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Stress hinter den Museumskulissen

Kampf gegen Zeit, Personalnot und harsche Töne

Hameln (bha). Was es im Museum Hameln hinter verschlossener Tür alles zu sehen gibt, offenbart die Internetseite der Stadt Punkt für Punkt: „Zur Zeit keine Sonderausstellung; zur Zeit keine Dauerausstellung; zur Zeit nicht geöffnet; Shop zur Zeit nicht geöffnet; Museumspädagogik – zur Zeit keine Angebote ….“ Zurzeit wird nicht nur kein Programm geboten, es wird auch keine Auskunft darüber erteilt, wie es mit dem Museum weitergehen soll. Die Museumsleiterin Dr. Gesa Snell könnte sich äußern, darf es aber nicht, auf Anweisung von Hamelns Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann. Und so bleiben bis auf Weiteres Vorwürfe neben den Gerüchten im Raum stehen über einen harschen Umgangston, der einigen Museumsmitarbeitern das Leben schwergemacht haben soll, über Personalnot, gepaart mit immens hoher Arbeitsbelastung, eine unbesetzte Stelle und Verzögerungen bei der Neueröffnung.

veröffentlicht am 26.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 06:41 Uhr

Vor Herbst sei nicht mit einer Eröffnung des Museums zu rechnen, glaubt Dr. Dietrich Lösche. Der ehemalige Leiter des Staatsbaua
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„Wir können nicht sagen, wann das Museum eröffnet wird“, sagt der Sprecher der Verwaltung, Thomas Wahmes. Nicht, weil die Stadt nichts sagen wolle, sondern weil es keiner sagen könne. Die Oberbürgermeisterin selbst ist zu dem 1,7 Millionen Euro teuren Projekt gar nicht zu sprechen. Nächste Woche, so Wahmes, soll es umfassende Informationen geben, nachdem „schonungslos geprüft wird“, woran es genau liegt, dass die Arbeiten nicht im Zeitplan liegen. Das Konzept für die neue Dauerausstellung, in der Stadtgeschichte leicht zugänglich und anschaulich werden soll, steht längst, die Bauarbeiten seien im Endspurt, so Wahmes. Aber der Aufbau der neuen Dauerausstellung verzögere sich. Offenbar aus mehreren Gründen: „Es gibt mehrere Stellschrauben, die bedient werden können“, um schneller fertig zu werden, Touristen etwas zu bieten und Einnahmen zu erzielen. „Personal“ ist eine davon. Doch diese Schraube wird nur langsam gedreht.

Bereits Anfang Dezember hatte der erfahrene Museumspädagoge Burkhardt Sonnenburg seinen letzten Arbeitstag in der Hamelner Kultureinrichtung, die jährlich um die 30 000 Besucher angelockt hat. Seit zehn Jahren war der vierfache Familienvater aus Bodenwerder an Bord des Heimatmuseums an der Osterstraße und hat die neue Dauerausstellung von Beginn an mit Dr. Gesa Snell zusammen entwickelt. Dass er geht, war bei der Stadt bekannt, lange bevor er die Leitung des Heimatmuseums im ostfriesischen Leer übernommen hat. Trotzdem läuft die Suche eines Nachfolgers nicht auf Hochtouren, sondern „die Stellenausschreibung wird vorbereitet“, so Wahmes. Einen, den die Personalsituation und daraus resultierender Druck auf die Palme bringt, ist Dr. Dietrich Lösche.

Lösche war neun Jahre lang Vorsitzender des Museumsvereins Hameln, der seit 100 Jahren die Arbeit des Museums unterstützt, und er habe gut mit Dr. Gesa Snell zusammengearbeitet, erzählt er. Lösche spricht von „enormem Geldmangel und enormem Personalmangel“, mit dem die Leiterin zu kämpfen habe. Nachdem ihr Umgangston gegenüber Mitarbeitern hinter vorgehaltener Hand im Rathaus kritisiert worden war, nimmt Lösche Snell in Schutz: „Sie redet den Leuten sicher nicht nach dem Mund, und dank der Personalknappheit geht es auch mal hektisch zu. Frau Dr. Snell ist da vielleicht ein bisschen kürzer in ihren Anweisungen. Dass sich der eine oder andere dadurch überfordert fühlt und deshalb zurück ins Rathaus will, kann ich verstehen.“ Aber man könne eben in solch einer Führungsposition auch nicht jedermanns Liebling sein, so Lösche. Er schreibt im Gegenzug den Angestellten, die sich negativ über die Museumsleiterin geäußert haben, „Überempfindlichkeit“ zu. Anstatt ihr einen Maulkorb zu verpassen, wie es die Stadt getan hat, „wäre es besser, man würde Frau Dr. Snell erlauben, zu dem Thema etwas zu sagen“, äußert sich Lösche zum Kommunikationsgebaren des Rathauses.

Der Personalengpass bringt unterdessen einen Bekannten wieder ins Gespräch: Der ehemalige Stadtmanager Stefan Schlichte ist als Berater für die Umsetzung der Dauerausstellung tätig. Darüber, wie eine Zusammenarbeit zwischen ihm und Museum künftig aussehen könnte, wird laut Schlichte noch verhandelt.



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