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Mietvertrag schon seit Sommer unterzeichnet

Kaisersaal: Haben Stadtwerke Vormietrecht übersehen?

HAMELN. Es ist kurios. Seit nunmehr 2012 steht der Kaisersaal mehr oder weniger ungenutzt leer. Im Sommer letzten Jahres hieß es vonseiten der Stadtwerke Hameln, denen das Bahnhofsgebäude gehört, es gebe immerhin einen Interessenten an den historischen Räumlichkeiten, in denen sich bis 2012 der Club „Blondie“ befand. Doch dann herrschte wieder Funkstille. Jetzt hat die Dewezet erfahren, dass für den Kaisersaal bereits seit August 2018 ein Mietvertrag zwischen den Stadtwerken und zwei Hamelner Gastronomen besteht. Der bis heute allerdings noch nicht in Kraft getreten ist. Zum Ärgernis der beiden selbstständigen Hamelner, die den Vertrag unterzeichnet haben.

veröffentlicht am 04.05.2019 um 07:00 Uhr
aktualisiert am 06.05.2019 um 09:33 Uhr

So belebt war der Kaisersaal im Bahnhofsgebäude zuletzt nur noch, wenn dort Abi-Partys veranstaltet wurden. Foto: Archiv/Dana
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Sercan Özdemir (28) und Yalcin Uzun (27) betreiben an der Papenstraße das „Classic“, eine Shisha-Bar. Nebenbei mieteten sie in der Vergangenheit den Kaisersaal für einzelne Veranstaltungen wie Abi-Partys. Langfristig hatten die beiden aber andere Pläne, wollten den Kaisersaal pachten und ein Veranstaltungszentrum aus ihm machen: für Firmen, Hochzeitsgesellschaften, kleine Konzerte, aber auch eigene Party-Veranstaltungen, wie Özdemir und Uzun im Dewezet-Gespräch schildern. Bei den Stadtwerken traf das Konzept offenbar auf offene Ohren, zumal man sich ja bereits kannte, sodass im August der Vertrag von beiden Seiten unterzeichnet worden war. In Kraft treten sollte er zum 1. Januar 2019. Doch das ist bis heute nicht geschehen. Wieso nicht?

Eine Frage, die sich auch die Classic-Betreiber Sercan Özdemir und Yalcin Uzun strellen. „Eine Weile nachdem wir den Vertrag unterschrieben hatten, teilten uns die Stadtwerke dann mit, dass sie noch das Vormietrecht für den Kaisersaal prüfen müssten“, erzählt Özdemir. Offenbar hatten die Stadtwerke es bei Vertragsabschluss mit Özdemir und Uzun versäumt, das Vormietrecht vorab zu prüfen. Wieso sonst hätten sie ohne entsprechende Prüfung einen neuen Mietvertrag für das Objekt abschließen sollen?

Özdemir und Uzun wollten es sich mit ihrem neuen Vermieter nicht verscherzen, ließen ihn walten und übten sich in Geduld. Doch aus zwei Monaten wurden erst vier und inzwischen acht – ohne dass die beiden Gastronomen von den Stadtwerken auf dem Laufenden gehalten worden seien. Im Gegenteil. Auf Nachfragen sei nur zögerlich, wenig eindeutig und teilweise gar nicht mehr geantwortet worden. „Das ist doch kein vernünftiger Ablauf“, beklagt Özdemir. Erst in der vorigen Woche, nachdem sich die Dewezet bei den Stadtwerken nach dem Stand der Dinge in Sachen Kaisersaal erkundigt hatte, hätten die Stadtwerke sich auf einmal wieder bei Özdemir und Uzun gemeldet und Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Die Stadtwerke äußern sich der Dewezet gegenüber widersprüchlich. Auf Anfrage am Donnerstag vor einer Woche hatten das Unternehmen noch am selben Tag mitgeteilt, dass der erste Interessent sein Mietinteresse am Kaisersaal „gerade in dieser Woche zurückgezogen“ habe. Infolgedessen würde „nun für erste Gespräche auf einen zweiten Interessenten“ zugegangen werden. Auf Nachfrage, ob es sich bei dem ersten Interessenten um die Classic-Betreiber gehandelt habe, hieß es dann am Montag: „Nein, der erste Interessent waren nicht die Betreiber des ,Classic‘. Aber auf diese gehen wir jetzt für erste Gespräche zu.“

Erste Gespräche, obwohl bereits im August ein Mietvertrag abgeschlossen worden war? An dieser Stelle widersprechen die Stadtwerke deutlich: „Es gab bisher noch keinen rechtskräftigen Mietvertrag“, teilt Sprecherin Natalie Schäfer mit. Es handele sich lediglich „um eine laufende Vertragsanbahnung“. Das sehen Sercan Özdemir, Yalcin Uzun und ihr Berater, der Wirtschaftsjurist Ibrahim Özdemir, anders. „Nach unserer Auffassung des abgeschlossenen Mietvertrages“, so Ibrahim Özdemir, „müssen die Stadtwerke leisten.“ Heißt: Ihren Vertrag erfüllen. Doch der Dewezet gegenüber – der die Mieter den unterzeichneten Vertrag gezeigt haben – bestätigen die Stadtwerke nur, dass den Classic-Betreibern „ein Mietvertrag von uns“ vorgelegen habe. „Allerdings wurden diese auch von uns über das Vormietrecht informiert, welches naturgemäß vor Abschluss eines rechtskräftigen Mietvertrags abgeklopft werden musste“. Dies sei inzwischen geschehen, „sodass wir jetzt mit den Classic-Betreibern wieder in Gespräche einsteigen“, so Schäfer. Bleibt die Frage, wieso der Mietvertrag dann schon vorher von den Stadtwerken selbst unterzeichnet worden war. Ein Versäumnis? Menschliches Versagen?

Özdemir und Uzun hätten dafür durchaus Verständnis, sagen sie. Weniger Verständnis hätten sie für den Umgang der Stadtwerke mit ihnen. „Wir sind junge Leute, die den alten Glanz des Kaisersaals wiederherstellen wollen, und dann legt man uns solche Steine in den Weg“, findet Uzun. Er uns sein Partner hoffen, dass die Stadtwerke nun ihrer Vertragspflicht nachkommen. Schließlich hätten sie schon viel Zeit verloren.



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