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Allen Befürchtungen zum Trotz: Manche Wirte sehen Rauchverbot heute positiv

„Jetzt kommen andere Gäste“

Hameln (CK/fh). Wer derzeit Nachrichten aus dem Nachbarbundesland hört, fühlt sich mitunter fünf Jahre in der Zeit zurückversetzt: Um ein schärferes Rauchverbot streiten Politiker und Wirte in Nordrhein-Westfalen, um Festzelte und Raucherklubs. Am Ende soll unter anderem ein – mehr oder weniger streng interpretiertes – absolutes Rauchverbot in der Gastronomie stehen.

veröffentlicht am 10.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 00:21 Uhr

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In Hameln sind solche Debatten offenbar Geschichte. Dabei kochten vor fünf Jahren, als das Nichtraucherschutzgesetz hierzulande eingeführt wurde, die Emotionen hoch. Gastronomen malten das Schreckgespenst eines Kneipen-Massensterbens an die Wand, der Gaststättenverband Dehoga sammelte Unterschriften gegen die neue Regelung. Heute sind solche Grabenkämpfe vergessen.

Im historischen Rattenfängerhaus an der Osterstraße etwa hat man gute Erfahrungen mit dem Nichtraucherschutz gemacht, aller Skepsis in der Anfangszeit zum Trotz. „Wir haben dadurch praktisch keine Nachteile gehabt“, sagt Chefin Christian Hartlieb-Fricke. Die Gäste ihres Restaurants jedenfalls, so sagt sie, hätten sich daran gewöhnt, dass dort nicht mehr geraucht werden dürfe, das sei mittlerweile „ganz normal“. Ganz vereinzelt habe mal der eine oder andere Gast, besonders am Tresen, nach einem Raucherraum gefragt (den es im Rattenfängerhaus übrigens nicht gibt), heute gebe es auch diese Anfragen praktisch gar nicht mehr. „Und wenn ich persönlich in ein Lokal komme, in dem noch geraucht werden darf, finde ich das inzwischen gewöhnungsbedürftig“, sagt die Restaurant-Chefin.

Gewöhnungsbedürftig – so erschien einigen zunächst auch die Pafferbude, die an die Bierstube Kitzinger am Posthof angebaut wurde, als das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft trat. Die Gäste haben sich aber schnell dran gewöhnt, dass sie mit dem Glimmstängel nicht im Lokal selbst, sondern nur noch in der „Hütte“ Platz nehmen dürfen. 30 bis 35 Sitzplätze gibt es dort, und die sind nach Auskunft von Peter Richter durchaus begehrt. „Es gibt Besucher, die darauf bestehen, nur dort zu sitzen und die Tür geschlossen zu halten“, sagt der Kitzinger-Mitarbeiter. Besonders deutlich wurde das übrigens während der Fußball-EM: Da herrschte in der Paffer-Hütte, in der auch ein Großbildschirm installiert ist, zeitweise „dicke Luft“ – die Raucher unter den Fans hat’s offenbar nicht gestört.

Auch bei denen, die sich letztlich um die Einhaltung des Nichtraucherschutzes kümmern müssten, gilt bei dem Thema: „Still ruht der See“, wie Stadt-Pressesprecher Thomas Wahmes sagt. Empörte Gaststättenbesucher? Aufmüpfige Wirte? Fehlanzeige. „Das hat sich eingespielt“, heißt es aus dem Rathaus. Kontrollen seien grundsätzlich durch Außendienst-Mitarbeiter des Ordnungsamtes möglich, finden aber offenbar nicht statt – mangels Anlass. „Für uns ist das Rauchverbot kein Thema mehr“, sagt Wahmes.

Gleiches gilt im Restaurant „Mexcal“. Zunächst hätten manche Gäste nach einem Raucherbereich gefragt, sagt Inhaber Andreas Jeschke. Dafür allerdings sei das Lokal zu klein, also muss er die Raucher vor die Tür bitten, wo sie immerhin auch bei Regen noch trocken stehen. Umsatzeinbußen hat Jeschke durch das Gesetz nicht gehabt, versichert er. „Unsere Gäste haben sich dran gewöhnt. Und viele finden es auch gut, dass sie während des Essens nicht eingenebelt werden.“

Die Sorgen, Gäste zu verlieren, hat sich im Rückblick auch bei den Kaffeestuben in der Wendenstraße als unbegründet erwiesen. „In den ersten Wochen und Monaten haben wir es gemerkt“, sagt Inhaberin Ulrike Deichmann. Aber danach habe sich alles wieder zurechtgerückt. Denn „jetzt kommen andere Gäste, Familien mit kleinen Kindern, die vorher weggeblieben sind, weil es nach Rauch roch“.

Eine Studie der Krankenkasse DAK will inzwischen übrigens sogar den gesundheitlichen Nutzen der seit 2007 – in manchen Ländern seit 2008 – geltenden Nichtraucherschutzgesetze nachgewiesen haben: Die Zahl der Behandlungen wegen Herzinfarkten sei um 8,6 Prozent zurückgegangen, die wegen Brustenge (Angina pectoris), einer Vorstufe des Infarktes, gar um 13,3 Prozent.

Raucherschutzgebiet: Die Bierstube Kitzinger bietet für Raucher nur noch Plätze in der „Paffer-Hütte“.

Foto: Wal

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