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Fußgängerzonen-Anlieger sind vom Verhalten der Verwaltung und den Politikern enttäuscht

Kein Entgegenkommen der Stadt in Sicht

Der Pferdemarkt vom Haus der Kirche aus gesehen – wenn hier gebaut wird, werden Anwohner und Geschäftsleute vor allem in der Emmernstraße Lärm und Staub ausgesetzt sein. Foto: Dana

veröffentlicht am 08.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 13:41 Uhr

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Autor:

Brigitte Niemeyer
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Hameln. Das „Basta“ der Verwaltung ist freundlich verpackt: „Wir wollen gemeinsam mit Ihnen an Lösungen arbeiten und Ihnen auch Ängste nehmen“, begrüßt der städtische Fachbereichsleiter Ralf Wilde die rund 50 Anlieger, die der Einladung der Stadt zur Informationsveranstaltung über den ersten Bauabschnitt der Fußgängerzonen-Erneuerung ins Haus der Kirche gefolgt sind. Doch sowohl das Angebot als auch das angeblich angestrebte Ziel entpuppen sich in den zwei folgenden Stunden als Mogelpackung.

Wilde und Projektleiter Gunnar Hoppe vom ausführenden Unternehmen Kögel Bau ziehen an diesem Abend an einem Strang. Dabei übernimmt Hoppe nicht nur den Part, den geplanten Bauablauf zu erklären, sondern zählt auch die Gründe auf, die aus Sicht der Baufirma für die Abwicklung des Baustellenverkehrs allein über die Emmernstraße sprechen. Wobei er nicht unerwähnt lässt, „dass uns die Andienung durch die Emmernstraße laut Bauausschreibung vorgegeben wurde“. Und nennt dann die Vorteile dieser Lösung: mit 100 Metern sei die Emmernstraße die kürzeste Strecke; sie sei gut einsehbar, wodurch sich verhindern lasse, dass ein- und ausfahrende Lkw sich begegnen; die Abfahrt über die Baustraße auf den Kastanienwall sei problemlos; die Unfallgefahr gering. Alles das, so erläutert Hoppe anschließend, treffe weder auf Ritter- noch auf Oster- oder Bäckerstraße zu.

„Wenn man die Emmern-straße als Einfahrt und die Ritterstraße als Ausfahrt für die Baufahrzeuge nimmt, ist die Sicht kein Problem mehr, weil sich dann keine Fahrzeuge begegnen können“, wendet Anlieger Dieter Pfisterer ein. Eine überzeugende Erklärung, warum diese Alternative nicht in Betracht kommt, erhält er nicht. Die Fahrzeuge über die Ritter- auf die Baustraße zu leiten und dafür die Einbahnstraßenregelung im unteren Abschnitt der Baustraße aufzuheben – laut Wilde geht das nicht. Folglich müssten die Lkw über die vielbefahrene Kreuzung am Thiewall auf den Kastanienwall geleitet werden, was schon gar nicht gehe.

Dass sich die Verwaltung unter der gemeinsamen Suche nach Lösungen jedenfalls nicht die Suche nach Möglichkeiten zur Entlastung der Emmernstraße vorstellt, wird auch deutlich bei der Frage, wie der Lieferverkehr für die Geschäfte mit dem Baustellenverkehr unter einen Hut gebracht werden kann. Die klare Ansage des Bauunternehmens: „In Spitzenzeiten darf in der Emmernstraße nicht geparkt werden.“ Wobei Spitzenzeiten jene seien, in denen „20 bis 30 Baufahrzeuge am Tag“ durch die Emmernstraße fahren. Wilde möchte dieses Problem gern „in Absprache mit den Anliegern regeln“. Pfisterer interpretiert diese Absprache dahin gehend, „dass unsere Lieferanten also die Pakete schleppen sollen, damit es für sie einfacher wird“. Niemand widerspricht ihm.

Und was passiert, wenn in der Emmernstraße Autos parken? Gibt es dann eine Ausweichmöglichkeit für die Baufahrzeuge oder steht dann alles still, bis der Fahrer gefunden oder der Abschleppdienst alarmiert ist? „Da kümmern wir uns dann schon drum“, sagt Wilde zwar lächelnd, aber doch mit dem Unterton, der keinen Zweifel lässt, dass die Stadt solche Störungen – ob versehentlich oder absichtlich verursacht – nicht dulden wird.

„Es ist nicht in Ordnung, dass wir allein die ganze Belastung tragen sollen“, sagt nicht nur Geschäftsfrau Sabine Wiegrefe nach Ende der Veranstaltung. In kleinen Gruppen stehen die Menschen zusammen und bestätigen sich eher resigniert als zornig gegenseitig den Eindruck, den sie von diesem Abend mit nach Hause nehmen: Nämlich dass sie mit ihren Sorgen bei der Verwaltung auf taube Ohren stoßen und es „der Stadt völlig egal ist“, wie und ob die Geschäfte in der Emmernstraße 15 Monate Baustellenverkehr mit Staub, Lärm und Gestank überleben. Und enttäuscht sind sie auch, dass sich kein Politiker blicken ließ: „Die sollen doch eigentlich unsere Interessen vertreten.“

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