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Verhärtete Fronten und die Suche nach Lösungen

Kein Mittagessen im Waldkindergarten: Eltern und Stadt an einem Tisch

HAMELN. Nach der Bekanntgabe, dass es im Waldkindergarten kein Mittagessen mehr geben wird, haben sich die Fronten verhärtet. Der Kindergarten will Eltern informiert haben. Dies wird von den Betroffenen verneint. Ein Gespräch der beiden Parteien soll nun Klarheit schaffen und Lösungsvorschläge bringen.

veröffentlicht am 04.08.2016 um 16:29 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:47 Uhr

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Autor:

Christian Vogelbein
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Die Sommerferien sind zu Ende. Wie von der Stadt angekündigt, wird es ab sofort kein Mittagessen im Hamelner Waldkindergarten mehr geben. Grund: Der logistische Aufwand für die Betreuer sei zu groß. Die Eltern haben sich schon im Vorfeld darüber beschwert (wir berichteten). Hinzu kommt ein weiterer Streitpunkt. Denn die Stadt will alle Eltern ausreichend informiert haben. Die zeigen sich über diese Aussage allerdings irritiert. „Wir wurden in die aktuelle Diskussion keineswegs mit einbezogen. Es hat kein Elternabend stattgefunden, die Elternvertreter wurden nicht in Kenntnis gesetzt und auch im Rahmen der Elternbeiratsversammlung im Februar wurde das Thema nicht angesprochen“, betont die Elternschaft in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Demnach wurden nur die Eltern informiert, die ihre Kinder bereits seit längerer Zeit im Kindergarten untergebracht haben. Und auch hier wurde nur „in Kenntnis gesetzt“, nicht aber diskutiert.

Rückblick: Seit Jahren bietet der Hamelner Waldkindergarten den Kindern mittags eine warme Mahlzeit. Hierfür wurde eigens ein Caterer beauftragt, das Essen zu liefern. Portioniert und serviert wurde anschließend von den Betreuerinnen. Zu Anfang haben nur wenige Kinder das Angebot angenommen. Inzwischen greifen laut Stadt alle 25 Kinder auf das Angebot zurück. Zu viel Aufwand für zwei Betreuerinnen, so die Begründung der zuständigen Verwaltung. Die Aufsichtspflicht sei nicht mehr gewährleistet. Also wird das freiwillige Service-Angebot gestrichen. Die Eltern aber wollen die warme Mahlzeit am Mittag für ihre Kinder unbedingt.

Die Begründung für ihre Hartnäckigkeit ist einfach: „Die Kinder bewegen sich im Wald deutlich mehr als Kinder in Regelgruppen, auch kann es im Winter durchaus kalt werden. Sollte es da nicht selbstverständlich sein, dass Kinder mittags etwas Warmes zu Essen erhalten?“

Tatsächlich ist die Stadt nicht dazu verpflichtet, eine Mittagsmahlzeit anzubieten. „Das ist eine freiwillige Zusatzleistung“, hieß es dazu auf Nachfrage bei der Stadt. Und die sieht deshalb jetzt die Eltern in der Pflicht. Der Vorschlag: Vorkochen und den Kindern selber Essen mitgeben. Die Eltern jedoch bezweifeln, dass dadurch die Betreuerinnen wirklich entlastet werden. „Die Erzieherinnen müssen dann den Kindern dabei behilflich sein, die nicht einfach zu bedienenden Gefäße zu öffnen, die Komponenten zusammen zu geben, nach dem Essen alles wieder zu verschließen und darauf Acht geben, dass jedes Kind sein eigenes Gefäß mit nach Hause nimmt“, erklären die Eltern. Und sehen die Mehrbelastung jetzt bei sich. Immerhin, so die Begründung, seien viele der Eltern selber berufstätig und müssten jetzt noch am Vorabend und am Morgen Essen kochen. Für Entlastung sorgen könnten nach Ansicht der Eltern da schon eher die beiden Bundesfrewilligendienstler, die die Kindergarten-Betreuerinnen noch bis Oktober gemeinsam und über das Jahr hinaus mit einer Stelle unterstützen.

Viele sehen sich sogar getäuscht. Hätten sie vor der Anmeldung schon gewusst, dass es kein Mittagessen geben würde, hätten sie sich wohl für eine andere Einrichtung entschieden. Zum Wohle des Kindes, aber auch mit Blick auf die eigene Arbeitszeit. Deshalb richten sich die Eltern zunächst geschlossen an die Verwaltung – und stehen trotzdem weiterhin hinter dem Kindergarten: „Es wäre sehr schade, wenn ein ansonsten vollkommen überzeugendes Kindergartenkonzept mit tollen Erzieherinnen für viele Eltern aus organisatorischen Gründen ausscheiden muss.“ Mit ihrem Anliegen haben sich die Eltern auch an Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese gewendet und ihm die Situation erklärt mit der Bitte, sie zur Chefsache zu erklären. Begründung: „Von uns initiierte Gespräche mit der Kindergartenleitung sowie der Stadt blieben erfolglos.“ Der personelle Engpass als Begründung erscheine den Eltern nicht plausibel.

Am Freitag wollen sich die Elternvertreter mit den Vertretern der Stadt im Rathaus treffen und besprechen, was schief gelaufen sein könnte und gemeinsam Lösungsvorschläge erläutern.



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