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Innenministerium macht Wasserschutzpolizei-Station Hameln dicht / „Das ist keine glückliche Entscheidung“

Kein Geld mehr für die Männer von der „Pamir“

Hameln. Ihr Revier ist 172 Kilometer lang und liegt in den Bundesländern Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Der Zuständigkeitsbereich der Wasserschutzpolizei-Station am Rosenbusch in Hameln reicht von Hannoversch Münden bis nach Eisbergen. Die drei Hamelner Spezialisten Hauptkommissar Lothar Moniac (55), Oberkommissar Wolfgang Reinking (48), Kommissar Bernd Bleibaum (53) und ihre beiden Kollegen, die nur am Standort Hannoversch Münden Dienst tun, sind derzeit auf Weser, Werra und Fulda tätig – aber wohl nicht mehr lange, denn: Das Innenministerium in Hannover will die Standorte Hameln, Oldenburg, Braunschweig, Papenburg und Norddeich schließen. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hat das mit Sparzwängen der Landesregierung begründet. 80 der 210 Stellen sollen bis 2014 wegfallen. Das entlaste den Landesetat um rund 3,3 Millionen Euro jährlich, heißt es. In Hameln geht mit der Schließung der WSP-Station eine Ära zu Ende: Bereits 1922 gab es in der Weserstadt eine Wasserschutzpolizei-Wache.

veröffentlicht am 06.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann
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Die Zeiten, wo das blau-weiße Streckenboot „W 9“, mit dem Funkrufnamen „Pamir“, das (noch) an der Schleuse festgemacht ist, von Hameln aus zu Einsätzen und Patrouillen startet, gehören schon bald der Vergangenheit an. Die erst im Jahr 2005 bezogene WSP-Wache am Rosenbusch wird aufgegeben. Am Dienstag wurde den Wasserschützern bei einer Vollversammlung in der Zentralen Polizeidirektion Hannover erklärt, was sich das Ministerium ausgedacht hat. „Wir werden einfach weggespart“, lautet das Fazit eines Beamten. „Wo wir künftig arbeiten wollen, sollen wir uns wünschen dürfen“, erzählt ein anderer – und kommentiert das mit den Worten: „Na toll.“ Sein Kollege sieht das so: „Wir sind aus Überzeugung Wasserschützer geworden. Viele von uns kommen aus Schifferfamilien. Jetzt sollen wir irgendwohin abgeschoben werden.“ Ein Wasserschutzmann sagt: „Die Stimmung ist total im Keller. Es macht keinen Spaß mehr.“

Da ist es kein Trost, wenn es heißt: „Die betroffenen Beamten werden weiterhin Verwendung finden, ein detailliertes Umsetzungskonzept gibt es aber noch nicht“, so die Sprecherin der Zentralen Polizeidirektion (ZPD) Hannover, Hauptkommissarin Sabine Hoffmann. Es müssten zunächst Gespräche mit jedem Einzelnen geführt werden, um gemeinsam eine „sozialadäquate“ Lösung zu finden. „Niemand wird gegen seinen Willen an einem Standort Dienst machen müssen“, sagt Sabine Hoffmann. Wie das Modell der Zukunft aussehen wird, weiß derzeit offenbar niemand so ganz genau. Für die heimischen Wasserschutzpolizisten gibt es zwei Optionen: Sie können – fern der Heimat – Dienst in anderen WSP-Wachen machen. Oder: Die Beamten wollen oder müssen in Hameln bleiben. Dann werden sie irgendwo in der Inspektion Hameln/Holzminden eingesetzt.

Und was ist, wenn die Wasserschutzpolizei in Hameln gebraucht wird? Bei Notfällen und für Kontrollen müssen Beamte aus Nienburg anrücken. „Und das dauert Stunden. Sicherheit sieht anders aus“, kommentiert ein WSP-Mann.

Im vergangenen Jahr gab es viel zu tun für die drei Männer von der Station Hameln. 249 Einsätze sind protokolliert. Im Jahr 2008 galt es 213 Fälle zu bearbeiten: Ein betrunkener Fahrgastschiff-Kapitän, der Untergang von zwei Motoryachten und Ölalarme sorgten ebenso für Schlagzeilen wie die Bergung von Wasserleichen und die Rettung von drei Menschen, die in die Weser gefallen waren.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) bedauern die Standortschließung der Wasserschutzpolizei in Hameln. „Wir sehen darin fachlich eine grundlegend falsche Entscheidung für die Organisation und die Aufgabenwahrnehmung der wasserschutzpolizeilichen Tätigkeiten. Auf der Weser in Hameln wird es zukünftig deutlich weniger wasserschutzpolizeiliche Präsenz geben“, sagt der GdP-Kreisgruppenvorsitzende Ralf Hermes – und ergänzt: „Es handelt sich um eine Sparmaßnahme, die auch den allgemeinen Polizeidienst am Standort in Hameln betrifft, denn: Zum 1. Oktober wurden in Niedersachsen 100 junge Polizisten weniger eingestellt als geplant, weil deren Stellen von dienstälteren Wasserschutz- und Hubschrauber-Polizisten besetzt werden sollen. Wenn also das Personal der Wasserschutzpolizei in die Fläche geht und auch am Standort Hameln für polizeiliche Aufgaben in der Kriminalitätsbekämpfung, Einsatzabwicklung oder Verkehrsüberwachung zuständig wird, dann übernehmen Kollegen, die in der Regel über 50 Jahre alt sind, Tätigkeiten, die ansonsten von jungen Nachwuchskräften wahrgenommen worden wären. In einer Polizei, die gleichfalls mit dem demografischen Wandel kämpft, ist das – ohne einzelnen Kollegen damit zu nahe treten zu wollen – keine glückliche Entscheidung.“

Ähnlich argumentiert der Vorsitzende des Direktionsverbandes der DPolG, Christian Wulf: „Sollten die Kollegen der Wasserschutzpolizei demnächst auf einer Bundesstraße stehen und Lastwagen kontrollieren müssen, führt das dazu, dass die eigentlichen Aufgaben der Wasserschutzpolizei im Binnenland nicht mehr zeitnah wahrgenommen werden können.“

„Pamir 5-11-15“ auf Patrouillenfahrt in Hameln – das wird es in Zukunft nicht mehr geben. Die Station der Wasserschutzpolizei soll dichtgemacht, das Boot abtransportiert werden.

Foto: ube



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