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Betreiberinnen Jung kämpfen dafür

Kann sich der Nahkauf in Tündern halten?

TÜNDERN. Die Betreiber des „Nahkaufs“ kämpfen nach eigener Aussage ums Überleben. Wenn sich bis September nicht wesentlich etwas ändere, müssten sie schließen, zeichnen Nora und Elvira Jung ein Szenario, das vor allem den älteren Tünderanern das Leben erheblich erschweren würde.

veröffentlicht am 20.11.2017 um 15:49 Uhr

Nora und Elvira Jung (v. re.) mit Ursula Wietbrauk und der Auszubildenden Cindy Räker machen sich für ihren Laden in Tündern stark. Um den Nahkauf zu erhalten, müssten nach Angaben der Jungs die Umsätze steigen. Foto: bha
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Die Apotheke ist weg, von zehn Läden ist noch einer übrig, von vier Bäckern und drei Fleischern ebenfalls einer: Vor 40 Jahren wies Tündern – wie so viele Orte – eine gänzlich andere Infrastruktur auf als heute und das, obwohl damals weniger Menschen dort leben als jetzt. Auch die Betreiber des „Nahkaufs“ kämpfen nach eigener Aussage ums Überleben. Wenn sich bis September nicht wesentlich etwas ändere, müssten sie schließen, zeichnen Nora und Elvira Jung ein Szenario, das vor allem den älteren Tünderanern das Leben erheblich erschweren würde.

„Wenn es so bleibt, wie es ist, wird’s knapp“, sagt Nora Jung (50). Zusammen mit ihrer Frau Elvira (44) betreibt sie in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) seit sieben Jahren den „Nahkauf“ an der Nordstraße. Langsam aber stetig seien seit 2015 immer weniger Leute gekommen und der Umsatz sei gesunken. Vor allem seit Oktober, hat Nora Jung festgestellt, sei es auffallend weniger geworden. Einen Zusammenhang sieht sie mit der Neueröffnung des Edeka-Marktes in Afferde. Auch nach Emmerthal fahren viele Tünderaner, wo sie mit Discountern und Supermarkt alles an einem Platz haben. Tündern ist mit dem Problem nicht allein: Deutschlandweit steigt die Anzahl der Warenhäuser, Supermärkte, Discounter, während es immer weniger Lebensmittelhändler gibt.

Weil die Menschen mobil sind, geht das, aber eben auch nur, so lange die Menschen mobil sind: „Ältere Leute sind darauf angewiesen, etwas im Ort zu haben“, sagt Ortsbürgermeisterin Elke Meyer, die persönlich immer mal wieder versucht, den Tünderanern ins Bewusstsein zu rufen, dass sie die noch vorhandene Infrastruktur nutzen müssen, wenn sie denn erhalten bleiben soll. „Ich sehe zu, dass ich im Ort immer was lasse“, sagt Meyer über ihre eigene Art, einzukaufen. Zwar kaufe sie auch woanders ein, aber im Tündernschen Laden eben auch. „Ich glaube, vielen ist gar nicht bewusst, dass wir den haben“, sagt Meyer vor allem mit Blick auf jene frischen Tünderaner, die in die Neubaugebiete ziehen.

Nora Jung wirbt derweil für die Waren und Services, die sie bereithalten: „Natürlich haben wir nicht das Sortiment, das ein Großer hat, wir sind ein Nah-Versorger. Aber wir haben auch Discount-Artikel“, sagt sie. Außerdem den Apotheken-Service, den kaum einer annehme, eine Postannahmestelle, und Einkäufe würden sogar nach Hause geliefert. „Gut, wenn jemand Mango-Chutney haben möchte…“, sagt Nora Jung, dann werde es schwierig, weil die Lieferanten bei vielen Artikeln immer gleich 25 Kisten abgenommen wissen wollen. „Aber wir können jeden Artikel für den nächsten Tag besorgen“, ergänzt Elvira Jung. Wenn jeder Tünderaner hier seine Grundnahrungsmittel besorgte, dann… Dann „würden Mitarbeiter hier weiterhin ihren Lohn erhalten“, darunter Ursula Wietbrauk (53), die schon seit 2004 Teil des Teams ist. Neben ihr gibt es noch zwei weitere Festangestellte, eine Auszubildende, die beiden Gesellschafterinnen und zwei Schülerinnen, die den Laden am Laufen halten.

Vor vier Jahren hätten sie schon einmal vor der Frage gestanden: Schließen oder investieren? „Unsere Kühlung war kaputt gegangen“, erzählt Elvira Jung. „Wir haben uns für eine neue Kühlung entschieden. Und für Tündern.“ An der Investition zahlten sie immer noch ab. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob geplantes Werbetrommel-Rühren und Gespräche mit dem Vermieter der Immobilie über die Miete zum für Jungs gewünschten Ergebnis führen. Und ob Tündern seinen Laden behält.

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