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Kammerjäger bekämpfen Kakerlaken mit speziellem Gel

Kakerlaken: Vermutlich angeliefert

HAMELN. Freitagmittag, 13 Uhr, Stadt-Galerie: Besucher des Einkaufszentrums sitzen an Tischen vor den Imbissständen und essen. Lange Schlangen vor den Tresen, so wie an manch anderen Tagen, sieht man in diesem Moment nicht; aber gut besucht sind die gastronomischen Betriebe dennoch. Nicht sichtbar für die Kunden sind Schädlingsbekämpfer gerade dabei, die Kakerlaken in Schach zu halten.

veröffentlicht am 07.04.2017 um 17:29 Uhr

Eine „deutsche Schabe“ hat sich in gastronomischen Betrieben breit gemacht. Gestern rückten die Schädlingsbekämpfer an. Foto: dpa
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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An Stellen, wo es besonders warm ist und genügend Nährstoffe für die Insekten vorhanden sind, bringen sie ein spezielles Gel auf. Es soll die Insekten töten. Von Schaben-Panik ist zur Mittagsstunde gestern nicht viel zu spüren.

Möglicherweise sind die Kakerlaken, die am Donnerstag in vier Imbissen des Einkaufszentrums, gefunden worden sind, auf irgendeine Weise eingeschleppt worden. Auf welche Weise – das war bis gestern noch nicht bekannt. Das Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Landkreises hatte noch am Dienstag die regelmäßig stattfindenden Kontrollen in den aktuell betroffenen Imbissen gemacht – von Kakerlaken war da noch nichts zu sehen.

Warum werden dann also nur zwei Tage später Schädlinge gefunden? Eine Erklärung könnte sein: Sie sind mit anderen Waren angeliefert worden. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass beispielsweise mit einer Gemüse-Lieferung Schaben-Eier angeliefert werden, die sich dann unter günstigen Bedingungen explosionsartig vermehren können“, lautet die Vermutung, die der Landkreis gestern gegenüber der Dewezet äußerte.

Normalerweise finden Lebensmittelkontrollen in gastronomischen Betrieben in einem Abstand von drei Monaten bis zu einem Jahr statt. „Das orientiert sich an der jeweiligen Risikobeurteilung“, erklärt Kreissprecherin Sandra Lummitsch. Im aktuellen Fall der vier von Schaben befallenen Betriebe in der Stadtgalerie werden künftig diese Kontrollfrequenzen verkürzt. Das heißt, es werden zunächst häufiger unangekündigte Kontrollen stattfinden. Alles in allem aber kein Grund zur Panik. „Alles in Ordnung“, resümiert Lummitsch die Lage bei der Schädlingsbekämpfung.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass etwa mit einer Gemüse-Lieferung Schaben-Eier angeliefert werden.

Stellungnahme des Landkreises

Mit Konsequenzen müssen die Imbissbetreiber nicht rechnen: Seitens der Behörde sei kein schuldhaftes Verhalten durch die Gastronomen festgestellt worden, heißt es. Deshalb werde es auch kein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen die Inhaber geben. „Ziel ist es vielmehr, kooperativ und konstruktiv die Schädlinge zu bekämpfen“, teilt der Landkreis mit. Gründe für die Schließung der Betriebe sah man seitens der Behörde jedenfalls nicht.

Den Betreibern des Imbisses, bei denen eine Kundin am Mittwoch in einer Box eine Kakerlake entdeckt und das Veterinäramt verständigt hatte, ist die Angelegenheit offenbar sehr unangenehm. Wie zu hören ist, haben sie sich bei der Frau entschuldigt – mit einem Kasten Pralinen.

Nicht überall herrscht im Umgang mit Kakerlaken eine so unaufgeregte Handhabung wie in diesem Fall. Erst am vergangenen Donnerstag wurden in Rüschendorf im Landkreis Vechta eine Schule wegen Kakerlakenbefalls gesperrt, wie Radio Bremen berichtet. Auch in diesem Fall wollen die Kammerjäger die Insekten mit einem speziellen Gel beseitigen. Als Ursache für den Schabenbefall in Rüschendorf gilt hingegen die Tierhaltung in einem benachbarten Schweinemaststall.

Dass Schaben in Gastronomie, Schulen oder in ganzen Wohnsiedlungen zum Vorschein kommen, ist nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit keine Seltenheit. Milde Winter und feuchte Sommer böten den Schaben reichlich Nahrungsangebot für optimale Entwicklungs- und Verbreitungsmöglichkeiten.

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