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Erste Zusammenkunft am Runden Tisch / Langeweile ist zwischen 19 und 21 Uhr am größten

Jetzt will Afferde an seinem Image feilen

Afferde (CK). Der Hamelner Ortsteil Afferde ist weder ein sozialer Brennpunkt noch ein rechtsfreier Raum. Darüber waren sich alle einig, die sich angesichts der jüngsten Vorkommnisse – unter anderem hatte ein polizeibekannter 16-Jähriger einen Senior in einer Kleingartenkolonie fast totgetreten (wir berichteten) – zu einem ersten Runden Tisch in der „Haltestelle“ versammelt hatten. Vertreter von Ortsrat und Stadt Hameln, der Caritas, des Vereins der deutschen Spätaussiedler, aber auch eine Jugendliche aus dem Ort berieten über die zentrale Frage: „Was können die tun, die hier leben?“

veröffentlicht am 20.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 03:41 Uhr

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„Unsere Jugendlichen sind nicht ganz unschuldig an dem derzeitigen schlechten Ruf, den Afferde hat. Manche sind schnell mit den Fäusten, und diese Straftat kann man nicht wegdiskutieren“, räumte aber Reinhold Marx für die Caritas ein. Er schränkte zugleich ein, dass man diejenigen unter den jungen Leuten, die über Langeweile klagen, nicht rund um die Uhr bespaßen könne. Andererseits dürfe man Afferde auch nicht schlechtreden, sonst würde irgendwann eine sich selbst erfüllende Prophezeihung aus solchen (Vor)-Urteilen. „Es gibt auch gute Ansätze, so Marx und nannte in diesem Zusammenhang Finanzierungszusagen der Stiftung Wohnungshilfe, des Landkreises oder auch von solchen Institutionen wie dem Rotary Club oder Akki. „Afferde soll ein liebenswertes Image bekommen“, so sein Wunsch für die Zukunft. Dennoch will er die Jugendlichen auch mit den erheblichen zivilrechtlichen Folgen ihres Tuns konfrontieren.

Bei der Imagepflege war sich Marx aber mit allen am runden Tisch einig. „Auch in der Stadt Hameln gibt es Problembereiche. Deswegen darf man aber nicht ganz Afferde stigmatisieren“, sagt beispielsweise Ortsbürgermeisterin Ines Buddensiek (SPD). Sie wies auf die vielen Nationalitäten hin, die hier mehr oder weniger friedlich zusammenlebten. Und die wenigen Jugendlichen, die für negative Schlagzeilen gesorgt hätten, fühlen sich nach ihrer Ansicht ohnehin nur in der Gruppe stark. Sie jedenfalls fühle sich in ihrem Ort sicher – „und das auch abends.“

Der Abend, und besonders die Zeit zwischen 19 und 21 Uhr – das scheint die Zeit zu sein, in dem Langeweile und Frust am größten sind. Lydia Hoffmann (Spätaussiedlerin) forderte deshalb mehr Angebote gerade in diesen Stunden. Und war sich mit Tatjana Bartschke von der „Haltestelle“ darüber einig, dass von den jungen Leuten nicht nur Respekt erwartet werden dürfe, sondern dass man ihnen ebenso auch Respekt entgegenbringen müsse.

Fazit am Ende eines langen Nachmittags: Alle wollen etwas tun, nur über den Weg dahin sind sich noch nicht alle einig. Aufsuchende Sozialarbeit durch einen Streetworker – von vielen für Afferde gefordert – halten zwar alle im Grundsatz für gut, doch allzu große Hoffnungen hegt zumindest Marx nicht. Er weiß, dass es Jugendliche in Afferde gibt, die jedes Angebot annehmen, aber auch solche, die „keinen Bock auf gar nichts“ haben und „alles abblocken“. Eine Einschätzung, wie sie auch die 14-jährige Cansu Gökdemir bestätigt: „Manche wollen einfach nur abhängen und provozieren auch schon mal, wenn sie angetrunken sind. Aber man sollte wissen, wo seine Grenzen sind“, sagt die Schülerin, die sich in vielen Projekten engagiert, angesichts des Gewaltexzesses in der Gartenkolonie. Hoffnung immerhin machte Daniela Honka, Geschäftsführerin des Präventionsrates, den Anwesenden: „Es werden gerade neue Projekte angedacht, die auch für Afferde infrage kommen.“



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