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Private Altenpflegeschulen fragen sich nach ihrem Zusammenschluss: Warum baut Kreis Konkurrenz auf?

Kampf um Praktikumsstellen entbrannt

Hameln/Emmerthal. Dieter Joschko, Vorsitzender des Stiftungskuratoriums der Hamelner Julius-Tönebön-Stiftung, zuckt mit den Schultern: „Was treibt den Landkreis an, jetzt eine Berufsschule für Altenpflege an der Elisabeth-Selbert-Schule einzurichten, wo wir den Bedarf doch decken können und uns dafür derzeit gerade neu aufstellen?“ Für den ehemaligen Kämmerer der Stadt Hameln ist die jüngste Entscheidung des Kreistages, im kommenden Jahr eine eigene „Berufsfachschule Altenpflege“ an der kreiseigenen Hamelner Bildungseinrichtung vom Land genehmigen lassen, einfach unverständlich: Warum, so seine Frage, will der finanzschwache Kreis Geld für eine Sache ausgeben, die seit über 30 Jahren von einem gemeinnützigen Verein in Emmerthal und einer ebensolchen Stiftung im Hameln für den Landkreis geleistet wird?

veröffentlicht am 01.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 19:41 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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Ebenfalls in Erklärungsnot ist Gerd Feldmann, Ex-Bürgermeister von Emmerthal und Vorsitzender des Trägervereins, dem jahrzehntelang die Betriebsführung der Altenpflegeschule Emmerthal oblag. Auch ihn, so Feldmann, habe die Kreistagsentscheidung „vom Hocker geholt“. Warum, so fragt er sich, habe der Kreis denn erst einen Runden Tisch eingesetzt, der sich drei Jahre lang Gedanken über die Zukunft der Altenpflege-Ausbildung im Kreis machen sollte und gemacht hat, um dann alle Lösungsansätze und Ergebnisse mit einem Kreistagsentscheid ohne weitere Anhörung des Beratungsgremiums vom Tisch zu wischen?

Denn Fakt sei, darüber sind sich Joschko und Feldmann einig: Ist doch der Zusammenschluss der privaten Altenpflegeschulen Emmerthal und Julius Tönebön ein Ergebnis besagten Runden Tisches. Als „Bildungszentrum für Pflegeberufe Weserbergland gGmbH“ wollen die beiden Privaten am 7. November ihre konstituierende Gesellschafterversammlung abhalten. Hierfür ist Dieter Joschko als 1. Vorsitzender, Feldmann als dessen Vertreter ins Auge gefasst. Designierte Leiterin des neuen Bildungszentrums, das an Hamelns Ohsener Straße 108 seinen künftigen Sitz haben soll, ist die bisherige Leiterin der Altenpflegeschule Emmerthal, Ulrike Bäßler. „Unsere gGmbH arbeitet schon rechtsfähig, der Vorgang liegt beim Handelsregister“, erklärt Joschko, und wundert sich deshalb einmal mehr, weshalb der Landkreis gerade zu dem Zeitpunkt eine eigene Berufsfachschule als Konkurrenz aus der Taufe hebt.

Das neue Bildungszentrum erwartet zwar vorerst keinen Verlust an Schülerzulauf; seit kurzem gibt es kein Schulgeld mehr an den privaten Pflegeschulen, die Finanzierung hat das Land übernommen, wie Regine Latzko vom Julius-Tönebön-Stiftungsvorstand erklärt. Auch hoffe man als alteingesessener Ausbilder auf sein Renomee als Qualitätsschule.

Konkurrenz wird hingegen bei den im Landkreis raren Praktikumsplätzen befürchtet, die für die Schüleraufnahme von den Bildungseinrichtungen verbindlich nachgewiesen werden müssen. Wie Ulrike Bäßler berichtet, haben viele Senioren-Einrichtungen zwar Bedarf an Pflegekräften, bieten aber keine praktischen Lehrstellen, weil diese Geld kosten. Das gelte auch für die boomenden ambulanten Altenpflegedienste. Bäßler hofft nun, dass es hier zu keinen Abwerbungen durch die neue Berufsschule kommen wird – sonst müsste man ein entschiedenes Veto beim Kreis einlegen.

Ursula Körtner sieht indes weiter keine Konkurrenz-Gefahren für das neue private Bildungszentrum durch eine ebenso neue kommunale Berufsschule. Es werde vielmehr eine friedliche Koexistenz beider Einrichtungen ebenso wie in den Nachbar-Landkreisen geben, meint die christdemokratische Befürworterin des neuen Selbert-Zweiges, die schließlich sogar die Mehrheitsgruppe im Kreistag überzeugen konnte. Man wolle den Privaten keinesfalls an die Existenz, sei vielmehr dem landesweiten Trend gefolgt, nach dem steigender Ausbildungsbedarf an Altenpflegern prognostiziert wird.

Rund 160 Altenpflegeschüler will das neue Hamelner Bildungszentrum in den kommenden Jahren aufnehmen. Rund 30 Schüler fasst die neue Selbert-Berufsschule ins Auge – erst mal befristet auf drei Ausbildungsjahrgänge. Doch das neue Bildungszentrum ist, wie der Name „für Pflegeberufe“ sagt, schon jetzt auf Expansion ausgelegt. Sollte der Bund die Berufe Alten- und Krankenpflege zusammenlegen, könnte man eines Tages auch den Sana- und Bathildis-Krankenpflegeschulen Konkurrenz machen. Doch das sei erst mal Zukunftsmusik, meint Joschko.



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