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Kehrtwende bei Baudenkmälern

Kauft Hameln bald historische Häuser an?

HAMELN. Die Altstadt ist wunderschön. Doch sie braucht Pflege, wenn es so bleiben soll. Nach der jahrzehntelangen Sanierung im letzten Jahrtausend macht sich die Stadt bereit für den nächsten Schritt. „Das Thema steht nächstes Jahr auf der Agenda“, sagt Erster Stadtrat Hermann Aden. Was nicht heiße, dass sofort losgeht.

veröffentlicht am 10.12.2018 um 10:54 Uhr
aktualisiert am 10.12.2018 um 19:10 Uhr

Das Schicksal der historischen Substanz scheint nicht jeden Eigentümer zu interessieren. Schlechte Beispiele wie dieses in der Großehofstraße sollen nach Aussage der Stadt nicht „virulent“ werden. Foto: wal
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Die Altstadt zu vernachlässigen, wäre wohl der größte Fehler, den die Stadt Hameln machen könnte. Ihr historisches Erbe ist schließlich ihr größtes Kapital. Dass es dennoch an allen Ecken rieselt, beschäftigt auch die Verwaltung und den Oberbürgermeister. Auf den ersten Blick mache die Altstadt in großen Teilen zwar immer noch einen guten Eindruck, so Stadtrat Hermann Aden, „aber wir müssen aufpassen, dass das nicht virulent wird“. Über die organisatorische und finanzielle Umsetzung denke Oberbürgermeister Claudio Griese bereits nach, sagt Aden. „Das Thema treibt uns seit etlichen Monaten um.“

Dass die Stadt als Sanierer und Eigentümer wieder mehr mitmischen will, ist neu. In der Vergangenheit setzte die Stadt eher auf den Verkauf von Gebäuden, die den städtischen Geldbeutel belasteten. Ein Beispiel ist das Domeierhaus an der Alten Marktstraße 17. Wie viele Häuser insgesamt verkauft wurden, kann Aden nicht sagen. Zur Kehrtwende gehört aber heute die Einsicht, dass sich ein Teil der Privateigentümer nicht so, wie erhofft, um den Erhalt der Häuser bemüht. Von Fehleinschätzungen möchte Aden dennoch nicht sprechen, die Erwartungen seien damals einfach andere gewesen.

Ein Haus, bei dem die Stadt in jüngster Vergangenheit fast zugeschlagen hätte, sei das „Jesenko-Hauses“ an der Emmernstraße/Ecke Pferdemarkt gewesen, sagt Aden. Für 400 000 Euro wurde es angeboten, rund zwei Millionen, so schätzt er, müsse man hineinstecken. Der Sanierungsbedarf sei hoch, der Standard aus den 1950er Jahren.

Die Stadt hatte über den Ankauf des Jesenko-Hauses ernsthaft nachgedacht. Nun ist es verkauft.
  • Die Stadt hatte über den Ankauf des Jesenko-Hauses ernsthaft nachgedacht. Nun ist es verkauft.

Neben der Fassade und dem Dach spielen auch der Grundriss, energetische Aspekte sowie Barrierefreiheit eine Rolle, denn wer vermieten will, muss modernen Standard bieten. Das gilt auch für die Obergeschosse, die in der Vergangenheit immer öfter leer blieben oder als Lagerraum für die Geschäfte dienten. Doch wer Wohnen anbieten will, muss auch für entsprechenden Brandschutz sorgen, und der ist in Fachwerkhäusern teuer.

Dennoch habe die Stadt über einen Kauf nachgedacht – immerhin ist das Haus eines der ältesten Baudenkmäler an prägnanter Stelle. Letztlich glaubt man, es nun in guten Händen. Am Ende sei es ein Abwägungsprozess. Und: „Der Haushalt holt uns dabei ein“ sagt Hermann Aden.

Die Häuser, um die sich die Stadt Gedanken macht, sind die, die anonymen Fondsgesellschaften oder zerstrittenen Eigentümergemeinschaften gehören und denen man den jahrzehntelangen Investitionsstau ansieht. Nicht selten sind sie durch Sanierungsfehler aus den 1970er, 80er und 90er Jahren gezeichnet. Damals verwendete man beim Anstrich oft fast luftundurchlässige Farben, unter denen sich Feuchtigkeit sammelte, die dann die Bausubstanz schädigte. Man sei damals auf die Versprechen der Bauindustrie hereingefallen. Inzwischen wisse man: Es gibt nichts Besseres als einen Leinölanstrich für das Holz der Fachwerkhäuser. Der ist teurer, aber auch nachhaltiger.

Die vorbereitenden Untersuchungen zum städtebaulichen Denkmalschutz, die Grundlage für das gleichnamige Förderprogramm sind, geben an dieser Stelle beispielhaft Einblick in die Problematik einzelner Häuser. Bei der Korrektur von Sanierungsfehlern habe die Stadt selbst umfangreiche Erfahrungen sammeln können, heißt es im Bericht.

Dass das Programm selbst erfolgreicher sein könnte, liegt wohl daran, dass die maximal 20 000 Euro Zuschuss meist nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Insgesamt 33 Maßnahmen wurden seit 2014 bezuschusst, und es sind noch einige 100 000 Euro zu vergeben.

Mein Standpunkt
Dorothee Balzereit
Von Dorothee Balzereit

Die stadteigenen Häuser zu verkaufen, war leichtfertig. Das historische Erbe zu wichtig, die Stadt lebt schließlich davon. Den Ankauf von Baudenkmälern auf die Agenda zu nehmen, ist deshalb der richtige Weg.



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