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„Auswärtsspiele“: Theaterchef zieht Bilanz

„Jetzt kenn ich die Stadt“

HAMELN. Ein Wagnis mit ungewissem Ausgang – aber auch das: alternativlos für einen Theaterleiter ohne Bühne. Und das ausgerechnet in seiner ersten Saison mit selbst gestaltetem Spielplan, der als Visitenkarte gedacht war und von Wolfgang Haendeler so nicht einzulösen. Was Hamelns Theaterchef vermutlich gerettet hat: sein Bekenntnis, er sei „selbst ungeheuer neugierig“.

veröffentlicht am 27.12.2017 um 17:56 Uhr

Nagelritz auf der Pluto. Foto: fn
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Richard Peter Reporter
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Und ganz klar: ein so langer Zeitraum von zusätzlich vier Monaten, während sein Theater brandschutzmäßig erneuert wurde – „das geht einfach nicht. Da muss man“, wie er sagt, „etwas tun“. Und so entdeckte er zusammen mit seiner Dramaturgin Ilka Voß seine Stadt fast zwangsläufig neu. Sah überall Spielmöglichkeiten. In der Münster-Krypta, auf der Pluto, im Pfannekuchen, der Synagoge und fast schon vertraut: Lalu, Sumpfblume, Schiller-Forum und viele, viele Spielorte vom Kunstkreis bis zur Selbert-Aula in der Thibaut-Straße in der Nordstadt, dem Haus der Kirche und der ehemaligen Feuerwache, Marktkirche, Museum und Regenbogen.

Mit „Auswärtsspiel“ entstand so eine außergewöhnliche Reihe, die im FiZ (Familie im Zentrum) am 17. September fröhlich Einstand feiern konnte. Das traditionelle Theaterfest vom Rathausplatz in die Fußgängerzone verlegt. Mitten in die Stadt. Was von Anfang an faszinierte – wie ungewöhnliche, zunächst auch fremde Spielorte perfekt zum jeweiligen, eigengewichtigen Sujet passten. Nagelritz mit modernem Seemannsgarn und dem Shanty-Chor der Marinekameradschaft auf der Pluto. Und wie die gern zitierte „Faust aufs Auge“ auch „Krach mit Bach“ im Kunstkreis, ein Mitternachtsspiel im Museum – die Lesung „Das Gericht des Meeres“ in der Krypta, eine Erzählung, die zur Entstehungszeit des romanischen Gewölbes spielt oder das Körpertheater-Projekt „An einen unbekannten Freund“, das nur hier, in der Synagoge zur suggestiven Wirkung kommen konnte oder auch das ideal ortsgebunden: die „Hamelner Geschichten“ aus der Feder von Wolfgang Haendeler im Pfannekuchen. Berühmte Söhne und Töchter der Rattenfängerstadt und Elsa Buchwitz sozusagen im eigenen Haus gefeiert.

Ein Experiment aus der Not geboren, das aufging. Heute kann der Theaterchef feststellen: „So nah, so gut“ und auch: „Jetzt kenn ich die Stadt“ – und prophezeit: „Das bietet sich für eine Fortsetzung an“. Und das nicht nur, weil das „heimatlos“ gewordenen Theater überall in der Stadt „total unterstützt“ wurde – viele Spielorte haben sich als geradezu ideal erwiesen. „Auswärtsspiel“ – das hieß: 41 Aufführungen an 14 verschiedenen Orten mit einer knapp 80prozentigen Auslastung. Der ideelle Gewinn dürfte noch höher liegen.

Theaterchef Wolfgang Haendeler
  • Theaterchef Wolfgang Haendeler

„Wir kommen zu Ihnen“ hieß es monatelang für den traditionellen Gastgeber, der diesmal selbst Gast war, auch wenn er sein „Personal“ jeweils mitbrachte und das Publikum so vertraute Gesichter sehen konnte. „Heute Nacht oder nie“ heißt es am 5. Januar mit den Comedian Harmonists – und bei aller Euphorie über die geglückten – auch beglückenden – Auswärtsspiele: Vermutlich werden alle glücklich sein, wieder ihr Theater zu haben. Die, die es machen und die, die es genießen dürfen.

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