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Vorgeschmack auf Hamelns Jazzclub

„Kaufen Sie Lose!“

HAMELN. Im „Double Time“ am Hamelner Ostertorwall werden Liebhaber des Jazz im Herbst ein Zuhause finden. Am Mittwochabend gab es im Kunstkreis schon einmal einen Vorgeschmack.

veröffentlicht am 12.06.2019 um 22:49 Uhr

Jazz ist Genuss: Bálint Gyémánt (li.) und Veronika Harcsa begeistern rund 100 Jazz-Fans im Kunstkreis. Foto: mik

Autor:

michael krowas
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Pünktlich zum Konzertbeginn entschloss sich die Sonne widerwillig, nach einem grau-in-grauen Junitag den matschigen Himmel zu durchbrechen, als hätte sie gewusst, was kam: Sängerin Veronika Harcsa und ihr Gitarrist Bálint Gyémánt verschafften weit mehr als 100 Jazz-Enthusiasten im Kunstkreis einen wahrhaft sonnigen Abend.

Im Gepäck hatte Harcsa ihr zehntes Album, „Shapeshifters“, auf Deutsch „Gestaltwandler“. Die 35-jährige Sängerin gilt als Geheimtipp; nach Hameln geholt hat sie Jazz-Freak Boris Faehndrich. Schlagzeuger Faehndrich hat – gemeinsam mit Martin Mehnert, Julia Sonnenkalb und Andreas Janus, drei weiteren Jazzverrückten – für Oktober einen neuen Jazzclub angekündigt. Das gestrige Konzert stand unter dem Motto „Pre-Opening“. Und diese Vor-Eröffnung war ein echter Höhepunkt. „Kaufen Sie Tombolalose“, forderte Faehndrich die Gäste auf, „damit wir den Ausbau finanzieren können.“ Und dann stellte er die musikalischen Gäste des Abends vor.

Klein und zerbrechlich wirkt Veronika Harcsa, als sie die Bühne betritt – ihre Stimme ist das genaue Gegenteil. Sie fleht, schluchzt und schmeichelt, wenn sie ihre Balladen entwickelt. Unterstützt von Gyémánts beseeltem Spiel sorgt sie nach dem ersten Song für einen Moment des Innehaltens beim Publikum. Die stimmliche Bandbreite der Ungarin ist atemberaubend: Harcsa zitiert Künstlerinnen wie Janis Joplin oder Victoria Tolstoi – und lässt sie weit hinter sich. Gyémánt (übersetzt: Diamant) reicht ein einziges Effektgerät, um die unterschiedlichsten Klänge zu erzeugen. Mal hört er sich an wie Jan Akkerman, mal werden Erinnerungen an Steely Dan wach. Die beiden Künstler scheren sich nicht um Genregrenzen, sie spielen „Come Together“ von den Beatles und bringen die Zuhörer zum richtigen Mitklatschen (nämlich zweites und viertes Viertel eines Taktes), um danach eine Eigenkomposition anzustimmen, bei der es niemand wagt, Luft zu holen, aus Sorge, die leisen Töne zu verpassen.

Die Spannung im Publikum bleibt groß. Am Schluss jedes Liedes spendet es geradezu frenetischen Applaus. Diese Art Weltmusik hat man hier lange nicht gehört. Am Ende gibt es obendrein eine Hameln-Premiere: Das altehrwürdige „Summertime“ von George Gershwin wird zu einem perlenden Kabinettstückchen voller ungewöhnlicher Gitarrenwendungen.

Nach einer Stunde ist es vorbei, und nach lange tosendem Applaus verweisen Faehndrich und seine Mitstreiter noch auf Toni, der hinten im Raum die roten Tombolalose verkauft. Wenn im neuen Club mehr Musik in der Qualität von heute zu erwarten ist: Hauptgewinn.



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