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Minderheitsregierung für Juso-Vetreter denkbar

Jusos weiter auf Anti-GroKo-Kurs

HAMELN. Sie haben den 177 Seiten starken Koalitionsvertrag noch nicht ganz durchgearbeitet, doch Jan Hühnerberg (29), Sarah Schneider (22) und Linda Jürgens (20) von den Jungsozialisten der SPD (Jusos) haben die Ergebnisse nicht umstimmen können: Sie wollen beim Mitgliedervotum der Partei in ein paar Wochen gegen die Groko stimmen.

veröffentlicht am 08.02.2018 um 16:30 Uhr

Jan Hühnerberg, Sarah Schneider und Linda Jürgens wollen sich beim Mitgliederentscheid gegen die Groko entscheiden. foto: doro
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Der tiefe Riss, der durch die SPD geht, ist auch bei den rund 160 Hamelner-Pyrmonter Jusos sichtbar. „Innerhalb der Gruppe gibt es große Diskussionen, aber die Mehrheit ist gegen die Groko“, sagt Sarah Schneider.

Und die Drei, die an diesem Abend in der Hamelner Parteizentrale, dem Rosa-Helfers-Haus sitzen, haben längst nicht das Gefühl, dass es nur den Jungen so geht: Zurück zu den Wurzeln wollen Genossen quer durch alle Altersschichten, dass sei beim Bundesparteitag deutlich geworden. Auch vor Ort werden die Jusos in diesen Tagen oft angesprochen. „Es sind meist die Extreme: entweder die, die total gegen die Groko sind oder dafür“, sagt Sarah.

Viele Jusos eine der Wunsch, der SPD wieder Profil zu geben, sich auf sozialdemokratische Werte zu besinnen. Einer, der das für die Drei gut kann, ist Juso-Chef Kevin Kühnert. Der charismatische Bundesvorsitzende der Jusos verfehlt seine Wirkung auch bei Linda, Jan und Sarah nicht. Sie würden auch auf die Antigroko-Kundgebungen gehen, die Kühnert für den Fall einer Regierungsbeteiligung bereits angekündigt hatte. Dass er unlautere Methoden anwende, wie ihm manche im Rahmen der SPD-Eintrittswerbung vorwerfen, finden die Drei auch nicht.

Und was wäre, wenn die SPD-Mitglieder die Groko tatsächlich abwählen? Für Jan, Sarah und Linda wäre das nicht das Ende. Verantwortung könne man auch in einer Minderheitsregierung übernehmen, glauben sie, „man kann projektbezogen Mehrheiten finden“, sagt Sarah. Es werde künftig wahrscheinlich grundsätzlich schwieriger, Mehrheiten zu finden, meint Jan. Dass Neuwahlen der AfD in die Karten spielen könnte, befürchtet Linda, „das kann allerdings auch in dreieinhalb Jahren passieren“, kontert Jan. Besser wäre es aus seiner Sicht, sich mehr abzugrenzen. Die Niedersachsenwahl hätte gezeigt, dass polarisierende Parteien besser funktionieren: Die SPD habe fast 40 Prozent geholt, die AfD nur sieben.

Ob Mietpreisbremse, Flüchtlingspolitik, Bürgerversicherung Arbeits- und Sozialthemen oder Digitalisierung: einem großen Teil der SPDler reiche es nicht mehr, ins Programm zu schreiben, dass man etwas prüfen werde, erst mal eine Kommission bilde oder einen Kompromiss finde, der eigentlich viel zu weit weg ist, von dem, was man wolle. Viel lieber möchte ein großer Teil der Hameln-Pyrmonter Jusos „klare Kante“ zeigen.

Als sie nach den Wahlen gehört habe, dass die Partei doch Koalitionsgespräche führen will, habe sie es kaum glauben können, sagt Schneider.

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