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Winter dauert schon jetzt länger als sonst / Fünf Monate Schnee macht den Handwerksbetrieben zu schaffen

Kälte sorgt für klamme Zeiten in der Baubranche

Hameln (jch). Im Bauhauptgewerbe geht nichts mehr. Der Winter hat nicht nur den Boden, sondern auch die Handlungsfähigkeit einer ganzen Branche eingefroren. „Die Baubetriebe hier in der Region sind seit Mitte November lahmgelegt“, sagt Ulrich Wichmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hameln-Pyrmont.

veröffentlicht am 06.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 09:21 Uhr

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Von Januar 2010 bis heute hat an insgesamt 5 Monaten Schnee gelegen. Ein Rekord. Das bestätigt auch Ulrich Wichmann, der etwas Vergleichbares in den letzten 10-15 Jahren nicht erlebt hat. „Normalerweise haben wir 14 Tage Schnee, dann wird es wärmer und wir können die Arbeit wieder aufnehmen. Dann kommt eine weitere Schneefront.“

Der seit Mitte November andauernde Frost weckt bei Ulrich Wichmann die Erinnerungen an den Rekordwinter 1978/79. Zwar läge in diesem Jahr weniger Schnee, aber die Länge der Kälteperiode sei damit durchaus vergleichbar. Er hofft auf das Ende dieses Winters im März. Insgesamt habe der Winter 2010 einen Monat zu früh begonnen, resümiert Wichmann. Erst dann könne der vorhandene Auftragsabarbeitungsrückstau aufgelöst werden. Daran bei dieser Witterung ein Haus zu bauen, sei nicht zu denken. Für das Gießen einer Bodenplatte müsse die Temperatur bei mindestens null Grad liegen, für Dämmarbeiten bei mindesten 4-5. Man könne bei diesem Wetter auch niemanden auf ein schneebedecktes oder glattes Dach schicken, um dort eine Photovoltaikanlage zu installieren, so Wichmann.

Die Auswirkungen des Winters beschränken sich aber nicht auf die brachliegenden Baustellen. Normalerweise könnten im Winter die vielen Überstunden des Sommers abgefeiert werden. Da aber bereits der letzte Winter bis in den April ging und die Konjunktur in der Baubranche erst im späten Frühling richtig in Schwung kam, seien nicht genug Überstunden angefallen. Letzte Konsequenz sei nun, dass Fachkräfte entlassen werden müssen, so Wichmann. Alternativ könnten Angestellte auch an Qualifizierungsprogrammen teilnehmen. Dies hänge aber wiederum davon ab, ob die Agentur für Arbeit diese finanziert oder der Arbeitgeber finanzkräftig genug ist, um die Kosten selbst zu tragen. Auch Bauunternehmer Jens Kursawe musste einige seiner Mitarbeiter über die Winterzeit in die Arbeitslosigkeit schicken. „Wir haben aber mit allen unseren Mitarbeitern eine Vereinbarung getroffen, dass sie im Frühjahr wieder eingestellt werden“, so Jens Kursawe. Er hofft auf ein gutes Jahr für den Bau und darauf, dass seine Mitarbeiter im Sommer genug Überstunden ansammeln können, um nächsten Winter nicht wieder entlassen zu müssen.

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U. Wichmann

Anstatt die Mitarbeiter über den Winter zu entlassen, bietet die Agentur für Arbeit eine weitere Möglichkeit der finanziellen Unterstützung über den Winter hinweg an. Das Saison-Kurzarbeiter-Geld, das 2006 eingeführt wurde, kann von Arbeitgebern beantragt werden. Es hat das Ziel, dass im Baugewerbe Arbeitnehmer bei saisonalen und wirtschaftlich bedingten Arbeitsausfällen im Zeitraum von Dezember bis März nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen werden müssen. Der Vorteil dieser Lösung liegt sowohl auf Arbeitnehmer- als auch auf Arbeitgeberseite. Den Firmen bleiben ihre bewährten Mitarbeiter auch bei fehlenden Aufträgen erhalten, und die Arbeitnehmer sind durchgehend sozialversichert, was sich positiv auf deren Rentenansprüche auswirkt.

Im November meldeten 33 Unternehmen für 279 ihrer Mitarbeiter das sogenannte Saison-Kug an. Da im November für die Bautätigkeit noch gutes Wetter herrschte, wird für den Monat Dezember mit einem deutlichen Anstieg der Meldungen gerechnet, sagt Christina Rasokat, Pressesprecherin der Arbeitsagentur in Hameln. Im Dezember haben sich nach Angaben der Agentur für Arbeit im Bezirk Hameln 236 Personen aus der Baubranche arbeitslos gemeldet. Damit steigt die Zahl der Erwerbslosen in diesem Bereich auf 621. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem zu dieser Jahreszeit 725 Personen Arbeit im Handwerk suchten, ist die Zahl der Erwerbstätigen trotz des strengen Winters aber deutlich gestiegen.

Auch bei den Sanierungsprojekten der Hamelner Wohnungsbau-Gesellschaft (HWG) herrscht Stillstand. Zumindest an den Außenfassaden wird jetzt nicht mehr gearbeitet. „Unsere Pläne sehen einen Stopp der Außenarbeiten von Mitte Dezember bis Mitte März vor“, sagt Geschäftsführer Christian Mattern. Dachdämmungen und andere Innenarbeiten werden in diesen Monaten aber ganz normal weitergeführt. Sollte der Winter aber lange über den März hinausgehen, werde es auch bei der HWG eng mit den Zeitplänen.

Baustopp an den Außenfassaden an der Fischbecker Landstraße. So sieht es derzeit an vielen Baustellen aus. F oto: Dana



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