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Mit der neuen Chefin Anja Gorwa soll das fast gekenterte Schiff wieder Fahrt aufnehmen

Jugendwerkstatt schnitzt an der Zukunft

Hameln. Sehr heftig war der Sturm, durch den die Jugendwerkstatt Hameln (JWH) in den vergangenen Jahren gefahren ist. Die Brecher schlugen übers Deck, der Kapitän ging über Bord, Masten knickten, Wasser drang in den Maschinenraum ein, ein großer Teil der Besatzung musste in die Rettungsboote steigen und neue Ufer ansteuern. Nun klart das Wetter auf. Der kleine Rest der einst mehr als 50-köpfigen Mannschaft sowie sieben neue Kollegen versuchen, die JWH wieder auf Kurs zu bringen. An ihrer Spitze steht seit dem Jahresbeginn Anja Gorwa. Die Rechtsanwältin aus Löhne hat das Kommando von Michael Lange übernommen, der eingesprungen war, als die JWH führungslos in höchster finanzieller Not dahintrieb. Sein wirtschaftliches Know-how half, den Untergang abzuwenden. Dabei ist er jedoch Opfer seiner Sanierungsbemühungen geworden. „Wir können den Geschäftsführerposten nicht mehr als volle Stelle finanzieren“, erklärt Philipp Meyer, Superintendent der evangelischen Kirche Hameln-Pyrmont, die seit 1980 quasi Reeder der JWH ist.

veröffentlicht am 03.01.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 08:41 Uhr

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Marc Fisser

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Weil Lange nicht auf die Hälfte seines Gehaltes verzichten konnte, wurde ihm fristgerecht zum Jahresende 2013 gekündigt und die Stelle über die Kirchenkanäle im Internet ausgeschrieben. „Es gab mehrere Bewerbungen“, berichtet Meyer, „zwei kamen in die enge Auswahl.“ Anja Gorwa bringe aus der Löhner „Maßarbeit“, einer evangelischen Stiftung, Erfahrung mit, wie Menschen für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden können. Ihr Weg nach Hameln sei nicht weit. Und die neue Chefin könne als Anwältin tätig bleiben und somit für sich weitere Einnahmen erzielen. Vorgesehen ist, dass Gorwa an drei Tagen pro Woche in Hameln tätig ist, zu den anderen Zeiten wird sie durch die langjährige JWH-Mitarbeiterin Gudrun Müller vertreten. „Ich bin bei wichtigen Fragen natürlich immer erreichbar“, betont die Geschäftsführerin. Meyer hält die Umwandlung des Chefpostens in eine Halbtagsstelle für vertretbar, weil die JWH ja drastisch geschrumpft sei – auf jetzt 14,33 Mitarbeiterstellen.

Nachdem sich „die Neue“ am ersten Arbeitstag des Jahres der Belegschaft vorgestellt hat, ist der Optimismus in die Räume der JWH zurückgekehrt, wie Gudrun Müller sagt. Die Sanierungseinschnitte vor einem Jahr hätten alle Beschäftigten geschockt. Zu viele seien danach freiwillig – mit Überlebensrationen, also Abfindungen, versehen – von dem anscheinend sinkenden Schiff gegangen. „Jetzt haben wir ein neues Team und sind guten Mutes, es schaffen zu können“, schildert Müller. Erstmals bestehe wieder Hoffnung, als Jugendwerkstatt „auch in fünf Jahren noch dazusein“. Gorwa wurde bei ihrem Einstand von Superintendent Meyer als Gesellschaftervertreter und der Aufsichtsratsvorsitzenden Jutta Ostermann, Pastorin aus Neersen, begleitet. Die Geschäftsführerin sprach von einem „schwierigen Neuanfang für alle“. Sie will neue Möglichkeiten für die JWH ausloten. So soll die Abhängigkeit von politischen Entscheidungen und den Geldern vom Jobcenter verringert werden. Gorwa denkt an das Angebot einer Teilzeitausbildung für junge Eltern, damit eine Schwangerschaft nicht die beruflichen Möglichkeiten verbaut und nicht in dauerhafte Armut führt. Prüfen möchte die Juristin, inwieweit die Zusammenarbeit mit der Jugendanstalt Hameln, dem großen Gefängnis bei Tündern, sowie den Jugendgerichten verstärkt werden kann.

In rund einem halben Jahr wird die Paritätische Lebenshilfe Schaumburg-Weserbergland (PLSW), neuer Eigentümer des bisherigen JWH-Gebäudes, an der Ruthenstraße einziehen. Weil die JWH auf kleinerer Fläche als Mieter bleiben darf, bietet sich unter dem großen Dach eine Kooperation mit der Behinderteneinrichtung an. Gorwa nennt es einen „interessanten Aspekt“, wenn junge Menschen mit verschiedenen Formen persönlicher Einschränkungen zum Beispiel in der Tischlerwerkstatt gemeinsam arbeiten. Nächste Woche werde sie sich zu einem ersten Gespräch mit „den Kollegen von der Lebenshilfe“ treffen. Meyer spricht hinsichtlich der PLSW von einer „glücklichen Konstellation“ und lehnt sich zurück: „2013 hätte kaum besser laufen können. Und 2014 hat die Jungendwerkstatt gute Perspektiven, zu einem neutralen Ergebnis zu kommen.“



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