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Kirchenkreistag beschließt radikalen Schnitt / Standort Ruthenstraße wird aufgegeben

JWH: Etwa 40 Mitarbeiter müssen gehen

Hameln (fh). Die Jugendwerkstatt Hameln ist in ihrer bisherigen Form schon bald Geschichte. Am späten gestrigen Abend beschlossen die Mitglieder des Kirchenkreistages einen drastischen Schritt: Die Zahl der JWH-Mitarbeiter soll von derzeit über 50 auf voraussichtlich 10 bis 15 sinken, das Angebot wird drastisch reduziert, das Gebäude in der Ruthenstraße aufgegeben, ein neuer Standort angemietet. Anlass für die Vollbremsung lieferten dem Kirchenkreis ein erneut absehbares deutliches Defizit der Jugendwerkstatt im laufenden Jahr (wir berichteten) – Superintendent Philipp Meyer und der Finanzausschuss des Kirchenkreistages gehen von einer guten halben Million Euro aus. Im vergangenen Jahr lag es bei genau 596 216 Euro, wie aus dem gestern vorgelegten Jahresabschluss hervorging.

veröffentlicht am 15.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 04:41 Uhr

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Die Lage ist brenzlig: Bereits die Zahlung der Gehälter für diesen Monat – Sonderzahlungen inklusive – kann die Jugendwerkstatt nicht mehr stemmen. Mit dem Zahltag droht die Zahlungsunfähigkeit. Der Kirchenkreis habe kürzlich erneut mit 110 000 Euro ausgeholfen. „Sonst hätte die Jugendwerkstatt schon vor dem Kirchenkreistag die Insolvenz anmelden müssen“, sagte Meyer gestern.

Vier mögliche Szenarien waren den Mitgliedern des Kirchenkreistages vorgelegt worden: A) eine Weiterführung mit „verringertem Umfang“; B) die Liquidation beider Gesellschaften; C) die letztlich beschlossene Weiterführung in „stark verringertem Umfang“ oder D) – für den Fall, dass kein anderer Beschluss gefasst worden wäre – die Insolvenz. Fürsprecher fanden sich im Laufe der gestrigen ausführlichen, aber nur selten emotionalen Diskussion für alle Varianten: Geschäftsführer Lange plädierte wie auch anwesende Mitarbeiter der JWH für den auf ihn zurückgehenden Vorschlag A): Nicht lukrative Bereiche sollten eingestellt, neun Stellen gestrichen werden, die JWH sollte aber im Grunde ihr bisheriges Gesicht behalten. Die Vorsitzende des Aufsichtsrates, Pastorin Jutta Ostermann, sah hingegen die Liquidation als letzten Ausweg: „Jede andere Lösung wird noch teurer“, argumentierte sie. Gerhard Ohlendorf, ehemaliges Mitglied des Kirchenkreisvorstandes, bewertete indes eine Insolvenz als „nicht so schlimm“.

Eine Mehrheit zeichnete sich jedoch bereits in der Debatte für die reduzierte Version der Jugendwerkstatt ab, für die auch der Superintendent und der Finanzausschuss des Kirchenkreistages warben. „Damit landen wir vielleicht bei einem Minus von 50 000 Euro im Jahr statt von 500 000 Euro“, argumentierte Vorstandsmitglied Justus Conring. Das Defizit entspräche schließlich der Größenordnung „von acht Pfarrstellen“. Am Ende stimmten 46 Mitglieder des Kirchenparlamentes für dieses Modell der deutlich eingedampften Jugendwerkstatt, elf stimmten dagegen, sieben enthielten sich.

Bei diesem radikalen Rückbau rechnet der Finanzausschuss – etwa durch Abfindungen – mit Kosten von rund 2,5 Millionen. Ein möglicher Knackpunkt: Man kalkuliert bei dieser Lösung mit Einnahmen aus dem Verkauf des bisherigen JWH-Gebäudes in der Ruthenstraße. Was der Verkauf der Immobilie – unweit der ebenfalls schon bald leer stehenden Mühlengebäude – am Ende einbringt, ist allerdings völlig offen.

In der neuen Jugendwerkstatt könnten dann am Ende – so ergebe sich zumindest aus Erfahrungswerten in anderen Städten – bis zu 45 Jugendliche gleichzeitig betreut werden.

Den Mitarbeitern der Jugendwerkstatt hilft das nicht. Sie verließen nach der Abstimmung wütend den Saal, bei manchen flossen Tränen. Für heute ist eine Betriebsversammlung geplant.

„Eine gute Lösung gibt es nicht“, sagte Superintendent Philipp Meyer zu den

Mitgliedern des Kirchenkreistages in der Debatte über die Jugendwerkstatt.

Auszug beschlossen: Das bisherige Domizil der Jugendwerkstatt inklusive Expo-Café wird aufgegeben. Fotos: Dana



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