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Superintendent beziffert Fehlbetrag im Jahr 2010 mit 325 000 Euro / „Kapitel Jösten beendet“

Jugendwerkstatt erwirtschaftet Defizit

Hameln (sbr). „Die Jugendwerkstatt macht uns nach wie vor Sorgen“, gestand Superintendent Philipp Meyer nicht nur in Hinblick auf die Veröffentlichung des Jahresabschlusses für das Jahr 2010 bei der jüngsten Kirchenkreistagssitzung. Das Defizit wurde mit fast 325 000 Euro beziffert. „Der Wirtschaft geht es einfach zu gut. Dadurch haben wir in unseren Maßnahmen weniger Jugendliche und damit verbunden auch Schwierigkeiten, unseren Ertrag zu steigern, da die fixen Kosten bleiben“, begründete Meyer. Aussagen zum vergangenen Jahr wurden noch nicht gemacht. „Es ist aber damit zu rechnen, dass auch 2011 rote Zahlen geschrieben wurden“, sagte Kirchenkreis-Sprecher Simon Pabst der Dewezet.

veröffentlicht am 13.04.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 15:21 Uhr

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„Die Gewinn- und Verlustrechnung für das Geschäftsjahr 2010 weist einen Fehlbetrag von exakt 324 936,94 Euro aus“, erklärte Diplom-Ökonom Johannes Andrews von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Intecon GmbH in Osnabrück, die mit der unabhängigen Prüfung des Jahresabschlusses beauftragt war. Zum Vergleich: Schon 2009 betrug das Defizit der Hamelner Jugendwerkstatt 272 000 Euro, allerdings handele es sich bei dieser Zahl um ein ungeprüftes Ergebnis, wie der Finanzfachmann betonte. Die Prüfungsgesellschaft kam zu dem Ergebnis, dass die wirtschaftliche Situation der Jugendwerkstatt anhand der vorliegenden Zahlen offen und ehrlich dargestellt wurde, so ihr Bericht.„Obwohl es so schlimm geworden ist, hat uns das Ergebnis nicht überrascht“, sagte der Vorsitzende des Finanzausschusses, Günther Meyer. Allerdings räumte er auf Anfrage von Kirchenkreistagsmitgliedern ein, dass das anfänglich prognostizierte Defizit von etwa 300 000 Euro noch übertroffen wurde.

Zwar habe das Arbeitsgericht Hameln die Kündigungsklage des ehemaligen Chefs der Jugendwerkstatt Hameln, Klaus-Dieter Jösten, in vollem Umfang abgewiesen, vor dem Landesarbeitsgericht Hannover sei der Fall Jösten jedoch mit einem Vergleich beendet worden. Der Kirchenkreis habe eine soziale Auslauffrist des Arbeitsvertrages bis Ende September 2011 akzeptiert, was unter anderem zum Überschreiten des zunächst prognostizierten Defizits geführt habe, wie Meyer vor der Versammlung erklärte. Gegenüber der Dewezet betonte der Superintendent allerdings: „Das Kapitel Jösten ist gänzlich beendet, der Fall erledigt.“ Ob der Kirchenkreis den ehemaligen Leiter der Jugendwerkstatt noch in Regress nehmen wird, vermag Meyer nicht zu sagen: „Das ist nicht mein Verantwortungsbereich, aber ich gehe nicht davon aus.“

Das Handtuch zwischen dem Kirchenkreis und Jösten allerdings sei zerschnitten, denn der ehemalige Leiter habe sich nicht mehr um weitere Gespräche bemüht und auch als Mitglied des Kirchenkreistages habe sich Jösten dort seit geraumer Zeit nicht mehr blicken lassen. „Ich habe ihn da lange nicht mehr gesehen. Er nimmt wohl sein Mandat nicht mehr wahr“, erklärte Simon Pabst gegenüber der Dewezet.

Laut Meyer habe der Kirchenkreis innerhalb der vergangenen Jahre rund 1,2 Millionen Euro in den Erhalt der Jugendwerkstatt investiert. Zusätzlich seien weitere 640 000 Euro aus Landeskirchenmitteln in die Einrichtung geflossen. „Der Kirchenkreis kann künftig keine weiteren finanziellen Mittel für die Jugendwerkstatt zur Verfügung stellen“, so der Superintendent. Die Mitglieder des Kirchenkreistages billigten bei sieben Enthaltungen mehrheitlich den Jahresabschluss 2010 der Jugendwerkstatt.

Die Neugründungen der gemeinnützigen Bildungs-GmbH Jugendwerkstatt Hameln und der gemeinnützigen Service-GmbH Jugendwerkstatt Hameln sind zwischenzeitlich erfolgt. Die finanzielle Ausstattung erfolgte durch die Landeskirche und letztmalig auch durch den Kirchenkreis Hameln-Pyrmont. Die neue Gesellschaft arbeitet seit dem 1. Januar 2012. Neuer Geschäftsführer ist seit dem 1. Februar 2012 der Diplom-Kaufmann Michael Lange. Auch der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Jutta Ostermann, Pastorin im Pyrmonter Ortsteil Neersen, kam zum ersten Mal zusammen. Dem Aufsichtsrat gehören weiter an: Als stellvertretender Vorsitzender Klaus Arnecke sowie Heinz-Walter Wiedbrauck von der Volksbank Hameln- Stadthagen, Mitarbeitervertreter Siegfried Wulf und Superintendent Philipp Meyer. Demnächst soll der Aufsichtsrat um Matthias Kreimeyer vom Diakonischen Werk sowie den Bäckermeister Wilhelm Bente erweitert werden, wie aus dem Ephoralbericht des Superintendenten hervorging. Abschließend appellierte der Superintendent an die Vertreter der Kirchenvorstände, bei möglichen Auftragsvergaben die Jugendwerkstatt zu berücksichtigen. „An der Qualitätssteigerung wird gearbeitet“, versicherte Meyer.

Die Jugendwerkstatt Hameln bleibt Sorgenkind des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont.

Foto: Dana



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