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Klinik-Abteilung evakuiert / Feuerwehr schlägt Chlorgas mit Wassernebel nieder / Sechs Verletzte

Kampf gegen einen unsichtbaren Feind

Hameln. Das Heulen der Martinshörner will nicht enden. Es ist Montagmittag, 12.49 Uhr. Schon vor einer Stunde ist im Sana-Klinikum am Saint-Maur-Platz Gefahrgut-Alarm ausgelöst worden ist. Noch immer fahren Feuerwehrfahrzeuge zum Krankenhaus. 22 große und kleine Einsatzwagen werden es am Ende sein.

veröffentlicht am 06.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann
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Die Physikalische Abteilung ist um 11.49 Uhr evakuiert, 25 Menschen sind in Sicherheit gebracht worden. Ein Krankenhaus-Mitarbeiter und fünf Patienten haben offenbar Chlorgas eingeatmet. Sie klagen über Atemwegsreizungen und Übelkeit. Am stärksten betroffen ist ein Haustechniker, der beim Abstellen der Lüftungsanlage den Dämpfen kurzfristig ausgesetzt war und über starke Kopfschmerzen klagt. Die Verletzten werden vom Leitenden Notarzt Dr. Jörg Meckelburg und dem Oberarzt der Anästhesie-Abteilung des Klinikums, Dr. Yones Salameh, betreut. In der Nähe der Notaufnahme hat die Einsatzleitung eine Verletztensammelstelle eingerichtet.

Chlorgas ist nicht ohne. Das wissen alle hier. Die Chemikalie kann neben den leichten Symptomen einer Atemwegsreizung oder Übelkeit im schlimmsten Fall zu einer Lungenverätzung und damit zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen. Klinik-Geschäftsführer Marco Kempka hat einen internen Krisenstab einberufen, um das weitere Vorgehen mit der Einsatzleitung der Feuerwehr zu koordinieren. Das Klinikum ist grundsätzlich auf eine Evakuierung der Stationen vorbereitet. Doch so weit kommt es nicht. Das Gas kann sich nicht ausbreiten, weil sofort Fenster und gasdichte Brandschutztüren geschlossen und die Lüftungsanlagen abgestellt wurden. Messungen in der Onkologischen Station, die sich über der Physikalischen Abteilung befindet, bestätigen das.

Zwei Gefahrgut-Spezialisten, die schweren Atemschutz tragen und in grünen Chemikalienschutzanzügen stecken, sind in den Keller gegangen und machen sich auf die Suche nach dem Leck. Um 12.35 Uhr haben sie es in einem Technikraum, der sich unter dem Bewegungsbad befindet, entdeckt. Chlorgas tropft aus einem Schlauch, der eine Dosierpumpe mit einer Leitung verbindet, die zum Schwimmbecken führt. Die Feuerwehrleute, die an grüne Männchen aus einem Science-Fiction-Film erinnern, stellen die Pumpe ab. Dann verdünnen sie eine Chlorgas-Pfütze, die sich unter dem Leck gebildet hat, mit viel Wasser aus einem Strahlrohr. Als ihre Kollegen draußen einen Sprühnebel hergestellt haben, stellen die Helfer im Gebäude einen Überdrucklüfter an. Mit dem Gerät wird das Gas-Luft-Gemisch aus den Kellerfenstern geblasen. Die feinen Wassertröpfchen schlagen das Gas nieder. Nach Angaben von Feuerwehr und Sana-Klinikum haben „die ständig durchgeführten Schadstoffmessungen vor dem Gebäude immer unterhalb der Nachweisgrenze gelegen“.

Geschäftsführer Kempka ist erleichtert darüber, dass die ersten und wichtigen internen Maßnahmen so gut gegriffen haben. Die schnelle Bereichsevakuierung sei unabdingbar und richtig gewesen, stellt er fest. „Hier zeigt sich, dass es sinnvoll war, den Brandschutz immer wieder in der innerbetrieblichen Fortbildung als Pflichtfortbildung zu schulen.“

Dem Werkstatt-Mitarbeiter Peter Klenke-Abel ist es zu verdanken, dass Schlimmeres verhindert werden konnte. Er hat vorbildlich reagiert. „Herr Klenke-Abel hat den Chlorgasgeruch als erster festgestellt und sofort einen der Brandschutzbeauftragten des Klinikums zur Klärung der Lage alarmiert“, lobt Sana-Sprecher Peter Höxter. Dieser habe die Einsatzkräfte angefordert. Gemeinsam sei die Evakuierung der Physikalischen Abteilung und das Schließen sämtlicher Fenster im Bettentrakt angeordnet worden. „Die Mitarbeiter und Patienten haben besonnen reagiert, so dass die Räumung störungsfrei und rasch verlaufen ist.“

Mit einem Wassernebel bekämpfen diese Feuerwehrleute Chlorgas, das mit Überdrucklüftern aus einem Technikraum des Sana-Klinikums ins Freie geblasen wird. Die Helfer tragen schweren Atemschutz.

Foto: ube



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