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Beim Zukunftstag schnuppern Schüler in die Berufswelt – und schauen auch, was ihre Eltern den ganzen Tag lang treiben

Jonas will’s wissen: „Wie kalt ist es im Chemielabor?“

Hameln (ll). Weiß und würfelförmig ist der Stoff in der durchsichtigen Petrischale. Der 14-jährige Christian Knäbel notiert sich haarklein die Eigenschaften des Pulvers, dessen Namen er herausfinden soll. Die farblose Flamme des Bunsenbrenners verfärbt sich plötzlich sonnengelb, als der Schüler die Probe mit einem angefeuchteten Magnesiastäbchen erhitzt. „Ich denke, es ist Kalzium“, meint Christian und muss sich nach einem weiteren Experiment im Reagenzglas eines Besseren belehren lassen. Doch nicht Kalzium, sondern Natriumchlorid oder einfach auch Kochsalz, ist das Ergebnis seiner Analyse im Labor.

veröffentlicht am 22.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 12:21 Uhr

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Es ist Zukunftstag, ehemals Girls‘ Day. In zahlreichen Unternehmen in Hameln und ganz Deutschland blicken weit über 100 000 Schüler hinter die Kulissen der Arbeitswelt. 20 von ihnen sind zu Gast bei der „hameln group“ im Langen Feld, Hersteller und Entwickler von sterilen Arzneimitteln. Neben der VHS Hameln-Pyrmont ist die „hameln group“ das einzige Unternehmen aus Hameln, das auf der offiziellen Girls‘ Day-Internetseite seine Angebote veröffentlicht.

Was er besonders interessant finde? „Die Fällungsreaktionen“, kommt als Antwort von Christian. „Das haben wir in der Schule noch nicht gemacht“, meint der Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums. Bei einer Fällungsreaktion können Stoffe durch Zugabe eines Lösungsmittels und eines weiteren Reaktionsstoffes identifiziert und sichtbar gemacht werden.

Für die 10-jährige Julia Ariana Knezevic ist der Tag bei dem Arzneimittelhersteller ein aufschlussreicher Blick in die Tätigkeit ihrer Mutter. Denn Julias Mutter arbeitet in der sogenannten „Sterilfabrik“, dem Herzstück des Unternehmens. Die Arbeit im Büro sei nicht so sehr ihre Wunschvorstellung, sagt Julia Ariana, sie würde „viel lieber forschen“. Dazu hat sie jetzt die Gelegenheit und kann sich nach dem ersten Eindruck durchaus vorstellen, einmal ein längeres Praktikum im Labor zu absolvieren. „Ich finde es gut, selber Experimente zu machen“, sagt die Schülerin.

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Jonas Mundhenk ist zunächst etwas skeptisch. „Brauche ich eine Jacke? Ist es kalt im Labor?“, fragt er. „Nein, brauchst du nicht“, erwidert Julia Flentje, Mitarbeiterin der Unternehmenskommunikation. Dem 12-jährigen Jonas „gefällt es sehr gut“; beim Zukunftstag könne er das Unternehmen kennen lernen, bei dem sein Vater arbeitet. „Und außerdem kann ich sehen, was mein Vater so macht“, meint Jonas.

Bevor die Zukunftstagteilnehmer Einblicke in die Sterilfabrik bekommen können, ist erst einmal Umziehen angesagt: Auf keinen Fall dürfen Keime, Bakterien und sonstige Verunreinigungen in den Teil des Unternehmens gelangen, wo die Arzneimittel für den Endverbraucher gefertigt und verpackt werden. Für die Schüler bedeutet das, dass sie für eine Weile wie ein „Michelin-Männchen“ aussehen: steriler Ganzkörper-Overall, weißes Häubchen auf dem Kopf, zweifache Überzieher für die Schuhe. Noch eine doppelte Desinfektionsdusche für die Hände – und schon steht dem Gang in den Sicherheitsbereich nichts mehr im Weg.

Einen genauen Plan von ihrem späteren Beruf scheint Michelle Reimers bereits zu haben. Die 14-jährige Schülerin aus Golmbach macht nicht zum ersten Mal einen Zukunftstag in einem Labor mit. Michelles Onkel arbeite im IT-Bereich der „hameln group“, deshalb sei sie auf das Unternehmen aufmerksam geworden. „Die letzten zwei Male war ich bei Symrise in Holzminden“, erzählt sie. Dort habe sie mit Aromastoffen gearbeitet. Und nun interessiere sie die Zusammensetzung der Arzneimittel „made in Hameln“.

Julia Ariana Knezevic macht einen Versuch über dem Bunsenbrenner (re.). Jonas Mundhenk streift sich währenddessen die Schutzkleidung zum Betreten der Sterilfabrik über. Fotos: ll

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