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Wer fängt die Katzen ein?

Kastrations-Pläne stoßen auf Skepsis

HAMELN. Kastrationen gegen das „Katzenelend“ – in der Theorie klingt es schlüssig, was sich das Land, die Tierärztekammer und Tierschutzverbände ausgedacht haben: Vom 15. Januar bis zum 15. März können freilebende Katzen zur Kastration zu Tierärzten gebracht werden – und das Land Niedersachsen bezahlt. Wer die Katzen in der kurzen Zeit aber einfangen soll, sei überhaupt nicht klar, kritisiert Jörg Wechenberger vom Hamelner Tierheim.

veröffentlicht am 11.01.2018 um 18:18 Uhr
aktualisiert am 11.01.2018 um 20:03 Uhr

Das Land stellt 200 000 Euro stellt für die Kastration von Katzen zur Verfügung. Foto: dpa
Jens Spickermann

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200 000 Euro stellt das Land für die Kastrationen zur Verfügung, durch weitere Zuschüsse, beispielsweise durch den Tierschutzbund, kommen etwa weitere 50 000 hinzu. Laut Schätzungen des Deutschen Tierschutzbundes leben allein in Niedersachsen 200 000 wilde oder verwilderte Katzen, die oft abgemagert, verletzt und von Parasiten befallen seien. Damit es nicht noch mehr werden, sollen die Tiere unfruchtbar gemacht werden, bevor im Frühjahr die ersten Würfe zur Welt kommen.

„Wir können nicht wie ein Eismann durch den Landkreis fahren und Katzen fangen“, kritisiert Wechenberger. Doch auch die Stadt Hameln sieht sich dafür nicht zuständig: „Jagd auf Katzen werden wir nicht machen“, sagt Thomas Wahmes, Pressesprecher der Stadt. „Das würde ja voraussetzen, dass wir Mitarbeiter losschicken, die die einfangen.“ Ebenso wenig zuständig sei dafür der Landkreis, teilt dessen Pressesprecherin Sandra Lummitsch mit.

Doch wer wird dann die Katzen einfangen, damit die zweimonatige Aktion etwas bringt? Privatpersonen können die Tiere nicht direkt zum Tierarzt bringen, wenn diesem die Kosten durch das Programm erstattet werden sollen. Eine Ausnahme gilt für Personen, die nachweislich eine öffentliche Fütterungsstelle für wilde Katzen betreuen. Laut dem zuständigen Ministerium sind ansonsten nur Tierheime und Tierschutzvereine teilnahmeberechtigt.

Damit die zweimonatige Kastrationsfrist nicht ungenutzt verstreicht, bietet Wechenberger nun an, Bürgern Katzenfallen auszuleihen. Die gefangenen Tiere könnten dann zum Tierheim gebracht werden, das sich dann wiederum an die teilnehmenden Tierärzte wendet. „Wir hatten bisher vier Fallen und haben zehn weitere explizit für die Aktion zugekauft“, sagt Wechenberger.

Das Problem ist allerdings: Wie das mit der Vergütung der Kastrationen funktionieren soll, sei unter manchen Veterinären noch gar nicht bekannt, klagt eine Tierärztin, die namentlich nicht genannt werden will. „Das Ganze ist sehr bürokratisch, es müssen Anträge gestellt werden“. Wer eine Katze kastrieren lassen möchte, müsse sich zuerst an einen Tierarzt wenden, der dann einen Antrag bei der Tierärztekammer stellen müsse. Erst wenn dieser bewilligt wird, könne die Katze operiert werden, erklärt Tierärztin Dr. Christiane Höll. Der Vorgang ist also ziemlich bürokratisch.

Dass am Ende nicht besonders viele Katzen im Landkreis auf dem OP-Tisch landen, ist noch aus einem anderen Grund wahrscheinlich: Jede Kastration kostet zwischen 100 und 140 Euro. Bei 200 000 wilden Katzen in Niedersachsen wären also für maximal 2500 die OP-Kosten gesichert. Ob alle Tierärzte bei der Aktion mitmachen werden, ist indes noch nicht ganz klar. Nach ihrem Kenntnisstand wollen sich aber in Hameln-Pyrmont alle beteiligen, sagt Höll.

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