weather-image
15°
Ungewöhnlicher Streit um ehemaliges Deponiegelände am Düth bei Afferde

Jetzt werden alle angezeigt …

Afferde. Manchmal scheint sich die Welt gegen einen verschworen zu haben. So geht es seit längerem einem Unternehmer aus Fischbeck. Er ist vor Jahren zu einem 14 800 Quadratmeter großen Grundstück am Düth bei Afferde gekommen – und kann damit nichts anfangen, weil verschiedene staatliche Stellen ihm Steine in den Weg legen. Der Streit füllt inzwischen ganze Ordner. Für die kommende Woche haben Heinz Nonnewitz und sein Bevollmächtigter Hans-Jürgen Herwig eine Klage gegen den Landkreis Hameln-Pyrmont wegen Vermögensschäden sowie Strafanzeigen gegen den Kreis, die Stadt und das Gewerbeaufsichtsamt wegen Umweltverstößen angekündigt. Die Behördenvertreter sehen dem entspannt entgegen, wie sie sagen.

veröffentlicht am 06.08.2015 um 17:49 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:02 Uhr

270_008_7753624_hm107_Dana_0708.jpg
Marc Fisser

Autor

Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Wir lassen uns anwaltlich vertreten. Ansprüche der Gegenseite sind für uns nicht zu erkennen“, betont Sabine Thimm, die Chefin der Kreisabfallwirtschaft. Der zentrale Punkt des vielschichtigen Konflikts liegt in ihrer Zuständigkeit. Denn es geht um eine ehemalige Boden- und Bauschuttdeponie, die einst im Auftrag des Landkreises auf dem Privatgrund am Teutberg betrieben wurde. Nonnewitz mit seinem Abbruch- und Containerdienst hat das Areal 2010 ersteigert – im Wissen, dass es nicht länger als Deponie zu nutzen ist und dass es im Bereich der geplanten Trasse für die Südumgehung liegt, wie er gegenüber der Dewezet sagt. Ihm sei es damals darum gegangen, seinen finanziellen Schaden, den die Pleite des Vorbesitzers verursacht hatte, zu vermindern.

Südumgehung und

Naturschutz verhindern Nutzung

Nonnewitz hat die Fläche aus der Konkursmasse ersteigert. Sie sollte für eine landwirtschaftliche Nutzung verpachtet werden, sagt er. Das wird ihm jedoch nicht ermöglicht. Denn seit dem Eigentümerwechsel wartet Nonnewitz vergeblich darauf, dass der Landkreis der Verpflichtung nachkommt, das Gelände zu rekultivieren. Die entgangenen Einnahmen stellt der Unternehmer der Kreisverwaltung in Rechnung. Es soll um einen vierstelligen monatlichen Betrag gehen.

„Wir werden rekultivieren, darüber gibt es keinen Dissenz“, betont im Kreishaus Dezernent Andreas Manz „Der Plan dazu wird gerade erarbeitet. Im nächsten Jahr soll es losgehen.“ Aber warum hat das so lange gedauert? Sabine Thimm verweist auf die Südumgehung, um deren Bau seit dem Jahr 2004 wegen Anrainerklagen vor Gericht gestritten wird. „Es ist sinnvoll, den Straßenbau und die Rekultivierung in einem Zuge zu erledigen“, erklärt die KAW-Leiterin. Um keine Steuergelder zu vergeuden, solle vermieden werden, die Deponie erst mit Mutterboden aufzufüllen und zu bepflanzen und kurz darauf für die Anlage der Straße wieder aufzureißen. So haben es auch die frühere Bezirksregierung und das Gewerbeaufsichtsamt empfohlen. Dass das Oberverwaltungsgericht Lüneburg erst im Jahr 2015, nämlich am kommenden Donnerstag, das Verfahren wieder aufgreifen würde, sei nicht absehbar gewesen.

Das lange Ruhen des Bauschutts führte dazu, dass sich dieser Bereich zum Paradies für die besonders schützenswerten Zauneidechsen und Blindschleichen entwickelt hat. Das fiel erstmals 2008 bei Untersuchungen für die Südumgehung auf. Die für den Artenschutz verantwortliche Stadt hat deshalb – auch mit Blick auf das nördlich der neuen Straße geplante Naturschutzgebiet – am Düth eine Veränderungssperre erlassen. Was wiederum Folgen für Nonnewitz hat. Denn er möchte dem Schützenverein Afferde 1000 Quadratmeter seines Grundstückes für die Anlage eines „unbefestigten Parkplatzes“ verkaufen. Für die Abstellfläche gibt es jedoch keine Baugenehmigung. Die Stadt verweist auf die ausstehende Rekultivierung sowie auf eine „in Niedersachsen anerkannte Zauneidechsen-Fachfrau“. Die Verwaltung betont zudem: „Die artenschutzrechtlichen Belange behindern nicht den Bau der Südumgehung, sondern sind vielmehr umfassend in der Planung berücksichtigt worden.“ Herwig wundert sich: „Ausgerechnet vor der wenige Meter entfernten geplanten Südtrasse sollen diese Tiere Halt gemacht haben. Wer soll das glauben?“

Nonnewitz hat derweil dem Landkreis das Gelände zum Kauf angeboten. „Der Preis ist aber deutlich überhöht“, stellt Sabine Thimm fest. Es werde ein „deutlich sechsstelliger Betrag“ verlangt, während der Eigentümer selbst „für wenig Geld“ an das Grundstück gekommen sei.

Nach derzeitiger Planung werden 4400 Quadratmeter der Nonnewitz-Fläche für die Südumgehung gebraucht – wenn sie denn gebaut wird. Dann wird sich auch die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mit dem Besitzer auseinandersetzen müssen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt