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Waggon-Betrieb trainiert Branche

Kaminski macht Schule

HAMELN. Hamelns großer Güterbahnhof ist seit Langem geschlossen, und doch drängen sich auf jedem Abstellgleis in der Stadt und auch in der Umgebung die Waggons. Das Unternehmen Franz Kaminski hat unübersehbar sehr gut zu tun. Das Unternehmen will wachsen und wird 2019 wieder eine eigene Ausbildungswerkstatt anbieten.

veröffentlicht am 28.09.2018 um 13:59 Uhr
aktualisiert am 28.09.2018 um 14:50 Uhr

Ein moderner Kesselwagen dient als Schulungseinrichtung für Branchenmitglieder aus ganz Europa. Foto: Kaminski/pr
Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Das bestätigt Geschäftsführer Karsten Elstner: „Wir haben unsere Mitarbeiterzahl innerhalb von zehn Jahren verdoppelt.“ 220 Beschäftigte sind es jetzt – und: „Wir wollen weiter wachsen“, betont der Chef des Familienunternehmens, das im kommenden Jahr sein 100-Jähriges in Hameln feiern kann. Pünktlich zu dem Jubiläum will Kaminski eine Ausbildungswerkstatt eröffnen. Im Fokus stehen dabei Berufe wie Zerspanungs- und Werkzeugmechaniker sowie Stahlbauschlosser. An den Details wird noch gefeilt.

In den vergangenen Jahrzehnten hat Kaminski seinen Nachwuchsbedarf im handwerklichen Bereich durch die Anstellung von Gesellen und Meistern decken können. Die Lehrwerkstatt war aus Platzgründen aufgegeben worden, wie Elstner erklärt. „Wir müssen uns den Marktbedingungen stellen“, sagt der Fabrikleiter nun mit Blick auf den sich verstärkenden Wettbewerb um Arbeitskräfte. Er möchte in die Lehrwerkstatt ein „kleinteilmechanische Produktion“ integrieren, sodass die jungen Mitarbeiter auch bereits einen Beitrag zur Wertschöpfung in der Fabrik leisten. Das grenzüberschreitend agierende Unternehmen wolle zudem ganz bewusst „Flüchtlingen etwas anbieten“.

Synergien erwartet Elstner auch aus den Querverbindungen zu der neuen Railtraining GmbH. Dieses Schulungsunternehmen hat der Hamelner Kesselwagenspezialist in Kooperation mit dem Wettbewerber Villmann als zusätzlichen Geschäftszweig gegründet. Dort werden Fachkräfte „rund um den Güter- und Kesselwagen“ weitergebildet. Weil die Beteiligten dabei auf die internationalen Experten in ihren Fabriken zurückgreifen können – Kaminski hat auch Standorte in Frankreich, Polen und Ungarn –, stehen für die Seminare eine Reihe von Sprachen zur Verfügung.

Großes Interesse am Kaminski-Stand auf der Bahnmesse Innotrans in Berlin. Foto: Kaminski/pr

Die Teilnehmer kommen entweder nach Hameln oder ins thüringische Ellrich – oder die Ausbilder reisen EU-weit in den Betrieb des Kunden. Das Railtraining hat Kaminski in der vorigen Woche in Berlin auf der großen Eisenbahnermesse Innotrans beworben. „Das Interesse war gigantisch“, freut ich Elstner. Er sei selbst überrascht gewesen, „wie viele Kunden sich das angeguckt haben“. Kaminskis Ausbildungskesselwagen, der in Hameln platziert wird, sei ein Novum in der Branche. „Wir schließen da eine Lücke.“

Den Bedarf an Weiterbildungsseminaren für die Güterwagen-Branche hat Kaminski aber auch schon vorher gespürt. Nach dem Erfolg im vorigen Jahr wird es im Oktober wieder zwei zweitägige Veranstaltungen zum „Allgemeinen Verwendungsvertrag“ geben. In Theorie und Praxis wird den Teilnehmern dann zum Beispiel aufgezeigt, was es bedeutet, wenn die Bremssohle eines Waggons defekt ist. 80 Interessenten „aus ganz Europa“ haben sich angemeldet. Elstner sieht es auch als Beitrag zur Stärkung der Hamelner Hotellerie.

Information

Bahngeschäfte

Die Franz Kaminski Waggonbau Gmbh reinigt und repariert nicht nur Kesselwagen in 80 Arbeitsständen auf ihrem Gelände in der Kuhbrückenstraße, sondern seit vier Jahren auch weitere Waggons im Lokschuppen am Hastenbecker Weg. Dort wurden zwei Millionen Euro investiert; jetzt sind an zehn Ständen 20 Mitarbeiter vor allem damit beschäftigt, Autotransportwagen auf Vordermann zu bringen. Die Güterbahnhofsgleise hat Kaminski der Deutschen Bahn abgekauft. Die weiteren genutzten Abstellgleise in Hameln sind angemietet. Dazu gehört das Areal der Hafenbahn, die den Stadtwerken zugeordnet ist, nahe der ehemaligen Kampffmeyer-Mühle. Der dortige Investor wünscht sich den Rückbau der Gleise; mit Kaminski, das auf eine umfangreiche Gleisinfrastruktur angewiesen ist, wurde darüber bislang nicht gesprochen.


Das Traditionsunternehmen hat sich weitere Standbeine aufgebaut. Inzwischen macht es an der Werftstraße mit zehn Mitarbeitern sechs Millionen Euro Umsatz als Händler für Güterwagen-Ersatzteile. Zudem haben die Hamelner Innovationen wie eine Telematikeinheit an der Achse entwickelt, die dem Eigentümer Daten zum Standort und Zustand seines Wagens liefert. Oder eine mit Lichtsignalisierung arbeitende Zuladekontrolle .mafi



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