügung gestellt. Ziel ist es, den Jugendlichen bei Problemen und in Notsituationen unter die Arme zu greifen, ihnen Hilfsmöglichkeiten zu bieten und eine Orientierungshilfe zu leisten.

Dies geschieht zum Beispiel in zwei Kinder- und Jugendwohngruppen. Oder aber in der Inobhutnahme. Diese Gruppe mit bis zu acht Plätzen leistet Hilfe in akuten Situationen. „In eskalierenden Situationen. Wenn Mutter und Vater in ihrer Rolle überfordert sind“, sagt Witte. Oder aber wenn Eltern, aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht so für ihre Kinder sorgen können, wie sie es sollten. Manchmal sei leider auch häusliche Gewalt im Spiel. „Manche Kinder werden auch mitten in der Nacht von der Polizei gebracht“, weiß Witte. In 2015 sei das etwa achtmal der Fall gewesen. In der Inobhutnahme finden die Kinder und Jugendlichen Schutz und erhalten Hilfe, um die aktuelle persönliche Krisensituation zu meistern. Insgesamt sei die Auslastung bei der Inobhutnahme recht hoch. Lag sie 2014 bei 95,6 Prozent, stieg sie in 2015 auf 98,4 Prozent. „Hier ist auffällig, dass wir deutlich mehr 16- bis 18 Jährige hatten. In 2015 ein Plus von 22,4 Prozent“, erklärt Witte. Jungen und Mädchen würden sich da die Waage halten.

Vermehrt minderjährige unbegleitete Flüchtlinge

in der Inobhutnahme

Auffällig sei auch, dass die Inobhutnahme im letzten Jahr vermehrt von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Anspruch genommen wurde. Lag die Anzahl der Aufnahmen 2014 bei 97 Personen, machte die Anzahl der Flüchtlinge dabei 7,2 Prozent – also 7 Personen – aus. 2015 wurden in der Inobhutnahme 85 Menschen betreut. 17 von ihnen waren unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Mit 20 Prozent hat der Anteil der Flüchtlinge also deutlich zugenommen – Tendenz laut Witte steigend. „Bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen gestalten sich die Anschlussverfahren schwierig“, sagt Witte. Denn natürlich sei das übergeordnete Ziel immer die Rückkehr zur Familie oder zu Verwandten –, was bei den Flüchtlingskindern nicht möglich ist.

Dadurch würde sich teilweise auch die Verweildauer ausdehnen. „Wir haben zwar weniger Kinder aufgenommen, dafür blieben sie im Schnitt aber auch 82 Tage länger“, so Witte. Zwar bleiben nur etwa 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen 90 Tage oder länger, doch seien das leider oft die minderjährigen Flüchtlinge. Sie seien schwierig „weiterzuvermitteln“, so Witte. Dennoch würde man sich natürlich darum bemühen. Manche der jungen Flüchtlinge kämen dann auch in einer der Kinder- und Jugendwohngruppen unter. Hier können pro Gruppe bis zu acht Personen aufgenommen werden. Derzeit seien vier Flüchtlingskinder dort untergebracht. Freudig berichtet Witte von einem jungen Flüchtling, der sich wunderbar in die Wohngruppe integriert hätte.

„Er spricht so toll Deutsch. Er wird wahrscheinlich hier sein Abitur machen können“, sagt Witte.

Mit 20 Prozent hat der Anteil der Flüchtlinge deutlich zugenommen sagt Eckard Witte, Leiter der Jugendhilfe-Einrichtung, Tendenz steigend.

Foto:sak



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